Sonne mit Sicherheitsabstand

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland ist inzwischen dafür, trotz eintretender Versorgungsprobleme die Öl- und Gasimporte aus Russland zu stoppen. Die Bundesregierung sträubt sich dagegen – noch.


Neben einer langen, schräg aufgeständerten Solarstromanlage steht ein Mann im Hemd mit Helm und Tablet und schaut unter dem Schutz der Hand gegen die Sonne.
Die Sonne ist zu weit weg, um sich als politisches Druckmittel zu eignen, meint Franz Alt. (Foto: Filippo Colizza/​HQuality/​Shutterstock)

In Deutschland sind laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer 55 Prozent der Menschen dafür, dass Öl- und Gaslieferungen aus Russland gestoppt werden, auch wenn es zu Versorgungsproblemen kommt. 39 Prozent sind nicht dafür.

Doch die Ampel-Regierung sträubt sich gegen einen Boykott – noch. Die Bundesregierung verurteilt Putins Krieg in der Ukraine, überweist aber jeden Tag etwa 200 Millionen Euro in seine Kriegskasse und finanziert damit diesen brutalen Angriffskrieg mit.

In riesigen Demonstrationen fordern wir zwar "Stoppt den Krieg", bezahlen aber dann doch wieder auf Energie-Umwegen und -Abwegen die Waffen dafür.

Es ist richtig, dass die Berliner Regierung zurückhaltend reagiert, wenn der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, in einer ARD-Sendung "Waffen, Waffen, Waffen" und eine "sofortige Flugverbotszone über der Ukraine" fordert. Das könnte zu einer Eskalation des Konflikts und sogar zum dritten Weltkrieg führen. Sogar zum Atomkrieg.

Aber es ist absolut unverantwortlich – da hat der Botschafter recht –, dass wir selbst jetzt noch Putins Krieg mitfinanzieren.

Beim Thema Öl- und Gas-Boykott gegenüber Russland ist die EU gespalten. Sie hat soeben beschlossen: Ja, vielleicht, aber wohl später.

Polen und die baltischen Staaten sind eher dafür, aber Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien gehören zu den Bremsern, weil sie noch mehr als fast alle anderen von russischen Lieferungen abhängig sind.

Friedensenergien

Obwohl Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck seit Wochen verkündet: Die Lichter und Heizungen gehen in Deutschland nicht aus, unsere Speicher sind ausreichend gefüllt, warnt Außenministerin Annalena Baerbock vor einem Boykott der fossilen Rohstoffe aus Russland.

Ganz anders die Deutsche Umwelthilfe. Sie zeigt in einem 15-Punkte-Sofortprogramm, wie sich Deutschland aus der russisch-fossilen Schlinge lösen könnte. Die wichtigsten Programmpunkte der DUH sind:

Um die Energieversorgung zu sichern, setzen im ZDF-Politbarometer 92 Prozent der Befragten auf den raschen Ausbau der erneuerbaren Energien sowie aufs Energiesparen. Das würde nicht nur mehr Unabhängigkeit von Russland, wirkliche Solidarität mit der Ukraine und mehr Klimaschutz bedeuten, es wäre auch ein hilfreiches Investitionsprogramm für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Franz Alt

ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, danach bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Sein neues Buch mit Ernst Ulrich von Weizsäcker heißt: "Der Planet ist geplündert. Was wir jetzt tun müssen".

Denn wahr ist: Erneuerbare Energien sind nicht nur "Freiheitsenergien" (Christian Lindner), sie sind auch Friedensenergien.

Um fossile Rohstoffe wurden und werden seit über hundert Jahren Kriege geführt, um Sonne und Wind kann kein Potentat dieser Erde einen Krieg führen. Die Sonne hat einen Sicherheitsabstand zur Erde von 150 Millionen Kilometern, unerreichbar auch für Wladimir Putin. Das haben die Natur oder die Evolution oder Gott klug und gut gemacht.

Voraussetzung ist freilich die rasche Umstellung auf hundert Prozent erneuerbare Energie. Die genannten Sofortmaßnahmen sind dafür eine richtige und wichtige Hilfestellung. Kein Frieden in der Welt ohne Frieden mit der Natur.

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