"Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde"

Tausende Hitzetote, immer mehr Allergiker, West-Nil-Fieber in Sachsen: Schon heute macht die Klimakrise krank. Wie können wir uns schützen? Ein Gespräch mit der Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann über die Pandemien der Zukunft und das große Vorbild Frankreich.


Rauchsäule über einem abgeernteten Feld.
Hitze und Trockenheit sind die gesundheitlich folgenreichsten Auswirkungen des Klimawandels. (Foto: Christelle Prieur/​Pixabay)

Klimareporter°: Frau Traidl-Hoffmann, in Westdeutschland gab es gerade Starkregen, Überschwemmungen, mindestens 170 Tote. In Südeuropa dagegen überrollen Hitzewellen den Kontinent, in Griechenland brennen ganze Inseln, auch in Italien, Russland, den USA, weiten Teilen von Afrika und Südamerika brennen die Wälder. Überrascht Sie die Heftigkeit der Ereignisse?

Claudia Traidl-Hoffmann: Überrascht kann niemand mehr sein. Es sind Katastrophen mit Ansage. Die Unwetter haben längst zugenommen, genau wie es die Klimaforschung seit Jahrzehnten voraussagt. Das Polareis schmilzt, der Jetstream erlahmt und hat nicht mehr die Kraft, die Wetterlagen wegzuschieben. Und dann regnet es mal nicht nur zwei Stunden wie aus Eimern, sondern zwei Tage.

Das war kein Zusammenspiel einmaliger Faktoren – es wird noch viel häufiger kommen. Und deshalb bin ich auch echt wütend auf Politiker mit Regierungsverantwortung, die immer noch nicht handeln.

Sie sind Hautärztin, leiten die Abteilung Umweltmedizin am Universitätsklinikum in Augsburg und forschen am Helmholtz-Zentrum München zu den Auswirkungen der Klimakrise auf die menschliche Gesundheit. Welche Entwicklung ist für Menschen am gefährlichsten?

Eindeutig die Hitze. Jedes Jahr sterben in Deutschland schon heute geschätzt 6.000 bis 7.000 Menschen daran – doppelt so viele wie im Straßenverkehr. Es werden mehr werden. Die extremen Jahre wie 2003, 2006, 2018, wo sehr viele Menschen gestorben sind, werden in der Zukunft die kühleren Jahre sein.

Es heizt sich ja nicht nur bei uns auf. In der Arktis wurden gerade 34 Grad Celsius gemessen, in Kanada 50. Ein kanadisches Dorf, das auf der Höhe von Mainz liegt, ist komplett abgebrannt.

Woran genau sterben Menschen, die an Hitze sterben?

Manchmal versagen ihnen die Nieren, oft das Herz, andere erleiden einen Schlaganfall. Wir verlieren bei Hitze bis zu zwei Liter mehr Wasser am Tag. Das Blut wird zähflüssiger. In den Beinen kann es dann bei älteren Menschen leichter verklumpen und ein Blutgerinnsel bilden, eine Thrombose. Löst sich das, kann es eine Ader verstopfen und zu einer Lungenembolie, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen.

Auch junge, gesunde Leute sollten sich bei Hitze nicht überanstrengen. Erst neulich hatten wir in der Klinik einen 35-jährigen Dachdecker. Der hatte fünf Stunden lang in der prallen Sonne gearbeitet, bevor er vom Dach getaumelt ist und eingeliefert wurde – mit 43 Grad Körpertemperatur. Viel zu viel für Zellen und Proteine. Ein Multiorganversagen war die Folge.

Was passiert bei dieser Temperatur im Körper?

Man kann sich das vereinfacht vorstellen wie ein durch Hitze verformter Schlüssel, der nicht mehr ins Schloss passt. So ist das dann mit allen zellulären Prozessen, die nach diesem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktionieren. Bei 43 Grad verliert man den Schlüssel zum Leben. Die analogen Fieberthermometer endeten früher nicht umsonst bei 42 Grad.

Wer ist von der Hitze besonders gefährdet?

