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Gut gegeben, Leopoldina

Die Nationale Akademie der Wissenschaften hat sich mit klaren Forderungen in die Klimapolitik eingemischt. Sie stellt sich damit an die Seite der streikenden Schüler, die nicht hinnehmen wollen, dass Politik und Wirtschaft seit 30 Jahren beim Klimaschutz versagen.


Der Sitz der Leopoldina, das Logenhaus Logenhaus Zu den drei Degen in Halle (Saale).
Sitz der Leopoldina in Halle: Die Wissenschaft mischt sich in die Politik ein, weil lebenswichtige Weichenstellungen ausbleiben. (Foto: Michaelaushalle/​Panoramio/​Wikimedia Commons)

Meldet sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu Wort, hat das Gewicht. Es handelt sich schließlich um die weltweit älteste Gelehrtenversammlung der Neuzeit, gegründet 1652, die heute knapp 1.600 Mitglieder hat – Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaftler.

Eine der beiden Hauptaufgaben der Lepoldina ist "die Beratung von Politik und Öffentlichkeit", und wenn sie sich in die aktuelle Klimapolitik einmischt, zumal mit so klaren Worten wie jetzt, sollten diese aufhorchen – und erkennen, dass da etwas gewaltig schiefläuft.

"Klimaziele 2030 – Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen" heißt die aktuelle "Ad-hoc-Stellungnahme", und die Autoren machen klar, dass die Sache brandeilig ist. Inzwischen werde "eine ganze Generation mehr und mehr von Ungeduld und Unverständnis über das Versagen der Politik erfasst", mahnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Sie stellen sich damit an die Seite der streikenden Schüler, die nicht hinnehmen wollen, dass die Bedeutung des Klimaproblems seit rund 30 Jahren auf der Hand liegt, aber Politik und Wirtschaft nicht angemessen darauf reagieren. Ganz im Sinne der Fridays-for-Future-Kämpfer fordert die ehrwürdige Leopoldina, "mit Nachdruck die Klimakrise anzugehen und das längst Überfällige zu tun".

Was die Experten dann empfehlen, ist nichts völlig Neues. Sie fordern eine wirksame, zudem ansteigende CO2-Bepreisung in allen Sektoren, also auch für Verkehr und Gebäude, gekoppelt mit einer Reinvestition der Einnahmen in klimagerechte Infrastruktur, niedrigere Strompreise und einen sozialen Ausgleich in Form einer "Klimadividende".

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Sie fordern eine Verkehrswende, die Zu-Fuß-Gehen und Fahrradnutzung sowie den ÖPNV fördert. Autos, Busse und Bahnen sollen elektrifiziert, mehr Güter auf der Schiene transportiert werden. Auch der internationale Schiffs- und Flugverkehr müsse mit einem CO2-Preis belegt werden.

Das sind alles Forderungen, die Klima- und Umweltschützer seit Jahrzehnten stellen, was sie freilich nicht falsch macht. Die Leopoldina aber betont, und dafür muss man ihr dankbar sein, dass es sich dabei um "umsetzbare Maßnahmen" handele, "die bereits zwischen 2020 und 2030 ihre Wirkung entfalten können".

Die Wissenschaftler treibt offenbar ganz wie die FFF-Schüler die Sorge um, dass Deutschland nicht nur sein 2020er CO2-Ziel verpasst, sondern auch für 2030 nicht in die Spur kommt. Und das ist wahrlich Grund genug, sich "ad hoc" einzumischen.

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