Fleur Kingham ist mutig

Eine australische Richterin bremst ein gigantisches Kohleförderprojekt im Bundesstaat Queensland aus. Das ist konsequent und vorbildlich. Um wirklich Klimaschutz durchzusetzen, braucht es viele Urteile wie dieses.


Kohlebagger aus der Vogelperspektive.
Australien ist der zweitgrößte Kohle-Exporteur der Welt. (Foto: Wolodyslaw Horoschewytsch/​Shutterstock)

Australien heizt der Welt ein. Das Land ist global der fünftgrößte Kohleproduzent und der zweitgrößte Exporteur.

Der fossile Brennstoff wird von dort vor allem nach Asien verschifft, aber auch Deutschland ist ein Abnehmer. Letztes Jahr wurden hierzulande rund 5,4 Millionen Tonnen australische Steinkohle verbrannt.

Natürlich, Klimaschutz ist auch in Australien ein Thema. Der fünfte Kontinent wird besonders stark von den Klimaveränderungen gebeutelt.

Waldbrände, Hitzewellen, Überschwemmungen und Korallenbleichen wie am Great Barrier Reef haben in den letzten Jahren zugenommen und zu großen Schäden geführt.

Doch die Kohle lässt die Kassen klingeln und ist ein mächtiger Arbeitgeber, umgerechnet 80 Milliarden Euro Jahresumsatz und 50.000 Jobs sprechen für sich. Umso spektakulärer ist nun das Urteil von Richterin Fleur Kingham in dem Fall. 

Die Präsidentin des zuständigen Gerichts im Bundesstaat Queensland stoppte das Projekt des Industriellen Clive Palmer, der dort die größte Steinkohlegrube Australiens öffnen wollte.

Sein Konzern Waratah Coal plante den Abbau von rund 40 Millionen Tonnen jährlich im Galilee-Becken, in der Nachbarschaft des Tagebaus von Gautam Adani. Der indische Kohlemagnat lässt dort ein Viertel dieser Menge für die Kohlekraftwerke in seiner Heimat abbaggern.

Kinghams Hauptargumente, die sie auf 372 Seiten ausbreitete: die Gefahren für das Klima sowie für die Aborigines, die in der Region leben.

Zwei Hürden

Konkret rechnete die Richterin vor, das Palmer-Projekt werde bei Realisierung dazu führen, dass zusätzliche 1,58 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgegeben würden.

Das belaste Australiens noch vorhandenes Emissionsbudget mit Blick auf das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimavertrages über Gebühr, wobei Kingham die Emissionen einrechnete, die in den Kraftwerken anfallen würden. "Das Fördern der Kohle kann von ihrem Verbrennen, um Elektrizität zu gewinnen, logischerweise nicht getrennt werden."

Die Nichtregierungsorganisation Youth Verdict und die Naturschützer von The Bimblebox Alliance, die gegen das Projekt geklagt hatten, jubelten natürlich über das Urteil. Dabei gilt es noch zwei Hürden zu nehmen, bis sie – und der Rest der Welt – wirklich aufatmen können.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Erstens muss die Regierung von Queensland den Kingham-Spruch noch umsetzen, der nur eine, allerdings sehr gewichtige, Empfehlung an sie ist.

Und zweitens braucht es ähnlich beherzte Richterinnen und Richter auch in allen anderen Ländern, die die Politik auf ihre Verantwortung für künftigen Generationen verpflichten.

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