Klimakonferenz in Bonn hat begonnen

Bei der Bonner Vorbereitungskonferenz zum diesjährigen Klimagipfel stehen bekannte Themen auf der Agenda: Anhebung der Klimaziele, Zahlungen für die Klimaanpassung und den Ausgleich von Verlusten und Schäden. Der Angriff auf die Ukraine belastet die Kooperation, hat aber auch die kleinen Staaten aufgeweckt.


Modernes lichtdurchflutetes Atrium des World Conference Center Bonn, in dem die jährlichen vorbereitenden Klimakonferenzen stattfinden.
Die Klima-Zwischenkonferenz findet dieses Jahr wieder am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn statt. (Foto: UNFCCC/​Flickr)

In Bonn hat die erste Klimakonferenz seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begonnen. Die knapp zweiwöchigen Verhandlungen mit tausenden Teilnehmer:innen bereiten die Klimakonferenz COP 27 in Scharm el-Scheich vor.

In dem ägyptischen Tourismuszentrum soll es im November vor allem darum gehen, wie der Klimawandel gebremst werden kann. Dazu sollen die Staaten ihre Pläne zum Einsparen von Treibhausgaben, die sogenannten NDCs, verbessern.

Auf der Agenda steht aber auch, wie sich die Gesellschaften besser an die Folgen der Klimakrise anpassen können. Drittes großes Thema ist eine bessere Ausstattung für die internationale Klimafinanzierung, die Entwicklungsländern dabei hilft, sich an die Klimafolgen anzupassen und bereits entstandene Schäden auszugleichen.

Fachleute gehen davon aus, dass der Ukraine-Krieg die internationale Klimadiplomatie überschatten wird. "Die Situation mit Russland hat offensichtlich die multilaterale Zusammenarbeit belastet und wird sie in den kommenden zehn Jahren zersplittern", sagt Magnus Benzie vom Stockholm Environment Institute. Der Experte für Klimaanpassung sieht darin ein großes Risiko.

Zugleich würden jetzt aber auch viele kleine Länder aufwachen, die bei einem Zusammenbruch des Multilateralismus am meisten zu verlieren haben. "Ich höre von verschiedenen Debatten über neue Koalitionen, die aus diesen kleinen, vom Multilateralismus abhängigen Ländern entstehen könnten", sagt Benzie.

Darüber hinaus hat Russlands Krieg deutlich gemacht, wie sehr noch fast alle Länder von fossilen Brennstoffen abhängig sind und wie gefährlich diese Abhängigkeit ist. "In gewisser Weise sind wir erfreut zu sehen, dass durch den Krieg die Probleme mit den fossilen Brennstoffen endlich erkannt wurden", sagt der Außenminister von Vanuatu, Ralph Regenvanu.

"Jetzt wird anerkannt, dass die fossilen Brennstoffe für uns bereits Massenvernichtungswaffen sind", betont der Minister. Vanuatu gehört zu den kleinen Inselstaaten, die schon heute vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind.

"Vanuatu ist ein Land, das im Grunde jeden Tag einen Krieg gegen die Auswirkungen des Klimawandels führt", so Regenvanu weiter. Die Vereinten Nationen haben den Pazifikstaat als das am meisten durch Naturkatastrophen gefährdete Land der Welt eingestuft. "Erst vor zwei Wochen hatten wir einen Wirbelsturm, der außerhalb der Saison stattfand", berichtet Regenvanu. Die Zyklon-Saison werde ohnehin immer länger. Die Inselstaaten drängen deshalb auf rasches Handeln in der Klimakrise.

"Wir brauchen jetzt Entscheidungen"

Auf der letztjährigen Klimakonferenz im schottischen Glasgow hatten sich die UN-Staaten geeinigt, ihre Reduktionsziele für 2030 schon 2022 nachzuschärfen. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen weltweit um 45 Prozent gegenüber 2010 reduziert werden – das soll die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen.

 

Sieben Monate sind mittlerweile vergangen, seit der "Pakt von Glasgow" beschlossen wurde, aber bislang hat noch keine Regierung mit hohem Treibhausgasausstoß – etwa von den G20-Staaten, auf die 80 Prozent der weltweiten Emissionen entfallen – die Ambitionen in ihren NDCs erhöht.

"Mit den jetzigen NDCs werden die globalen Emissionen im Jahr 2030 doppelt so hoch sein wie für die 1,5‑Grad-Grenze des Paris-Abkommens erforderlich", warnt das New Climate Institute, das die Klimapolitik von Ländern bewertet, zum Konferenzauftakt.

