Neue Regeln für Banken und Fonds

Regelungsflut für mehr Nachhaltigkeit: Vom 10. März an müssen Banken und Fonds offenlegen, welchen Beitrag ihre Produkte für eine bessere Wirtschaft leisten. Eigentlich.


Grafik: Eine Pflanze, die aus einem Haufen Geldscheine wächst
Grafik: Kristin Rabaschus

"Wusstest du, dass du mit uns Geld anlegen und dabei die Welt verbessern kannst?" Mit dieser Frage und einer jungen Frau wirbt eine der größten deutschen Sparkassen auf allen medialen Kanälen für ihre Nachhaltigkeitsfonds.

Solche "grünen" Finanzprodukte haben eine vergleichsweise gute Zeit hinter sich, weil das Thema "Green Finance" im zurückliegenden Krisenjahr nur kurzzeitig von der Agenda verdrängt wurde.

Im Frühjahr war das Emissionsvolumen von grünen Fonds zwar coronabedingt zeitweise eingebrochen, um dann im Herbst doch wieder zur Hochform aufzulaufen. Unterm Strich dürfte 2020 das Volumen weltweit in etwa auf dem Vorjahresniveau von umgerechnet rund 200 Milliarden Euro gelegen haben.

Und ein Ende des zuletzt wieder deutlich positiven Trends sei nicht in Sicht, meint das Fachblatt Finance Magazin. Optimisten in der Grüngeld-Branche erwarten, dass es in diesem Jahr sogar 50 Prozent mehr sein werden – also insgesamt 300 Milliarden Euro.

Trotz oder wohl sogar wegen Corona strömen heute alle zum Licht: Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften stürzen sich auf das Thema nachhaltige Geldanlage. In diesem noch jungen Jahr gab schon so ziemlich alles, was Rang und Namen in der Welt des großen Geldes hat, ein Klimaversprechen ab.

So will beispielsweise die deutsche Versicherungsbranche mit einem 25-Punkte-Plan erreichen, dass sie das Geld ihrer Kunden spätestens im Jahr 2050 klimaneutral anlegen wird. Eine Zielmarke, die viele große Akteure mittlerweile für sich gesetzt haben.

Es geht bei der Assekuranz immerhin um 1.700 Milliarden Euro. Ein noch größeres Rad dreht die Europäische Zentralbank. Die EZB beschloss kürzlich, einen Teil ihrer Mittel in "Green Bonds" anzulegen.

Präsidentin Christine Lagarde kündigte zudem an, eine eigene Klimaabteilung ins Leben zu rufen. Und auch das Bundesfinanzministerium plant für 2021, noch mehr milliardenschwere grüne Anleihen zu platzieren.

Angesichts dieses PR-Booms drängt sich die alte Frage erneut auf: Was sind eigentlich klimafreundliche, nachhaltige und/​oder soziale Finanzprodukte, die "die Welt verbessern"?

Neue EU-Taxonomie gibt nur einen Rahmen

Vor diesem schillernden Hintergrund ist es eigentlich erfreulich, dass die EU-Kommission Regeln vorgibt, die Sparern und Anlegern ab Anfang 2022 mehr Einblick verschaffen sollen.

Die dazugehörige interne Offenlegungspflicht tritt bereits in einem Monat, am 10. März, in Kraft, auch in Deutschland. Damit will die EU-Kommission einem systematischen Grünfärben bis zum öffentliche Startschuss im kommenden Jahr entgegenwirken.

Die sogenannte Taxonomie-Verordnung war erst im Juni vom Europäischen Parlament und den EU-Staaten als Teil des "Green Deal" von EU-Präsidentin Ursula von der Leyen auf den Weg gebracht worden.

Selbst Branchenriesen wie Blackrock oder die Deutsche Bank tun sich angesichts der Kürze der Zeit schwer, ihre Produkte genauer zu analysieren und zu bewerten.

Drei Dutzend Indikatoren von Energieeffizienz über Biodiversität bis zu Menschenrechten gibt die Regelung vor. Dabei sind die Vorgaben der EU, wie kann es bei einem komplexen Rechtsverfahren anders sein, nur ein vager Rahmen, der den Akteuren Spielraum lässt.

Hier wird sich in den kommenden Jahren ein üppiges Betätigungsfeld für Verbraucherschützer und Juristen auftun.

Grünfärben wird selbstverständlich auch zukünftig nicht aus der Mode kommen. Gleichzeitig darf man großen Banken und Versicherungen, die weltweit agieren, durchaus abnehmen, dass sie Klimarisiken als handfeste Risiken für ihre Kunden erkannt haben.

Einerseits fürchten sie um zukünftige Renditen, andererseits wollen sie Wasserstoff von der Nordsee, Elektromobilität in China oder Bio-Landwirtschaft in Afrika als profitable Anlagefelder beackern.

Kompromiss zwischen Grün und Rendite

Den EU-Rahmen versucht auch die Fondsbranche in Deutschland mit einem Kompromiss zwischen Grün und Rendite zu füllen. Das Segment der nachhaltigen Fonds sei zwar im Vergleich zu den herkömmlichen Fonds noch klein, "wächst in Deutschland aber rasant", heißt es beim BVI. Der Fondsverband will mit Blick auf die EU-Regeln daher eine neue Produktkategorie auf den Weg bringen.

Der "European Impact Fund" soll aus grünen, renditeschwachen EU-Anleihen, die nachhaltige und soziale Projekte fördern, zusammengesetzt werden. Dazu kommen solide Wertpapiere von kleinen und mittleren Firmen und riskante, aber möglicherweise renditestarken Anlagen.

Jeder "Impact Bond" soll nur ein einziges Projekt finanzieren. Damit bliebe er griffiger als nachhaltige Mischfonds, die in vielen Branchen ihr Geld anlegen. Der "Denkanstoß", den der BVI für die Nachhaltigkeitsdebatte in der Finanzbranche gibt, umfasst immerhin 73 Seiten.

Wer sein Geld konventionellen Fondsgesellschaften, Banken und Versicherungskonzernen lieber nicht anvertrauen möchte, und dafür gibt es gute Gründe, sei auf alternative Anbieter wie GLS, Ethikbank oder Umweltbank verwiesen.

Auch dort sollten Sie allerdings schauen, ob Ihr Geld lediglich hilft, einzelne nachhaltige Aspekte zu berücksichtigen, oder ob damit eine nachhaltige Wirkung angestrebt wird. Letzteres kann die Welt wirklich verbessern.

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