Ein Solarpark neben einem Kernkraftwerk.
Null Emissionen mit Atomkraft erreichen zu wollen, ist weder aus technischer noch aus finanzieller Sicht eine gute Idee. (Bild: Kletr/​Shutterstock)

Gute Nachricht gefällig? CO2-freie Energie ist kräftig auf dem Vormarsch. Die Internationale Energieagentur IEA hat das in ihrem aktuellen Strom-Report verkündet.

Bereits 2026 werde die Elektrizitätsproduktion ohne fossile Energien knapp die Hälfte des Gesamtverbrauchs decken, 2030 seien dann fast 60 Prozent drin, und das trotz deutlich steigender Nachfrage.

Das ist wirklich eine gute Nachricht, denn der Stromsektor ist der mit Abstand größte Klima-Einheizer. Ihn fossilfrei zu machen, bedeutet schon die halbe Miete.

Zumal die Elektrifizierung der Schlüssel ist, um auch den Verkehr und das Heizen klimafreundlich werden zu lassen. Stichworte: E‑Autos statt Benziner und Diesel, und Wärmepumpen statt Öl- und Erdgasheizungen.

IEA-Chef Fatih Birol lobt das rasante Wachstum der erneuerbaren Energien, vor allem durch die immer billiger werdende Solarenergie.

Doch Birol nennt auch das "Comeback" der Atomkraft ermutigend. 2025 werde die Stromproduktion aus Kernenergie das bisherige "Rekordhoch" aus dem Jahr 2021 übertreffen, so die IEA-Prognose.

Die Atomkraft als fulminante Klimaretterin? Diesen Eindruck erzeugt die IEA wieder einmal, auch wenn die Fakten nicht so recht dazu passen mögen. Tatsächlich ist der Anteil der Kernenergie am (gewachsenen) globalen Stromverbrauch 2022 mit 9,2 Prozent auf den niedrigsten Wert seit rund 40 Jahren gefallen.

Entzaubertes Wundermittel

Dass die Elektrizitätsmengen nun wieder ansteigen, liegt neben Neu-Inbetriebnahmen vor allem in China unter anderem daran, dass Frankreich und Japan AKW-Blöcke wieder anschalten, die zum Teil seit Jahren aus Sicherheitsgründen stillgelegt waren.

Aktuelle Nachrichten lassen das "Wundermittel" Atomkraft überhaupt nicht in strahlendem Licht erscheinen. Gerade wurde bekannt, dass sich die Fertigstellung des neuen britischen AKW Hinkley Point C noch einmal um Jahre auf 2031 verzögern wird, mit Baukosten von mindestens 35 Milliarden Pfund (40 Milliarden Euro), doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Einen gewaltigen Rückschlag erlebte unlängst auch das Hoffnungsprojekt der Fans von Mini-Reaktoren, SMR genannt. Die US-Firma Nuscale musste ihr aktuelles Bauprojekt aufgeben – kein Versorger wollte den zu teuren Strom abnehmen.

Gute Nachricht gefällig, auch nach diesen Infos? Die Energiewende ist zu schaffen, gerade wenn Staaten und Konzerne keine Milliardensubventionen mehr in der Atomkraft versenken, sondern voll auf Erneuerbare und Energieeffizienz setzen.