Weniger Steak, mehr Grün

Der Fleischkonsum der Deutschen soll sich halbieren, das würde den Zustand von Böden, Wasser und Biodiversität verbessern helfen. Das Umweltbundesamt stellt seinen diesjährigen Umweltmonitor vor. Beim Klima stehen die Indikatoren "heiße Tage" und "globale Lufttemperatur" auf Rot.


Speck
Gar kein Grün gibt es auf diesem Foto. Ganz so schlimm fällt die UBA-Bilanz dieses Jahr nicht aus. (Foto: Ryan Dowd/Flickr)

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, dringt auf eine Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland. "Wir müssen die Massentierhaltung reduzieren, damit die zu hohen Stickstoffeinträge sinken und Böden, Wasser, Biodiversität und menschliche Gesundheit weniger belastet werden", sagte er unlängst in einem Interview.

Schon jetzt werde in Deutschland zwar etwas weniger Fleisch gegessen. Tatsächlich war der Konsum 2020 mit 57,3 Kilogramm pro Person so niedrig wie noch nie seit der ersten Berechnung 1989.

Aber wenn man wirkungsvoll etwas ändern und die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation befolgen wolle, so der UBA-Chef, dann sei die Halbierung des Fleischkonsums und damit das Zurückdrängen der Massentierhaltung das richtige Ziel.

Den Hintergrund für diesen Appell liefert der "Umweltmonitor 2020" des UBA, der zehn zentrale Themenfelder von Klima, Wasser, Luft bis hin zu Flächenverbrauch und Lärm abbildet. Er kam jetzt heraus.

Im Themenfeld Wasser zeigt der Umweltmonitor in allen drei dafür ausgewerteten Indikatoren "rot" an. So sind nur sieben Prozent der Flüsse in einem guten ökologischen Zustand, und an knapp 16 Prozent der Messstellen wird der Grenzwert zur Nitratbelastung des Grundwassers überschritten.

Als Grund benennt das UBA vor allem die immer noch zu hohe Nährstoffbelastung der Gewässer – und die wird vor allem durch die Landwirtschaft verursacht.

Das UBA empfiehlt, statt pauschaler Flächenprämien über die Agrarförderung der EU ökologische Leistungen wie Gewässerrandstreifen und biologische Bewirtschaftung zu honorieren.

"Auch die Ausweitung des Ökolandbaus hätte positive Wirkungen auf die Gewässerqualität", so das Amt. Derzeit werde das Ziel eines 20-Prozent-Anteils an der gesamten Landwirtschaft noch weit verfehlt. Und ein wichtiger Ansatzpunkt für weniger Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft sei eben auch ein geringerer Fleischkonsum.

Nur wenige Indikatoren zufriedenstellend

Ansonsten zeichnet der Monitor ein gemischtes Bild des Umweltzustands. Bei der Luftqualität und dem CO2-Ausstoß zum Beispiel hat es Verbesserungen gegeben.

Die Luftqualität hat sich laut UBA in den letzten Jahren sogar stetig verbessert, so gab es 2020 zum zweiten Mal keine Grenzwertüberschreitung beim Feinstaub. Allerdings sieht das Amt die derzeitigen Grenzwerte als nicht ausreichend für den Schutz der Gesundheit an, es empfiehlt eine Überarbeitung.

Im Themenfeld Klima wiederum stehen die Indikatoren "heiße Tage" und "globale Lufttemperatur" auf Rot. Doch auch der positive Trend beim CO2-Ausstoß ist mit Vorsicht zu genießen. Dieser sei zum Teil durch den Corona-Effekt bedingt.

"Vor allem im Verkehrsbereich ist wieder mit steigenden Emissionen zu rechnen, wenn nach der Pandemie die Mobilität wieder auf das Vorkrisenniveau ansteigt", so das UBA.

Auch das Themenfeld Fläche und Land-Ökosysteme zeigt keine "grünen" Bewertungen. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche nimmt zwar nicht mehr so stark zu und das Ziel, den Flächenverbrauch bis 2030 auf 20 Hektar pro Tag zu senken, würde bei Fortsetzung des Trends der letzten Jahre erreicht werden – 2015 bis 2018 waren es noch 56 Hektar.

Doch habe sich der Indikator zur Landschaftsqualität und Artenvielfalt in den letzten zehn Jahren sogar verschlechtert. Laut UBA sind die Land-Ökosysteme gefährdet. So seien empfindliche Ökosysteme auf 68 Prozent ihrer Fläche durch zu hohe Stickstoff-Einträge bedroht.

Amtschef Messner betonte, man dürfe sich nicht auf kurzfristigen positiven Effekten wie beim CO2-Rückgang infolge von Corona ausruhen. Allerdings biete die aktuelle Krise "die Chance, ökologisch verträgliche Entwicklungen anzustoßen". Das Wiederanfahren nach Corona müsse mit dem Kampf gegen den Klimawandel und die anderen Umweltkrisen verbunden werden.

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