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Die Erde hat Fieber – jetzt!

Fluten, Dürren, Brände: Die Klimakatastrophe kommt angekündigt. Was heute Jahrtausendsommer der Extreme genannt wird, kann bald Normalität sein. In der Politik haben erst viel zu wenige begriffen, worum es jetzt wirklich geht.


Riesige Flammen in der Nacht über einem Höhenzug im Hintergrund, vorn die Lichter einer Siedlung.
Die Klimakatastrophe rollt heran, doch die Klimapolitik ist eine Schnecke. (Foto: Skeeze/​Pixabay)

2021 haben wir einen "Jahrtausendsommer", einen "Sommer der Extreme" (Spiegel): Tödliche Fluten in Deutschland, Flammenmeere in Südeuropa, Hitzerekorde an vielen Orten der Welt.

Viele tun noch immer völlig überrascht, wie zum Beispiel der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet angesichts des Hochwassers: "Weil jetzt so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik." (Tagesspiegel)

Dabei hat sich die Katastrophe lange angekündigt. Im noch jungen 21. Jahrhundert hatten wir kaum ein Jahr ohne außergewöhnliche Wetterextreme. Beispiele, die der Stern in einem Sonderheft am 31. Juli publizierte:

2002: Elbe-Flut in Deutschland – extreme Überschwemmungen. 2003: schwere Waldbrände in Frankreich, Hitzesommer mit 65.000 Hitzetoten in Westeuropa. 2004: starker Wirbelsturm im Südatlantik. 2005: Hurrikan "Katrina" richtet riesige Verwüstungen im Süden der USA an. 2009: wochenlange Buschbrände im australischen Bundesstaat Victoria.

2010: schwere Regenfälle in Pakistan, 1.700 Tote; über 500 Waldbrände in Russland. 2011: größte Trockenheit in Äthiopien, Eritrea, Somalia, Kenia – Hungersnot. 2012: weltweit heißester Monat Juli seit 1880. 2013: Hochwasserkatastrophe an Rhein und Elbe in Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien und Polen; in Österreich erstmals Temperaturen über 40 Grad, in Japan erstmals über 41 Grad. 2014: erstmals seit 1880 global die feuchtesten Monate zu Jahresanfang, danach Rekord-Trockenheit.

2015: trockenster Mai in Spanien seit 1947. 2016: global die wärmsten drei Jahre seit 1881; in Kuwait mit 53,9 Grad die höchste Temperatur Asiens überhaupt. 2017: Hitzewelle in Argentinien und Chile. 2018: weltweit wärmstes Jahr seit 1880; extreme Trockenheit in Mitteleuropa bis 2020 – Ernteausfälle bis zu 70 Prozent. 2019: Zyklon "Kyarr" im Arabischen Meer ist mit 240 km/h der stärkste Wirbelsturm aller Zeiten. 2020: verheerende Brände in Australien.

In diesem Jahr nun Starkregen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit über 200 Toten und über sechs Milliarden Euro Schäden. Außerdem 54 Grad in Griechenland, Waldbrände am Mittelmeer, in Russland, Kanada und Kalifornien, Hochwasser in China.

Soll das nun einfach so weitergehen? Die schlichte Verlängerung dieser Gegenwart kann keine gute Zukunft für alle bringen. Nur im Rahmen der planetaren Grenzen wird künftig ökonomisches Handeln noch verantwortlich sein.

"Es wird alle treffen, überall, ob reich oder arm"

Denn nicht nur ferne Länder wie Bangladesch sind heute verletzlich. Jedes Land ist durch die Klimakrise verletzlich geworden.

Der Klimatologe und Leiter des International Center for Climate Change and Development in Dhaka (Bangladesch), Saleemul Huq, sagte an Deutschland gerichtet nach dem verheerenden Hochwasser hierzulande im Juli: "Seid nicht mehr unvorbereitet. Rechnet wieder damit. Das Wasser wird wiederkommen. Jeder muss in Zukunft an jedem Ort vorbereitet sein. Zerstörung, Verluste, es wird in Zukunft alle betreffen, und zwar überall. Egal ob reich oder arm."

Was heute noch ein "Jahrtausendsommer" ist, kann schon in zehn Jahren Normalität sein, vermutet der Weltklimarat in seinem neuesten Bericht.

Die Bundestagswahl am 26. September wird zeigen, ob die Deutschen die Situation begriffen haben und die Klimafrage zur Machtfrage machen. Die bisherigen Reaktionen der Parteichefs Laschet, Scholz und Lindner beweisen, dass die Altparteien immer noch nicht verstehen, dass die Klimakatastrophe die Überlebensfrage der Menschheit ist.

Franz Alt

ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, danach bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Als einer der ersten deutsch­sprachigen Journalisten informierte er über den Klima­wandel und die nötige Energie­wende.

Deutschland braucht ein Klimaschutzministerium mit echter Machtkompetenz – wie es die Grünen fordern und wie es die USA bereits haben.

Das alte Prinzip Hoffnung muss endlich ergänzt werden durch das neue Prinzip Handeln für die künftigen Generationen. Klimaschutz muss das Thema Nummer eins der neuen Regierung werden.

Ein Klimaschutzministerium mit Vetorecht hat der konservative Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) schon 1988 gefordert.

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