In Glasgow hatten sich die Staaten auch darauf geeinigt, einen neuen Prozess "zur dringenden Steigerung der Klimaschutzambitionen und -maßnahmen" einzuleiten. Der Mechanismus soll den Ländern bei der Erhöhung ihrer Klimaziele und der entsprechenden Treibhausgasminderung in den 2020er Jahren als Richtschnur dienen. Es wird erwartet, dass in Bonn mit der Ausarbeitung dieses Prozesses begonnen wird.

Auch eher technische Fragen stehen in Bonn auf der Agenda. So wird auf der Konferenz die erste "globale Bestandsaufnahme" vorbereitet. Sie ist eines der Kernstücke des Pariser Klimaabkommens und soll helfen, die Umsetzungsfortschritte zu überprüfen. Auf Grundlage der Bestandsaufnahme sollen die Staaten dann ihre Klimaziele anheben. 2023 soll die globale Bestandsaufnahme zum ersten Mal und danach alle fünf Jahre erfolgen.

"Der Klimawandel ist kein Thema, bei dem wir es uns leisten können, unseren globalen Zeitplan hinauszuschieben", mahnte UN-Klimachefin Patricia Espinosa. "Wir brauchen jetzt Entscheidungen und Maßnahmen, und es ist die Pflicht aller Nationen, in Bonn Fortschritte zu erzielen." Nach sechs Jahren an der Spitze des UN-Klimasekretariats kündigte Espinosa das Ende ihrer Amtszeit an. 

Anpassungsgelder sollen verdoppelt werden

In Bonn geht es auch um die internationale Klimafinanzierung. Die Höhe der Nord-Süd-Zahlungen nach 2025 ist noch offen. Die Entwicklungsländer drängen auf mehr Unterstützung. Doch die Industrieländer tun sich schwer mit neuen Zusagen – bisher ist nicht einmal das für 2020 versprochene Niveau von jährlich 100 Milliarden US-Dollar erreicht und wird wahrscheinlich auch in diesem Jahr noch nicht erreicht werden.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Industrieländer gegenüber den Entwicklungsländern verpflichtet, ihren Ausgabenanteil für die Anpassung an den Klimawandel zu verdoppeln. "Mehr als 20 Prozent der Anpassungsausgaben werden von den Entwicklungsländern selbst getätigt", erläutert Magnus Benzie.

"Die Ausgaben für Anpassung machen in afrikanischen Ländern einen erheblichen Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts aus", so der Experte. Ihm zufolge geben Südsudan drei Prozent, Äthiopien sechs Prozent und Simbabwe sogar schon neun Prozent des BIP für die Klimaanpassung aus. "Der Rest der Welt muss also mehr tun, um seinen Verpflichtungen nachzukommen", fordert Benzie.

Weiterer Streitpunkt in den Verhandlungen: Ein Großteil der angebotenen Mittel wird in Form von Darlehen und nicht als Zuschüsse gewährt. "Wir sind nicht an einer Versicherung interessiert", sagt Ralph Regenvanu aus Vanuatu. Es brauche Fortschritte bei der Verdopplung der Anpassungsgelder.

Kommt der Fonds für Verluste und Schäden?

Außerdem erwarten die Entwicklungsländer Fortschritte beim sogenannten Glasgow-Dialog über klimabedingte Verluste und Schäden.

"Die reicheren Länder können nicht länger leugnen, dass sie sich mit Verlusten und Schäden auseinandersetzen müssen und auf der COP 27 in Ägypten liefern müssen", formuliert Regenvanu die Erwartungen der Inselstaaten. Auf der Glasgower Klimakonferenz forderten die Entwicklungsländer die Schaffung einer "Fazitität", eines Fonds, zur Finanzierung von Schäden und Verlusten.

Seit Jahren verlangen sie, dass die Industriestaaten, die durch ihren hohen Treibhausgasausstoß den Klimawandel maßgeblich verursacht haben und weiter antreiben, auch für bereits entstandene Schäden und Verluste aufkommen. Bislang haben die Industriestaaten die Forderung ignoriert.

Dynamik in die verhärteten Positionen brachte in Glasgow die Zusage von Schottland, einen entsprechenden Fonds einrichten zu wollen. Am vergangenen Wochenende hatten die Klimaminister:innen der G7-Staaten ihre Rolle bei der Mobilisierung von Mitteln für Schäden und Verluste erstmals anerkannt.

Ergänzung am 16. Juni: Klimakonferenz in Bonn endet enttäuschend

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