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Tempo 100 gegen Putin

Die Deutsche Umwelthilfe fordert die kurzfristige Einführung eines deutlichen Tempolimits auf allen Straßen, um in Deutschland schnell Erdöl einzusparen, das zu einem Drittel aus Russland kommt. Unterstützung kommt von Wissenschaftlern und den Grünen.


Das Tachometer zeigt 100 Kilometer pro Stunde.
Tempo 100 bringt laut Umweltbundesamt fast dreimal so viel Einsparung wie Tempo 130. (Foto: Wiroj Roudkhlay/​Shutterstock)

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert von der Bundesregierung Sofortmaßnahmen, um Erdöl, Erdgas und Kohle einzusparen und damit die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu senken. Am schnellsten wirke dabei ein Tempolimit zur Öleinsparung für die Dauer der aktuellen Krise: Tempo 100 auf Autobahnen, Tempo 80 außerorts und Tempo 30 innerorts.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine erhöhe die Dringlichkeit von Maßnahmen zur Energieeinsparung noch einmal deutlich, argumentiert die DUH. Durch das Dreifach-Tempolimit seien kurzfristig erhebliche Minderungen drin.

Die Organisation beziffert das jährliche Einsparpotenzial auf 3,7 Milliarden Liter Benzin und Diesel. Damit würden gleichzeitig 9,2 Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 vermieden. Quelle für die Angaben sind Daten des Umweltbundesamtes.

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sagte: "Wir brauchen neben 'Freiheitsenergien' auch entschlossenes 'Freiheitssparen'. Jeder muss in der jetzigen Doppelkrise seinen Beitrag leisten – und nicht mehr rasen zu dürfen ist ein kleiner Einschnitt verglichen mit dem Nutzen." Mit dem vorgeschlagenen Dreifach-Limit lasse sich der Rohölbedarf aus Russland sofort um mehrere Millionen Tonnen und damit etliche Prozentpunkte absenken.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte die erneuerbaren Energien im Zusammenhang mit dem Angriff Putins auf die Ukraine als "Freiheitsenergien" bezeichnet, die die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen verringerten. Aus Russland kommen bisher rund 35 Prozent der deutschen Erdölimporte, bei Erdgas sind es 55 und bei Steinkohle 50 Prozent.

"Jede überflüssige Verbrennung überdenken"

Umfragen in Deutschland zeigten schon vor dem Ukraine-Krieg eine Mehrheit für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Auch SPD und Grüne fordern es. Sie konnten sich in den Ampel-Koalitionsgesprächen aber nicht gegen die FDP durchsetzen.

Die DUH verweist darauf, dass "immer mehr Menschen, darunter bekannte Wissenschaftler, für das Kraftstoffsparen durch Tempo 100 auf Autobahnen eintreten und dies in sozialen Medien einfordern". Die Organisation ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, jetzt ein Tempolimit zum Energiesparen zu unterstützen und mit ihrer Unterschrift auf der Aktionsseite "Tempolimit jetzt" den Druck auf die Politik zu verstärken.

Unterstützung für die aktuelle Tempolimit-Forderung kommt auch aus Grünen und SPD. Susanne Menge, Obfrau der Partei im Verkehrsausschuss des Bundestages, sagte gegenüber Klimareporter°: "Mit fossilen Energien unsere Speicher zu füllen und Reserven zu schaffen für den kommenden Winter heißt für mich auch, jede überflüssige Verbrennung zu überdenken." Ein Tempolimit sei daher ein Beitrag zu notwendigen Einsparungen, so Menge. Ohnehin bleibe es ein wesentlicher Teil zum Erreichen der Klimaziele.  Brandenburgs ehemaliger Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) meinte, die Energie- und die Klimakrise erforderten klare Maßnahmen. „Nicht nur Appelle zum Sparen von Heizenergie gehören dazu, nein, auch zwingend die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen.“  

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