Doch, echter Klimaschutz wäre machbar!

Deutschland ist es nicht möglich, seine internationalen Klima-Versprechen zu erfüllen? Die Studie im Auftrag von Fridays for Future beweist das Gegenteil. Dafür müssen wir aber zum Beispiel aufhören, Kohlegruben und Autobahnen auszubauen und dafür auch noch gesunde Wälder zu opfern.


Das Bild zeigt von unten fotografierte Baumkronen, links unten ist der Ansatz einer Holuplattform in den Bäumen zu sehen.
Der Dannenröder Forst soll dem Weiterbau der A 49 weichen. Im Bild ein Baumhaus der Besetzer:innen, die das verhindern und den "Danni" retten wollen. (Foto: Kathrin Henneberger)

Die Klimakrise wird in Deutschland produziert. Da sind nicht nur die riesigen Kohlegruben, die Landschaften und Dörfer verschlingen und deren Erzeugnisse dann Massen an Treibhausgasen in die Luft befördern.

Aktuell drängt sich auch der rückständige Zustand unseres Verkehrssystems ins Blickfeld: Eine neue Autobahn, nämlich die Verlängerung der A 49 in Hessen, soll den Dannenröder Wald zerstören, genau wie den nahegelegenen Maulbachwald und den Herrenwald.

Die Waldstücke sind bisher noch von Klimaaktivist:innen besetzt, sie werden aber nach und nach geräumt und gerodet. Sie stehen symbolisch für das verkehrspolitische Versagen in ganz Deutschland – wie vorher der Hambacher Wald für das energiepolitische.

Der Hambacher und der Dannenröder Wald repräsentieren verschiedene Bereiche der Klimazerstörung, mit der Deutschland eigentlich aufhören muss – wie es die Bundesregierung mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens auch versprochen hat.

Die Kämpfe gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen übertreten dabei häufig die Grenze der Legalität. Die der Legitimität aber nicht, wie ich finde, wenn keine Gewalt angewandt wird.

Die öffentliche Debatte um dieses Thema verläuft seltsam. Aktivist:innen müssen sich für ihr Handeln ständig rechtfertigen und werden immer wieder nach den Gründen gefragt.

Die politisch Verantwortlichen kommen dagegen immer wieder mit Ausreden durch, warum sie sich nicht an geltendes Recht halten, wenn sie ihre klimapolitischen Verpflichtungen verletzen. So betrachtet ist das für mich vollkommen absurd.

Es gehe nun mal nicht schneller, heißt es dann oft. Das war schon immer völliger Blödsinn. Jetzt haben wir aber wissenschaftliches Material, um es zu widerlegen.

Warum untersucht die Bundesregierung nicht, was sie tun muss?

Eine ausführliche Studie vom Wuppertal-Institut für Fridays for Future zeigt, was Deutschland tun muss, um seinen fairen Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel zu leisten. Die Erderhitzung bei höchstens 1,5 Grad zu halten ist ein Nebenziel des Paris-Abkommens. Unsere Studie zeigt: Es ist möglich!

Was ich am krassesten finde: Es ist die erste Studie, die überblicksartig untersucht, was die 1,5-Grad-Grenze insgesamt für Deutschland bedeutet.

Elena Balthesen sitzt mit ernstem Blick vor dunklem Hintergrund
Foto: Isabel Mühlhaus

Elena Balthesen

ist 18 Jahre alt und geht in die 13. Klasse einer Waldorf­schule in München. In ihrer Kolumne "Balthesens Aufbruch" macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise heraus­zu­kommen. Sie ist bei "Fridays for Future" aktiv.

Wie kann es sein, dass die Bundesregierung so eine naheliegende Studie nie in Auftrag gegeben hat? Sie hat sich doch – völlig zu Recht – international dazu verpflichtet, das Ziel möglichst einzuhalten. Warum braucht es für so eine Studie uns Jugendliche?

Das erinnert auch an Innenminister Seehofers ständiges Abwehren einer Rassismusstudie bei der Polizei. Die Verantwortlichen scheinen Angst vor den Ergebnissen zu haben.

Es macht es aber nicht besser, sich die Augen zuzuhalten. Das zieht nämlich drastische Folgen nach sich. Es spricht Bände, dass es keine einzige Partei gibt, die einen 1,5-Grad-Plan vorlegen kann.

Mit der Studie weiten wir unsere Protestformen noch mehr aus. Neben Straßenprotest, Kampagnen, Gesprächen und Onlineaktionen ist die Studie eine Erweiterung unserer bundesweiten Forderungen.

Jede Partei muss sich nun an dieser Studie messen. Wähler:innen sehen, was beim Klimaschutz nötig ist – und was die Parteien bieten. Dass ein Großteil dem Notwendigen nicht einmal nahekommt, ist klar.

Wählen gehen reicht schon lange nicht mehr

Dass keine Partei die nötigen radikalen Handlungen vertritt, ist aber keine Ausrede, nicht wählen zu gehen. Es zeigt nur, das Wählen allein schon lange nicht mehr reicht.

Das sieht man deutlich bei dem Streit um den Danni: Dort in Hessen regieren die Grünen in einer Koalition mit der CDU. Sie haben den Ausbau der A 49 zwar nicht beschlossen, denn das war Bundessache, sie führen ihn aber als Landesregierung mit aus.

Die Grünen betonen ihr Bedauern, versuchen ihr Image noch zu retten, doch das Dilemma bleibt: Noch sind sie Teil einer Regierung, die einen gesunden und wertvollen Wald für den Asphalt hergibt.

Dabei wird klar: Wenn eine Partei sich im politischen System etabliert, geht das nicht ohne politische Kosten. Entschuldigen kann das nichts. Aber es zeigt, dass es Druck braucht, von außen.

Wer also meint, fürs Klima die Grünen zu wählen, darf es nicht dabei belassen. Man muss trotzdem auf die Straße, in die Grube, in den Wald gehen oder eine eigene Protestform finden.

Es muss um alle Hambis und Dannis gekämpft werden. Wir können der Politik nichts über 1,5 Grad durchgehen lassen.

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