Green Bonds machen Euro attraktiver

Die EU will die Finanzmärkte nutzen, um die Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Das hat einen interessanten Nebeneffekt: Es stärkt die internationale Bedeutung des Euro. Zudem werden sich auch ausländische Finanzmarktakteure wohl meist an die Regeln aus Brüssel halten.


Drei kleine Bäume und eine etwas skurrile Baumskulptur vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.
Wo ist das Grün? Ein paar Bäumchen und die Skulptur "Schwere und Wachstum" von Giuseppe Penone stehen etwas verloren vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main. (Foto: Thorsten Jansen/​EZB/​Flickr)

Der Markt für grüne Anleihen oder Green Bonds wächst rapide. Im Jahr 2014 wurden weltweit grüne Anleihen für neun Milliarden US-Dollar ausgegeben. Letztes Jahr war dieser Wert mehr als 20-mal so hoch und lag bei 205 Milliarden Dollar.

Noch ist der Anteil von Green Bonds allerdings gering. Nur 2,85 Prozent aller Anleihen waren grün.

Eine Währung sticht allerdings heraus: der Euro. Fast ein Zehntel aller Anleihen in Europas Währung diente der Finanzierung von Investitionen in den Klima- und Umweltschutz und durfte daher als "grün" firmieren. Von allen Green Bonds weltweit sind 45 Prozent in Euro denominiert.

Dass grüne Anleihen im Euroraum auf ein günstiges Umfeld stoßen, zeigt auch eine andere Zahl: Knapp 40 Prozent der Emittenten solcher Anleihen stammen nicht aus dem Euroraum (Grafik unten).

In einem Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) über die internationale Bedeutung des Euro heißt es daher: "Die Konsolidierung der EU als globaler Umschlagplatz für grüne Finanzinstrumente könnte den Euro als Währung der Wahl für solche Finanzprodukte stärken und seine internationale Rolle unterstützen."

Oder anders: Dank der grünen Anleihen wird der Euro weltweit wichtiger.

Auch bei Geldanlagen wirkt der Brüssel-Effekt

Eine Stärkung dieses Trends verspricht sich die EZB zudem von der neuen EU-Klassifizierung für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten – wie etwa der Produktion von Ökostrom –, der sogenannten Taxonomie. Diese wurde im April von den EU-Finanzministern abgesegnet und geht jetzt ins Europaparlament.

Dazu schreibt die EZB: "Die schnelle Umsetzung der Taxonomie könnte die internationale Rolle des Euro stärken, indem ein glaubwürdiger und standardisierter Rahmen geschaffen wird."

Torten- und Balkendiagramm: Der Euro dominiert den Markt für grüne Anleihen und zieht auch rund 40 Prozent Emittenten aus dem Nicht-Euro-Raum an.
Der Euro dominiert den Markt für Green Bonds (links) und lockt auch viele ausländische Emittenten an (rechts). (Grafik: EZB)

Mit der Taxonomie lässt sich feststellen, wie grün ein Unternehmen ist. Ein Stahlhersteller, der zehn Prozent seines Stahls mit Wasserstoff und nicht mit Kokskohle produziert, ist zu zehn Prozent "Taxonomie-konform".

So lässt sich für ein ganzes Aktienportfolio berechnen, wie grün dieses ist. Anschließend können Ziele für dieses Portfolio definiert werden wie: In fünf Jahren muss das Portfolio doppelt so Taxonomie-konform sein wie heute.

Die EU will so die Finanzmärkte nutzen, um die Wirtschaft insgesamt nachhaltiger zu machen, und das weltweit: "Wie bei anderen EU-Regelungen sind die Auswirkungen auf Drittstaaten ein wichtiger Aspekt", schreibt der Finanzmarktdienstleister Bloomberg.

Hintergrund ist hier der "Brüssel-Effekt": Weil die EU meist die strengsten Vorschriften hat, ist es für internationale Konzerne das Einfachste, sich überall an die EU-Regeln zu halten. Die EU wird daher auch als "regulatorische Supermacht" bezeichnet.

Wann kommt der braune Bestrafungsfaktor?

Mit der Taxonomie lässt sich aber nicht nur eruieren, wie grün eine Firma oder ein Portfolio ist, sondern im Umkehrschluss auch, wie "braun".

Hier befürchtet EZB-Chefin Christine Lagarde, dass ein Übermaß an braunen Aktivitäten letztlich zu finanzieller Instabilität führen kann: "Manche wirtschaftlichen Aktivitäten könnten schnell obsolet werden." Das berge das Risiko, dass Güter wie etwa Ölförderanlagen innerhalb kurzer Zeit wertlos werden.

Die britische Zentralbank, die Bank of England, überlegt daher bereits, ob sie Banken bestrafen soll, wenn sie zu viele braune Anlagen in ihren Büchern haben. Banken könnten etwa gezwungen werden, für braune Kredite mehr Kapital vorzuhalten.

Noch fehle aber eine verlässliche Datengrundlage, sagte Mark Carney, der frühere Chef der Bank, im März: "Die Einführung eines braunen Bestrafungsfaktors wird erschwert durch das Fehlen von Daten, die uns erlauben zu messen, wie riskant eine Anlage ist."

Das Problem ist, dass es Firmen freigestellt ist, was sie über ihre Klimarisiken berichten. Aber auch das will Carney ändern: "Wir denken, es ist an der Zeit für eine Pflicht zur Offenlegung." Spätestens dann ist klar, wie braun oder grün eine Anlage wirklich ist.

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