Besonders hart trifft es Menschen mit Lungenerkrankungen, vor allem in den Betonwüsten der Innenstädte. Für Christian Witt, den Leiter der Pneumologie in der Berliner Charité, war das Sommermärchen 2006 ein Schauermärchen: Viele seiner Patienten litten unter einer chronischen Lungenerkrankung oder warteten auf eine Transplantation. Seine Patienten schienen stabil, als er sich nachmittags verabschiedete. Wenn er morgens zurückkam, waren die Betten oft leer.

Die Patienten haben schlicht keine Luft mehr bekommen. Der Körper versucht die Wärme abzuatmen. Die Atemfrequenz erhöht sich, Menschen mit kranker Lunge schaffen das kaum. In klimatisierten Zimmern verschlechtert sich ihr Zustand nicht, sie erholen sich schneller. Die meisten, die an Hitze sterben, könnten wir leicht retten.

In Frankreich gab es 2018 zehnmal weniger Hitzetote als 15 Jahre vorher. Was macht Frankreich anders?

Es gibt einen Notfallplan für Hitzewellen, wie wir ihn für Überflutungen oder Erdbeben auch schon lange haben. Wenn die Sonne auf Frankreich brennt, rufen Behördenmitarbeiter Senioren und Seniorinnen an und holen sie auf Wunsch aus ihrer Dachgeschosswohnung. Sie bringen sie in die kühle Stadtbibliothek oder ins Museum.

Sie lassen die Leute gratis in die Schwimmbäder, die Feuerwehr spritzt Schulhöfe nass. Supermärkte stellen Stühle neben das Kühlregal, Hotels bieten günstige Zimmer an.

Solche Pläne gibt es in Deutschland nicht?

Die gibt es bei uns auch, ganz wunderbare sogar. Nur liegen sie in den Schubladen der Gesundheitsministerien, die das nicht anschieben. Umwelt- und Klimathemen haben einfach noch zu häufig keine Priorität.

Mit dem bayerischen Gesundheitsministerium erarbeiten wir gerade einen Klimaaktionsplan. Hier bewegt sich wirklich viel – gemeinsam mit uns Ärzten und der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit.

Was raten Sie älteren und generell gefährdeten Menschen in Deutschland, wenn die nächste Hitzewelle droht?

Das Wichtigste: viel trinken, jede Stunde mindestens ein Glas, selbst wenn man keinen Durst hat – und vor allem, wer bei Hitze kaum zur Toilette muss. Mineralwasser, am besten nicht aus dem Kühlschrank, ist super, weil der Körper wichtige Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium und Natrium ausschwitzt. Auch eine Gemüsebrühe hilft oder lauwarmer Tee.

Porträtaufnahme von Claudia Traidl-Hoffmann.
Foto: Andreas Heddergott/​TUM

Claudia Traidl-Hoffmann

ist Direktorin für Umwelt­medizin am Universitäts­klinikum Augsburg und Hautärztin in München. Vor Kurzem erschien ihr Buch "Überhitzt: Die Folgen des Klima­wandels für unsere Gesundheit", das sie zusammen mit der Wissen­schafts­journalistin Katja Trippel geschrieben hat. Das Interview mit Claudia Traidl-Hoffmann ist erstmals am 10. August im SZ‑Magazin erschienen.

Was das Essen angeht: leichte Kost, gern viele kleine Mahlzeiten, etwa eine Suppe und später einen Salat statt einer fetten Currywurst mit Pommes, mit der der Körper richtig zu tun hat.

Wer Medikamente nimmt, sollte das unbedingt mit dem Arzt abklären. Da der Blutdruck bei Hitze fällt, muss man eventuell weniger blutdrucksenkende Mittel nehmen. Auch Insulin wirkt bei Hitze stärker.

Ein paar Schritte in der kühlen Wohnung halten den Kreislauf in Gang. Wer dafür zu schlapp ist, sollte zumindest ab und zu die Füße hochlegen, damit das Blut besser abfließen kann und es nicht zu Wassereinlagerungen kommt. Ärzte sollten ihre älteren Patienten anrufen, Nachbarn dürfen auch gern klingeln.

Wie können gefährdete Menschen den Körper kühlen, wenn ihnen zu heiß wird?

Sie können sich ein feuchtes Handtuch in den Nacken legen oder die Füße in ein Becken mit Wasser halten. Und das nicht erst, wenn sie schon völlig fertig sind.

