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Der zähe Fichtenkiller

Nach dem extremen Trockenheitsjahr 2018 sehen viele Wälder wie Schlachtfelder aus. Vor allem der Holzlieferant Nummer eins, die Fichte, ist betroffen. Nach einem viel zu warmen Winter könnte es in diesem Jahr noch schlimmer werden.


Tote Bäume im Bayerischen Wald
Sind die Bäume durch anhaltende Trockenheit geschwächt, können Borkenkäfer sie leicht zum Absterben bringen, wie hier im Nationalpark Bayerischer Wald. (Foto: Kurt Seebauer/​Wikimedia Commons)

Viele Wälder sehen derzeit aus wie Schlachtfelder. Die Förster haben jede Menge Fichten eingeschlagen und herausgeholt, um dem Borkenkäfer beizukommen, der die Bäume im extremen Trockenheitsjahr 2018 zum Absterben gebracht hat.

Manche stellen sogar Schilder auf, um dem geschockten Spaziergänger zu erklären, warum sie sich aufführen wie die sprichwörtliche Axt im Wald. Die Fichten müssen weg, weil der Fichtenkiller es in diesem Jahr sonst wieder so toll treiben wird.

Oder vielleicht noch schlimmer. Eine aktuelle Erhebung aus einem Fichtenbestand im Kottenforst bei Bonn hat zum Beispiel gezeigt, dass dort 90 Prozent der Borkenkäfer den Winter überlebt haben, im Schnitt 15.000 pro Baum.

Da ein Weibchen pro Jahr 100.000 bis 250.000 Nachkommen hat und normalerweise die Hälfte der Käfer Weibchen sind, sind das mindestens 750 Millionen Exemplare – eine unglaubliche Zahl, die klarmacht, wie groß der Druck auf die Bestände sein wird.

Die Aussichten sind auch deswegen nicht gut, weil die Witterung nicht mitspielt. Denn auch der Winter war unter dem Strich zu trocken, vor allem im Februar.

Normalerweise ist der Waldboden im Frühjahr wassergefüllt, doch jetzt ist vielerorts unterhalb von 50 Zentimetern alles trocken. Und ohne Wasser kann die Fichte sich nicht gegen den Schädling wehren, den sie normalerweise durch Produktion von Harz "stilllegen" kann. Die nächste Borkenkäferplage ist damit programmiert.

Die Sorgen sind groß, und so werden mancherorts Notmaßnahmen ergriffen – sogar in Naturschutzgebieten. In Niedersachsen haben Umwelt- und Landwirtschaftsministerium empfohlen, Baumfällungen zwecks Borkenkäfer-Beseitigung auch in den Natura-2000-Gebieten weiter zuzulassen, wo sie seit Ende Februar eigentlich verboten sind. Sogar der Einsatz von Pestiziden soll "punktuell" gestattet werden, etwa um gestapeltes Holz gegen Borkenkäfer zu behandeln.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Die Kalamität unterstreicht erneut, dass die Forste in Zeiten des Klimawandels dringend umgebaut werden müssen – in resistentere, besser angepasste Mischwälder.

Die schnellwachsenden Fichten wurden als Holzlieferant nach den Zweiten Weltkrieg oft an ungeeigneten Standorten angepflanzt, was sie nun noch schneller zum Opfer der Borkenkäfer werden lässt. Doch das allein kann das, was jetzt draußen im Wald passiert, nicht erklären.

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