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Risiko für Waldbrände wächst weltweit

UN-Experten warnen vor einer Zunahme extremer Feuer um die Hälfte bis zum Jahr 2100. Waldbrände und Klimawandel treiben sich gegenseitig an, so ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms Unep. Regierungen sollen mehr zur Vorbeugung tun.


Feuer in Kalifornien verfinstern den Himmel
Feuer in Kalifornien: Über Waldbrände in reichen Ländern wird häufiger berichtet, dort können aber auch die Folgen besser bekämpft werden. (Foto: VCFD PIO/Wikimedia Commons)

Die jüngste Nachricht von der globalen Feuer-Front kommt aus Argentinien. Waldbrände zerstören in der Provinz Corrientes im Nordosten des Landes den Iberá-Nationalpark, eines der größten Süßwasser-Feuchtgebiete der Welt. Eigentlich sollten dort Jaguare und andere gefährdete Tierarten wieder angesiedelt werden, doch die Feuer werfen das Vorhaben weit zurück.

Eine anhaltende Dürre trug dazu bei, dass bislang rund 8.000 Quadratkilometer Land abgebrannt sind. Die Region leidet seit Monaten unter extremer Trockenheit. Selbst Sümpfe sind ausgetrocknet. Vergleichsweise entsprechen die 8.000 Quadratkilometer der gesamten Landfläche aller deutschen Nationalparks.

Verheerende Feuersbrünste gab es in jüngster Zeit in Indonesiens Mooren, in Kaliforniens Wäldern – und nun in Argentinien. Diese Ereignisse illustrieren die Aussagen des neuen Berichts der UN-Umweltorganisation Unep zum weltweit steigenden Risiko von Waldbränden.

Danach werden der Klimawandel und eine veränderte Landnutzung dazu führen, dass Waldbrände häufiger und intensiver werden und die Zahl extremer Feuer bis 2030 um 14 Prozent, bis 2050 um 30 Prozent und bis zum Ende des Jahrhunderts um die Hälfte zunimmt. Der Report stellt ein erhöhtes Risiko selbst für die Arktis und andere Regionen fest, die bisher kaum oder gar nicht von Waldbränden betroffen waren.

Laut dem Bericht verschlimmern sich Waldbrände und Klimawandel gegenseitig. Der Klimawandel verstärke die Feuer durch zunehmende Trockenheit, hohe Lufttemperaturen, niedrige Luftfeuchte, Blitze und starke Winde. Dies führe zu heißeren, trockeneren und längeren Brandsaisons.

Umgekehrt werde der Klimawandel durch Waldbrände verschärft, vor allem durch die Zerstörung kohlenstoffreicher Ökosysteme wie Regenwälder und Torfmoore. Das erhöhe den CO2-Ausstoß, und es werde immer schwieriger, den Temperaturanstieg aufzuhalten.

Vorbeugung wird vernachlässigt

Waldbrände sind zwar ein natürliches Phänomen, werden laut den Erkenntnissen aber immer gefährlicher und betreffen immer größere Gebiete. Zudem haben sich die Städte in vielen Regionen in Richtung der Waldgebiete ausgedehnt. Dieser Stadt-Land-Übergang ist das Gebiet, in dem die Risiken durch Waldbrände am größten sind.

Der neue Unep-Report betont, dass die ärmsten Länder der Welt von Waldbränden unverhältnismäßig stark betroffen seien. "Die Gesundheit der Menschen wird durch das Einatmen des Brandrauchs direkt beeinträchtigt", so Unep, das habe Auswirkungen auf Atemwege und Herz-Kreislauf-Systeme, während die medizinische Versorgung schlecht sei.

Oft seien die Folgen aber auch noch Wochen und sogar Jahre nach dem Abklingen der Flammen zu spüren. Schadstoffe aus den Bränden beeinträchtigten Wassereinzugsgebiete und verstärkten die Bodenerosion. Anders als Industrieländer seien arme Staaten auch von den Kosten für den Wiederaufbau nach Waldbränden häufig überfordert.

Der Unep-Bericht fordert die Regierungen auf, die Ausgaben zur Waldbrandbekämpfung zu überdenken. Künftig sollten zwei Drittel der Finanzmittel für die Prävention und den Wiederaufbau der Ökosysteme und ein Drittel für die unmittelbare Reaktion auf Brände aufgewendet werden. Bisher fließt in der Regel mehr als die Hälfte des Geldes in die Brandbekämpfung selbst.

"Die derzeitigen staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung von Waldbränden setzen das Geld oft an der falschen Stelle ein", erläuterte Unep-Chefin Inger Andersen. Man müsse mehr in die Verringerung des Brandrisikos investieren, mit lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten und das weltweite Engagement zur Bekämpfung des Klimawandels verstärken.

Intakte Ökosysteme als Schutz

Die UN-Organisation hebt in dem Zusammenhang die Bedeutung der Wiederherstellung von Ökosystemen hervor. Dies sei ein wichtiger Weg, um das Risiko von Waldbränden zu senken und die betroffenen Gebiete sich nach einem Brand besser erholen zu lassen. Als Beispiel werden die Wiedervernässung trockengelegter Feuchtgebiete und die Wiederherstellung von Torfmooren genannt.

Der Bericht schließt mit der Forderung nach strengeren internationalen Standards für die Sicherheit und Gesundheit von Feuerwehrleuten. Die Männer und Frauen müssten stärker für die Risiken von eingeatmetem Rauch sensibilisiert werden. Die Einsatzleitungen müssten dafür sorgen, dass die Teams auch unter schwierigsten Umständen genug zu trinken und zu essen bekommen und dass es genügend Ruhe und Erholung zwischen den Einsätzen gibt.

Die Umweltstiftung WWF warnt unter Bezug auf die Unep-Studie, dass verheerende Waldbrände "die neue Normalität" zu werden drohen – ob am nördlichen Polarkreis, am Amazonas oder in Europas Nadelwäldern­. "Selbst in Ökosystemen, die bisher feuerunempfindlich waren, brennt es zunehmend", sagte WWF-Waldexpertin Susanne Winter. "Das zeigt sich gerade in Argentinien, wo riesige Flächen eines Feuchtgebiets brennen."

Auch der WWF fordert, den Fokus auf die Brandvermeidung statt nur auf die Brandlöschung zu legen. In Deutschland zähle dazu, Auenlandschaften zu renaturieren und den Waldumbau zu natürlichen Laubwäldern voranzubringen.

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