Im vergangenen Winter sind in Deutschland 23 Menschen erfroren. Das löste zu Recht Bestürzung aus. Warum aber spricht kaum jemand über die mehr als 6.000 Hitzetoten jedes Jahr?

Der Hitzetod ist ein stiller Tod. Er ist nicht meldepflichtig, die Verbindung zwischen Tod und Hitze erkennen nur Ärztinnen und Ärzte, die genau hinschauen.

Dazu kommt: Wir haben noch keine Art gefunden, vom Hitzetod zu erzählen. Das liegt auch an den typischen Bildern. Zum Beispiel sehen wir, wenn Hitze dargestellt werden soll, noch immer oft Kinder, die in der Sonne ein Eis essen. Das verharmlost die Hitze aber sehr.

Die Flutbilder dagegen, die wir gerade aus Westdeutschland gesehen haben, verleiten zum Handeln: Päckchen mit Kleidung, Decken und Kuscheltieren haben wir sonst nur für Menschen in fernen Ländern wie Haiti gepackt. Nun schicken wir sie ins Ahrtal.

Was die Hitze angeht, gab es bei uns noch nicht diesen Schockmoment wie in Frankreich im Sommer 2003.

In Ihrem Buch "Überhitzt" bezeichnen Sie die Hitzewelle von 2003 als tödlichste Naturkatastrophe in Europa seit dem Erdbeben von Messina im Jahr 1908, bei dem etwa 100.000 Menschen starben. 2003 starben in zwölf Ländern allein im August rund 70.000 Menschen, darunter mehr als 7.000 Deutsche und 15.000 Franzosen. In Paris brachen an einem Tag 40 Menschen auf der Straße zusammen.

Jeder Franzose sah damals Bilder von Patienten, die auf den Krankenhausfluren lagen, oder den Särgen, die sich in Kühllastern stapelten. Die meisten waren schon älter, aber nur jeder Fünfte war schwer krank. Sie hätten nicht sterben müssen.

Diese Bilder gab es hier, Gott sei Dank, nicht. Aber darauf sollten wir nicht länger warten. Wir nehmen ja auch Geld in die Hand, um Deiche und Dämme zu bauen.

Was macht die Hitze mit denen, die nicht daran sterben?

Viele klagen über Luftnot und Husten, sie fühlen sich schlapp oder schwindelig, weil ihr Blutdruck so niedrig ist. Wenn die Hitze plötzlich über sie hereinbricht, kann das Herz sogar aus dem Takt geraten, sodass es zu Herzrhythmusstörungen kommt. Die Hitze verschlimmert auch die Beschwerden derjenigen, die schon krank sind, egal ob sie an Asthma, Diabetes, Demenz oder Multipler Sklerose leiden.

Kurz gesagt: Hitze macht Gesunde groggy und Kranke kränker. Vor allem die verletzlichen Gruppen sind weniger widerstandsfähig: Kinder, Schwangere, Alte, Kranke. In einigen Fällen sehen wir auch Zusammenhänge, die wir noch nicht genau verstehen. Diabetes zum Beispiel nimmt bei Hitze zu.

Seit wann stellen Sie fest, dass die Klimakrise nicht nur eine abstrakte Bedrohung in der Zukunft ist, sondern sich schon hier und jetzt auswirkt?

Vor ein paar Jahren kamen immer mehr Patienten in mein Sprechzimmer, deren Symptome in kein Lehrbuch passten: Heuschnupfen im Januar, schweres Asthma im Spätherbst. Erst später fanden wir die Ursache: Ambrosia, eine Pflanze, hochallergen, die hier erst seit der Erderwärmung wächst.

Ein Mann liegt in einem Krankenbett, offenbar angeschlossen an verschiedene Geräte.
Klimawandel macht immer mehr Menschen krank. (Foto: Frank C. Müller/​Wikimedia Commons)

Vierzig Prozent der Menschen leiden schon heute unter Allergien – viele können nicht richtig arbeiten, weil ihnen ständig die Nase läuft. Allein die durch Allergien ausgelösten Kosten belaufen sich in der EU auf rund 150 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommen Patienten mit Dermatitis, die sich mit dem Messer kratzen, weil sie die Hitze nicht aushalten.

