Deutschland will noch Jahrzehnte Sprit verbrennen

Rund 30 Staaten bekennen sich beim Klimagipfel in Glasgow zu einem Enddatum für Verbrenner-Fahrzeuge. Auch Regionen, Städte und Autokonzerne unterstützen die Erklärung zu emissionsfreier Mobilität. Das Autobauerland Deutschland sperrt sich.


Elektro-Rennwagen in der Ausstellungshalle der COP26 in Glasgow
In den Hallen der COP 26 in Glasgow wird Elektromobilität offensiv beworben. (Foto: Jörg Staude)

Der Verkehr startet nach Corona wieder durch. Das heißt: Der Sektor bleibt weltweit der große Nachzügler beim Klimaschutz. Er ist inzwischen für fast ein Viertel des globalen energiebedingten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Durch die Corona-Lockdowns kam es 2020 zwar zu Rückgängen bei den Emissionen auch in diesem Sektor. Aber inzwischen steht die Rückkehr zum alten Wachstumskurs bevor, gerade auch in Schwellenländern wie China.

Auf dem UN-Klimagipfel COP 26 in Glasgow wird nun versucht, zumindest beim Treibstoff gegenzusteuern – mit einer Erklärung zu "Null-Emissions-Autos". Das Autobauerland Deutschland allerdings macht hier nicht mit.

Rund 30 Staaten erklären sich in der Übereinkunft bereit, ab dem Jahr 2040 nur noch emissionsfreie Autos zuzulassen. Wörtlich heißt es in dem Text: "Gemeinsam werden wir daran arbeiten, dass alle Verkäufe neuer Autos und leichter Nutzfahrzeuge bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind." Ähnliche Ziele gaben sich auch Regionen, Städte und Autokonzerne.

Unterzeichnet haben die Erklärung Industriestaaten wie Kanada, Großbritannien, die Niederlande, die skandinavischen Länder, Österreich, Polen und Israel, außerdem Schwellen- und Entwicklungsländer wie Indien, Mexiko, Kenia, Paraguay, Ruanda und die Türkei.

Nicht dabei sind allerdings wichtige Automärkte wie China und die USA, wobei allerdings der Bundesstaat Kalifornien mitmacht. Hinzu kommen Städte wie Barcelona, Florenz, New York und São Paulo.

Auf die Unterzeichnerstaaten der Erklärung entfallen rund 16 Prozent des weltweiten Automobilmarktes. Rechnet man andere Länder und Regionen hinzu, die ebenfalls Ausstiegstermine für Verbrenner angekündigt haben, darunter die EU, steigt dieser Anteil auf über 30 Prozent.

Auch elf Autokonzerne schlossen sich der Initiative an, darunter Ford, General Motors, Volvo, Mercedes-Benz und der chinesische Hersteller BYD Auto, nicht jedoch vier der fünf weltweit größten Autobauer, nämlich VW, Toyota, Renault-Nissan und Hyundai-Kia.

"Große Enttäuschung"

Die Unterzeichnerfirmen erklärten, sie wollten "darauf hinarbeiten, dass in den führenden Märkten bis zum Jahr 2035 oder früher 100 Prozent der neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge emissionsfrei sind". Hinzu kommen mehrere Dutzend große Unternehmen, die über eigene Wagenflotten verfügen, darunter Eon, Ikea, Siemens und Unilever.

Dass Deutschland sich gegen eine Unterschrift sperrt, liegt unter anderem an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der noch geschäftsführend im Amt ist. Er hatte dem Vorstoß zuvor eine Absage erteilt. Sein Argument: Die Erklärung berücksichtige die mögliche Nutzung von synthetischen Kraftstoffen in Verbrennungsmotoren nicht, die man sich offenhalten wolle.

Hier gibt es allerdings einen Dissens in der Bundesregierung. Das SPD-geführte Bundesumweltministerium lehnt den Einsatz der E-Fuels, die mit Ökostrom gewonnen werden, in Pkw ab: Sie würden auf absehbare Zeit knapp bleiben und sollten besser im Schiffs- und Flugverkehr genutzt werden. Man sei sich in der Regierung zwar einig, dass 2035 das Aus für die Neuzulassung von Benzin- und Diesel-Autos kommen solle, aber nicht über den Weg dorthin, so das Umweltressort.

COP 26 in Glasgow

Nach 25 UN-Konferenzen gibt es noch immer keine Lösung für die Klimakrise, aber wenigstens das Pariser Klimaabkommen. Wie gut es funktioniert, wird sich beim 26. Gipfel in Glasgow zeigen. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Schottland und berichtet mehrmals täglich.

Mit der Unterschrift unter die Null-Emissions-Initiative wäre die Option weggefallen, synthetische Kraftstoffe einzusetzen, bestätigte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth in Glasgow. Das sei nicht nur in der jetzigen geschäftsführenden Bundesregierung nicht einigungsfähig gewesen, auch das Sondierungspapier der künftigen Koalition sehe hier noch Klärungsbedarf. Deswegen solle die E-Fuel-Option nicht vom Tisch genommen werden.

Stef Cornelis vom europäischen Dachverband Transport & Environment kommentierte: "Es ist eine große Enttäuschung, dass die deutsche Bundesregierung wieder einmal auf die Bremse tritt, wenn es darum geht, die Elektrifizierung im Verkehrssektor zu beschleunigen."

Viele Autohersteller hätten den Übergang längst eingeleitet, aber die Bundesregierung habe die Botschaft immer noch nicht verstanden, so Cornelis. Deutschland müsse in Europa "mit gutem Beispiel vorangehen".

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: An der Fußnote gescheitert

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