Ammoniak als Sättigungsbeilage

Die Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung sind seit zehn Jahren nicht gesunken. Die Folgen bekommen das Grundwasser und das Klima zu spüren. Der Chef des Umweltbundesamts schlägt vor, auch über strukturelle Veränderungen zu reden.


Gülle aus einem Trecker-Anhänger wird auf dem Acker verteilt.
Ammoniak entsteht, wenn sich Gülle zersetzt, ob hier im Oberallgäu oder anderswo. (Foto: High Contrast/​Wikimedia Commons)

Essen muss jeder. Was man isst und wie es produziert wird, macht einen großen Unterschied – für die Umwelt, das Klima und für die Luft, die wir atmen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat jetzt in seiner Jahresbilanz zu den Luftschadstoffen in Deutschland betont: Es muss deutlich mehr geschehen, um die Landwirtschaft verträglicher zu machen.

Die Bilanz zeigt nämlich: Während die anderen Haupt-Schadstoffe wie Schwefelverbindungen, Stickoxide und Feinstaub seit 1990 um satte 95 respektive 59 und 55 Prozent gesunken sind, ging der Ausstoß von Ammoniak in der Landwirtschaft nur geringfügig zurück, um 16 Prozent.

Besonders kritisch ist hierbei: Die Emissionen verharren seit zehn Jahren auf mehr oder weniger gleichem Niveau. Das heißt, es bewegt sich nichts in die richtige Richtung, die da ist: nach unten.

Das ätzende, giftige und stark übelriechende Gas, das bei der Zersetzung von Gülle und abgestorbenen Pflanzen entsteht, ist alles andere als ungefährlich. Ammoniak und das nach Umwandlung entstehende Ammonium schädigen Land- und Wasserökosysteme direkt – durch Versauerung und Nährstoffanreicherung. In der Umwelt kann sich Ammoniak in eine der vielen anderen kritischen Stickstoff-Verbindungen umwandeln.

"Wir müssten auch über Strukturen diskutieren"

Die Folgen: Nitrat im Grundwasser, Feinstaub und Ozon in der Atemluft, mehr vom Treibhausgas Lachgas in der Atmosphäre. Hohe Ammoniakkonzentrationen in der Umgebung von Massentierhaltungsanlagen können sogar zu direkten Schäden an der Vegetation führen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Es muss also endlich etwas geschehen. "Wir brauchen hier tief greifende Reformen, vor allem in der landwirtschaftlichen Praxis", fordert zu Recht UBA-Chef Dirk Messner.

Seine Behörde empfiehlt unter anderem, die Lager für Gülle besser abzudecken, damit das Gas nicht mehr in Luft entweichen kann. Die Fütterung der Tiere solle weniger eiweißreich eingestellt und die Verwendung von Kunstdünger auf den Feldern besser an den tatsächlichen Nährstoffbedarf angepasst werden.

Solche Maßnahmen alleine dürften nicht reichen, den Ammoniakdunst auf verträgliche Werte zu verringern. Das UBA meint: In diesem Falle "müssten wir auch über Maßnahmen in der Struktur der Landwirtschaft diskutieren" – wie die Reduzierung der Tierbestände, um die Güllefluten einzudämmen.

Allerdings: Diskutieren reicht nicht. Man muss es auch tun.

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