Und plötzlich behandeln wir Menschen, die sich mit dem West-Nil-Fieber angesteckt haben. Es verläuft meistens recht harmlos, ähnlich wie eine Grippe. Aber auch das für Schwangere gefährliche Zika-Virus oder das Denguefieber könnten sich hier breitmachen. Die Asiatische Tigermücke, ein potenzieller Überträger, hat im warmen Baden-Württemberg schon eine neue Heimat gefunden.

Außerdem gibt es immer mehr Zecken, und Pollen fliegen fast das ganze Jahr über.

Was hilft gegen Allergien?

Menschen mit Neurodermitis sollten ihre Haut behandeln lassen, damit sie nicht weiter Einfallstor für Allergien ist. Allergiker können wir mit Immuntherapien an das Allergen gewöhnen, dann wird daraus kein Asthma. Wenn viele Pollen fliegen und es gewittert oder regnet, sollten sie aber zu Hause bleiben. Denn dann zerplatzen die Pollen, die Allergene dringen tiefer in die Lunge ein.

Was macht die Klimakrise mit unserer Psyche?

Wem die Existenzgrundlage wegbricht, der handelt sich schnell eine Depression ein, etwa der Förster, dem der Borkenkäfer die Bäume kaputtmacht, oder der Bauer, dessen Weizen vertrocknet, wie es aufgrund der Dürre in Nordamerika gerade massiv passiert ist. Auch hierzulande rufen immer mehr Bauern bei Hilfetelefonen an und berichten darüber, dass sie etwa zu trinken begonnen haben.

Und viele junge Leute haben Zukunftsängste. Sie fragen sich, ob sie überhaupt noch Kinder in diese Welt setzen können. Aber auch etwas kleiner gedacht: Wir alle sind reizbarer und aggressiver, wenn uns zu heiß wird. Die häusliche Gewalt nimmt zu, wie Studien zeigen.

Neben der Klimakrise haben auch deren Ursachen gesundheitliche Auswirkungen: Laut der Europäischen Umweltagentur sterben in Deutschland mehr als 40.000 Menschen pro Jahr wegen des Feinstaubs in der Luft.

Die Abgase aus Autos, der Tierhaltungsindustrie, aus Kraftwerken oder Kaminen machen in der Tat krank. Größere Teilchen filtern Nasenschleim und Nasenhärchen heraus, kleinere gelangen jedoch in die Lunge. Es entstehen erstmal leichte Entzündungen, die aber chronisch werden und Krebs verursachen können.

Die Abgase verschlimmern so zugleich Erkrankungen wie Diabetes oder Alzheimer, wir finden Feinstaubpartikel im Gehirn. Auch Allergien und Neurodermitis nehmen durch die Abgasbelastungen zu – Kinder, die an viel befahrenen Straßen aufwachsen, erkranken eher daran als andere.

Trotzdem leben die Menschen immer länger.

Seit 1950 hat sich unsere Lebenserwartung um 50 Prozent erhöht, das ist wirklich signifikant. Aber sie ist auf einem Plateau angekommen, zuletzt sogar leicht zurückgegangen. Wir bewegen uns zu wenig, essen zu ungesund.

In Zukunft wird auch die Klimakrise die Lebenserwartung drücken, sollten wir nicht gegensteuern. Jedes Zehntelgrad, um das sich die Erde erwärmt, werden wir an Leib und Seele spüren. Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde.

Haben Sie den Eindruck, diese gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise werden von der Politik ausreichend berücksichtigt?

Ich werde nicht selten in Ausschüssen dazu befragt, von Politikern, die sich mit diesen Themen befassen. Zumindest unter denen, die nicht zur AfD gehören, verstehen immer mehr, worum es geht. In den Parteispitzen scheint das aber nicht anzukommen.

Im September sind Bundestagswahlen – was würde die neue Regierung tun, würde sie auf Sie hören?

Wir müssen ran an die großen Hebel: Energie aus Kohle muss jetzt endlich der Vergangenheit angehören, die Autos sollten aus den Innenstädten raus, wir alle müssen viel weniger Fleisch essen und viel weniger fliegen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen so gut werden, dass sich die Leute statt ins eigene Auto lieber in den Zug oder den Bus setzen – günstig, zuverlässig, dicht getaktet. Elektroautos allein werden das Problem nicht lösen, schon weil auch die Herstellung der Batterien CO2 produziert.

