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Fünf Jahre Paris und die Erde brennt

Fünf Jahre Paris-Abkommen – aber ihre dort abgegebene Verpflichtung scheint die Regierungen nicht zu interessieren. Ein letztes Mal "Balthesens Aufbruch".


Aktivisten unter dem Eiffelturm halten Transparent
Klimaaktivist:innen demonstrieren beim Weltklimagipfel 2015 in Paris – kurz bevor das berühmte Abkommen beschlossen wird, in dem auch das 1,5-Grad-Ziel steht. (Foto: Susanne Schwarz)

Als die Regierungen der Welt in Paris mit dem Weltklimaabkommen beschlossen, die Erhitzung der Erde bei deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu stoppen und möglichst sogar bei 1,5 Grad, war ich 13 Jahre alt. Ich weiß noch, dass meine Eltern froh waren, dass "endlich was getan" wurde.

Morgen wird das genau fünf Jahre her sein. Seit ich mich selbst mit der Klimakrise auseinandersetze, habe ich deshalb diese Grenze im Kopf: 1,5 Grad, danach wird es immer wahrscheinlicher, dass wir Kipppunkte des Erdsystems überschreiten.

Heute ist wieder globaler Aktionstag von Fridays for Future, der siebte insgesamt, der dritte in der Pandemie. Und wir wissen, dass wir darauf zusteuern, die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf mehr als drei Grad aufzuheizen. Das hat das UN-Umweltprogramm erst diese Woche wieder mit seinem "Emissions Gap Report" gezeigt.

Wir wissen auch, dass die Klimakrise nicht erst zum Ende des Jahrhunderts zum Problem wird. Schon jetzt sind wir bei einer Erderhitzung von etwa 1,2 Grad angekommen. Während immer noch Menschen wie die Bewohner:innen der rheinischen Kohledörfer ihr Zuhause wegen der Ursachen der Klimakrise verlieren sollen, verlieren andere bereits wegen ihrer Folgen ihre Lebensgrundlage.

Auf der Erde brennt es nicht nur – dieses Jahr allein in Australien, Kalifornien, Sibirien und am Amazonas –, es taut auch, es flutet, trocknet und stürmt. Auf den Philippinen fegte einer der heftigsten Taifune erst vor Kurzem vielen Menschen die Existenzgrundlage weg.

Wenn ich außerhalb meiner Klima-Blase darüber spreche, ist das immer noch kaum jemandem klar. Das zeigt, dass Klimaaktivismus auch Bildungsarbeit sein muss.

Die Menschen, die heute schon unter der Klimakrise und leiden, werden zu selten gehört – eine weitere Klimaungerechtigkeit. Auf diese "most affected people and areas" (MAPA), die am schwersten betroffenen Menschen und Regionen, richtet Fridays for Future am Aktionstag den Fokus. Sie sind Opfer der globalen Ausbeutung und erleben heute die Konsequenzen von jahrelanger Untätigkeit.

Und die hört einfach nicht auf. Dass etliche Staaten dieses Jahr angekündigt haben, wann sie den Zustand der Klimaneutralität erreicht haben wollen, täuscht darüber hinweg, dass es eigentlich kaum Klimaschutz gibt. Nur Ziele. Wer aber wie die EU und andere Länder im Jahr 2050 klimaneutral werden will oder wie China 2060, müsste jetzt schon längst drastische Schritte unternehmen.

Wie sieht es beispielsweise hier in Deutschland aus? Diese Woche sind im Dannenröder Wald die letzten Bäume für eine neue Autobahn gefallen, Anfang des Jahres ist mit Datteln 4 ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gegangen. Stets verweist die Politik darauf, dass die Projekte eben schon genehmigt waren.

Unterschriften unter solchen Verträgen sind offenbar mehr wert als die unter dem Paris-Abkommen. Das aber wird seit fünf Jahren praktisch gebrochen. Um die Klimakrise aufzuhalten, müssen wir systematisch Verträge brechen – aber die richtigen.

Meine letzte Kolumne

Ich schreibe diese Kolumne heute zum letzten Mal. Mein erster Text erschien zum ersten globalen Streik von Fridays for Future, am 15. März 2019. So wenig auch politisch passiert sein mag, so sehr habe ich mich verändert. Ich bin damals aufgebrochen, um Wege aus dieser Krise zu finden. Das bildet der Name der Kolumne ab. Heute fühle ich mich nicht mehr im Aufbruch, sondern mittendrin.

Mit der Klimabewegung habe ich Hochs und Tiefs erlebt. Ich habe gemerkt, dass es aus dieser Krise keinen Weg mehr heraus gibt: Wir stecken schon viel zu tief drinnen, beobachten krasse Folgen und die 1,5-Grad-Grenze ist fast erreicht. Außerdem geht es um mehr als um Gradangaben, nämlich auch um globale Gerechtigkeit. Diese Gedanken bringen einen schnell in einen hoffnungslosen Gedankenstrudel.

Aber ich habe auch gelernt, dass wir viel auf die Beine stellen können. Fridays for Future ist aus der politischen Landschaft nicht mehr wegzudenken. Mir hilft es, mir klar zu machen, dass wir viel zu gewinnen haben. Dafür müssen wir aber kämpfen. Dabei wird auch ziviler Ungehorsam eine große Rolle spielen. Für mich ist es unumgänglich, laut zu werden.

Elena Balthesen sitzt mit ernstem Blick vor dunklem Hintergrund
Foto: Isabel Mühlhaus

Elena Balthesen

ist 18 Jahre alt und geht in die 13. Klasse einer Waldorf­schule in München. In ihrer Kolumne "Balthesens Aufbruch" macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise heraus­zu­kommen. Sie ist bei "Fridays for Future" aktiv.

In meinem ersten Beitrag vor anderthalb Jahren habe ich geschrieben: "Wir werden nicht aufhören, bevor sich etwas ändert." Nein, wir hören nicht auf. Wir verlangen nicht mehr als das Einhalten bereits unterschriebener Verträge – Paris.

Spätestens seit die Ergebnisse des Sonderberichts zum Unterschied zwischen 1,5 und zwei Grad Erderhitzung vorliegen, den die Staaten des Paris-Abkommens vom Weltklimarat angefordert hatten, ist klar: Die 1,5-Grad-Grenze ist nicht verhandelbar.

Nach fünfjährigem Versagen des Pariser Klimaabkommens ruft Fridays for Future deshalb zu #fightfor1point5 auf, zum Kämpfen für 1,5 Grad also. Wir müssen die Verantwortlichen dieser Krise dazu zwingen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Von alleine passiert das nicht.

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