Klimawende im Flugverkehr weit entfernt

Nur zehn Prozent der weltweit größten Fluggesellschaften sind kompatibel mit internationalen Klimazielen, zeigt ein aktueller Vergleich der Airlines. Neue Flugzeugtypen, weniger Beinfreiheit und höhere Auslastung verbessern zwar die Effizienz. Eine Entkopplung von Verkehrswachstum und CO2-Ausstoß ist aber nicht in Sicht.


Flugverkehr
Fliegt dem Klimaschutz noch immer weit davon: der Luftverkehr. (Foto: Thru Your Lens/​Flickr)

Neun von zehn großen Fluggesellschaften weltweit fliegen nach wie vor alles andere als Klima-effizient. Das zeigt der neue Airline-Index der gemeinnützigen Organisation Atmosfair, der an diesem Wochenende auf dem Klimagipfel COP 24 im polnischen Katowice vorgestellt wurde.

Demnach schafft es nur jede zehnte der 200 weltgrößten Airlines, ihre CO2-Emissionen konstant zu halten, während die Zahl ihrer geflogenen Kilometer weiter wächst. Damit ist der Flugverkehr nach wie vor nicht kompatibel mit internationalen Klimazielen. Eine Entkopplung von Verkehrswachstum und Klimagas-Ausstoß ist nach wie vor nicht in Sicht.

Zu den wenigen wachsenden Airlines mit konstanten CO2-Emissionen gehören laut Index Thai Airways (67 von 100 Punkten), Finnair (64 Punkte), American Airlines (59) und All Nippon Airlines (58). Der diesjährige Airline-Index bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2016.

Der "Sieger" Thai Airways kommt damit im Airline-Index auf Effizienzklasse C. Die höchste Klasse A erreichte keine Fluggesellschaft – und zwar weder im Bereich Kurzstrecke bis 800 Kilometer noch auf Mittelstrecken bis 3.800 Kilometer oder den darüber liegenden Langstrecken. Die Effizienzklasse B schafften nur zwei Airlines. Im Vorjahr waren es noch drei gewesen.

Auf Platz eins der am wenigsten klimaschädlichen Fluggesellschaften landete die britische Tui Airways, gefolgt von der brasilianischen Airline Latam Brasil und der China West Air.

Auch zwei deutsche Fluglinien schnitten gut ab. Die deutsche Tui-Schwester Tuifly kam auf Platz vier, Condor schaffte es auf Platz neun.

Insgesamt erreichten diejenigen Fluggesellschaften die besten Werte, die neue, sparsame Flugzeugtypen einsetzen und möglichst viele Sitze darin unterbringen – also wenig Beinfreiheit für die Passagiere bieten. Die Auslastung der Maschinen – auch von deren Frachtraum – spielt ebenfalls eine Rolle für die CO2-Effizienz.

Effizienzsteigerungen genügen nicht

Der Atmosfair-Airline-Index (AAI) vergleicht regelmäßig die Treibhausgas-Emissionen der rund 200 größten Fluggesellschaften der Welt und bewertet deren CO2-Effizienz. Insgesamt erfasst der AAI etwa 90 Prozent des weltweiten Luftverkehrs.

Jede Fluggesellschaft kann zwischen null und 100 Effizienzpunkten erhalten. Dabei stehen 100 Punkte für das derzeit erreichbare Optimum, das mit heutiger Technologie und Betriebsführung möglich ist. Anhand der Punktzahl können Reisende, soweit das möglich ist, sich für die Airline entscheiden, die am wenigsten CO2 erzeugt.

Die Messlatte setzen derzeit neue Flugzeuge wie Boeing 787-9 sowie die Airbus-Modelle A350-900 oder A320 neo. Sie können auch auf der verbrauchsintensiven Langstrecke Werte von weniger als 3,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer erzielen.

Da solche neuen Flugzeuge bei keiner Airline dominieren und viele Fluggesellschaften überwiegend ältere Modelle einsetzen, ist die CO2-Effizienz im Flugverkehr nach wie vor höchstens mittelmäßig.

Um die Pariser Klimaziele zu schaffen, wird mehr Effizienz außerdem nicht reichen, betonte Atmosfair-Chef Dietrich Brockhagen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Effizienzsteigerungen der Airlines weltweit derzeit allein noch nicht zum 1,5-Grad- oder Zwei-Grad-Ziel führen", so Brockhagen. "Wir brauchen neue, synthetisch und CO2-neutral hergestellte Treibstoffe und weitere Maßnahmen für die Klimawende im Flugverkehr."

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