Deutschland muss ein Leuchtturm sein, den Klimaschutz zusammen mit der EU global vorantreiben – und eigene Probleme nicht exportieren, indem wir dreckigen Strom importieren und unseren Müll verschiffen.

In einem Interview sagten Sie mal: "Unsere Kinder werden an den Umweltbelastungen sterben." Was sagen Ihre eigenen Kinder dazu?

Das wurde vielleicht ein wenig überspitzt wiedergegeben, aber: Umweltbelastungen und Klimakrise machen unsere Kinder nachhaltig krank, und an den Erkrankungen können sie auch sterben. Feinstaub verursacht schon heute Lungenkrebs. Mein Schwiegervater ist an einem Mesotheliom gestorben, also an Lungenkrebs, der durch Asbest induziert war.

Mein Sohn ist Elektriker, der schwitzt wie verrückt auf der Baustelle. Ich will gar nicht wissen, wie ihm jetzt im August die Sonne auf den Schädel brennt. Angst haben meine Kinder aber nicht, sie fragen eher: Was können wir besser machen?

Treffen Sie öfter auf Menschen, die Sie für eine Alarmistin halten?

Sie können sich nicht vorstellen, was mir manche Menschen trotzdem schreiben. Inzwischen habe ich einen Ordner, der heißt: "Mails von netten Leuten", da schiebe ich die direkt rein.

Ein Flugzeugtriebwerk hat Feuer gefangen, der Pilot sagt zum Kopiloten: Notlanden und umsteigen? Das würde die Passagiere nur beunruhigen! Auf dem Flugzeug steht der Name: fossiles Zeitalter.
Der Klimawandel wird bisher kaum als akutes Problem wahrgenommen. (Karikatur: Gerhard Mester; Copyright: SFV/​Mester)

Inzwischen denken mehr Leute an die Umwelt, greifen im Supermarkt vielleicht auch zur Bambus-Zahnbürste – und fliegen im Frühjahr trotzdem nach Neuseeland und im Herbst nach Kolumbien. Für viele erscheint die Klimakrise noch immer zu abstrakt und weit weg, zeitlich wie geografisch.

Aus der Evolutionsforschung wissen wir: Wir nehmen Gefahren erst dann wahr, wenn sie persönlich und gegenwärtig sind. Die Klimakrise ist aber eben gerade kein brüllendes Raubtier, das hinter dem Busch hervorspringt. Wäre er eins, würden wir längst laufen.

Und darauf sollten gerade wir Ärzte aufmerksam machen, wir haben eine gewisse Glaubwürdigkeit – das hat auch die Pandemie gezeigt.

Auch die könnte mit der Klimakrise zusammenhängen.

Die Hinweise sind evident, dass es eine Verbindung gibt zwischen unseren drei großen Krisen: Klimakrise, Artensterben, Pandemie. Der Ursprung ist der Mensch, der in das Wildleben von Pflanzen und Tieren eingreift, sie jagt, isst.

HIV sprang vom Affen auf den Menschen über, Ebola von der Fledermaus, Sars-Cov-2 direkt oder indirekt wohl auch. Wir haben die dritte Pandemie in diesem Jahrtausend durch Corona-Viren. Da braucht man keine Glaskugel, um zu sagen: Die nächste kommt bestimmt.

Wir müssen die planetaren Grenzen einhalten. Sonst drohen weitere Pandemien, Fluten und andere Krisen, etwa Kriege ums Wasser.

Was tun Sie, um das Klima zu schützen?

Das Tolle ist: Was gut fürs Klima ist, ist oft auch gut für uns Menschen. Wenn ich mit dem Rad zum Bäcker fahre, spare ich CO2 und werde fitter. Wenn ich auf Fleisch verzichte, spare ich CO2 und achte auf gesunde Ernährung.

Urlaub mache ich auf der Schwäbischen Alb oder an der Ostsee, da ist es auch schön, und ich spare mir die anstrengende Reise. Und wenn ich dorthin noch den Zug nehme statt des Autos, spare ich mir das Chaos des Straßenverkehrs und komme entspannter an. Auch Stress ist ungesund.

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