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UN-Klimagipfel endet mit guten und schlechten Ergebnissen

Im Abschlussdokument der Weltklimakonferenz hat Saudi-Arabien die Erwähnung fossiler Energien verhindert, die für immer größere Klimaschäden sorgen. Andererseits sollen arme Länder nun Unterstützung zur Bewältigung dieser Schäden bekommen. Dafür gibt es einen Fonds – aber die Ursache für die Schäden wird verschwiegen.


Abschlussplenarsitzung beim Klimagipfel 2022, die Delegierten sind von hinten zu sehen, einzelne haben schon ihre Koffer mitgebracht.
Plenarverhandlungen auf der COP 27. (Foto: Jörg Staude)

Am Sonntagmorgen ist die 27. UN-Klimakonferenz (COP 27) im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh mit knapp anderthalb Tagen Verspätung zu Ende gegangen.

Das wichtigste Ergebnis ist die Schaffung eines Fonds, der arme Länder bei der Bewältigung von klimabedingten Verlusten und Schäden finanziell unterstützt – ein passendes Ergebnis für ein Jahr, in dem Dürren etwa in Ostafrika oder Überschwemmungen wie in Pakistan oder Nigeria riesige Schäden verursacht haben.

Dieser Fonds wird seit 30 Jahren von den kleinen Inselstaaten gefordert und wurde noch vor Kurzem von den USA, aber auch der EU abgelehnt. Daher gilt die Verständigung auf den Fonds als "historisch". Möglich wurde diese Einigung, indem die Entscheidung, wer in den Fonds einzahlt, auf nächstes Jahr vertagt wurde.

Die Industriestaaten fordern, dass auch relativ wohlhabende Entwicklungsländer mit hohen Emissionen Mittel beisteuern. Die lehnen das ab und verweisen auf die 30 Jahre alte UN-Klimakonvention, die einzig die "Industriestaaten" finanziell in die Pflicht nimmt.

Bis zur nächsten Klimakonferenz in einem Jahr in Dubai soll nun ein Ausschuss für den Fonds "Finanzquellen identifizieren". Damit ist garantiert, dass die Unterscheidung zwischen "Industrieländern" und Entwicklungsländern die COP 28 dominieren wird.

IWF-Sonderziehungsrechte werden möglich

Das zweite wichtige Resultat ist, dass im Abschlussdokument zum ersten Mal festgehalten wurde, dass eine "Transformation des Finanzsystems" erforderlich ist, um die nötigen Investitionen in erneuerbare Energien zu finanzieren.

Internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) werden dazu aufgerufen, die "volle Breite ihrer Instrumente" zu nutzen. Das könnte die Schaffung von IWF-Sonderziehungsrechten, einer Art Währung, im Wert von 500 Milliarden Dollar beinhalten.

Das ist eine Forderung der Premierministerin von Barbados, Mia Mottley. Sie will damit 5.000 Milliarden Dollar an privaten Geldern für den Klimaschutz mobilisieren. Das könnte schon im kommenden April bei der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF geschehen.

Mohamed Adow von der Umweltorganisation Power Shift Africa nennt diese Beschlüsse eine "große Nachricht von der COP 27, die unter dem Radar fliegt". Er hofft, dass diese Entscheidung dazu beitragen wird, "das Risiko von Investitionen zu verringern, Kapital erschwinglich zu machen und Billionen an Klimafinanzierung freizusetzen".

"Konferenzpräsidentschaft handelte im Interesse der Ölländer"

Enttäuschend ist hingegen das COP‑27-Ergebnis zur Reduktion der Emissionen. Manuel Pulgar-Vidal von der Umweltorganisation WWF sagte mit Blick auf den Fonds: "Die Verständigung bei den Schäden und Verlusten ist ein positiver Schritt, aber es besteht die Gefahr, dass er zu einem 'Fonds für das Ende der Welt' wird, wenn die Länder nicht schneller handeln, um die Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten."

Samih Schukri steht an einem weißen Pult mit der Aufschrift COP 27.
Samih Schukri, Konferenzpräsident der COP 27 und ägyptischer Außenminister. (Foto: Mike Muzurakis/​IISD/​ENB)

Vor allem ist es wieder nicht gelungen, die "fossilen Energien" im Abschlusstext zu erwähnen, obwohl das eine breite Koalition von Indien über die USA und die EU bis hin zu den Inselstaaten gefordert hatte.

Schuld daran sei das Gastgeberland, sagt Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch: "Die ägyptische Präsidentschaft hat nicht im besten Interesse der Ärmsten und Verletzlichsten der Klimakrise sowie der Bevölkerung Afrikas gehandelt. Stattdessen hat sie die Interessen Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten sowie Chinas begünstigt."

Vor diesem Hintergrund klingt es wie Hohn, wenn COP‑27-Präsident Samih Shukri, Ägyptens Außenminister, sagt: "Wir haben rund um die Uhr gearbeitet – vereint für einen höheren Zweck, ein gemeinsames Ziel. Wir verlassen Sharm el-Sheikh mit neuer Hoffnung für die Zukunft unseres Planeten und mehr Entschlossenheit, das Temperaturziel des Paris-Abkommens zu erreichen."

Fortschritte in einzelnen Bereichen

Nicht unrecht hat Shukri hingegen mit der Aussage: "Die multilaterale Diplomatie funktioniert immer noch – trotz der Schwierigkeiten und Herausforderungen unserer Zeit."

Sowohl beim G20-Gipfel in Indonesien als auch bei der COP 27 konnten sich die Staaten auf eine Abschlusserklärung einigen, obwohl in Europa Krieg herrscht und die ganze Welt in der Folge an einer Nahrungsmittel- und Energiekrise leidet. Das war nicht selbstverständlich.

COP 27 in Sharm el-Sheikh

Bei der 27. UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh geht es um die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Ägypten und berichtet mehrmals täglich.

Zudem wurden weitere Erfolge erzielt, für die oft jahrelang gekämpft wurde. Die Abschlusserklärung erwähnt zum ersten Mal das "Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt". Ein weiteres Novum ist das Unterkapitel zu Wäldern. Zudem werden "Nahrungsmittel" an sechs verschiedenen Stellen erwähnt, was dem Thema deutlich mehr Gewicht gibt als bislang.

Schließlich wird anerkannt, dass nicht nur technische Lösungen erforderlich sind, sondern auch "naturbasierte". Diese fanden letztes Jahr im "Pakt von Glasgow" noch keine Erwähnung. Fortschritte wurden und werden also durchaus erzielt, nur reichen sie eben immer noch nicht aus.

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