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Vom Jagen und Sammeln

Die Menschheit nutzt seit jeher wilde Arten als Nahrung, Baumaterial, Heilmittel oder auch zur Dekoration. Doch viele Arten werden übernutzt und sind gefährdet. Um das zu ändern, sind Maßnahmen von der lokalen bis zur globalen Ebene erforderlich, so ein Bericht des Weltbiodiversitätsrats.


Ein Fischer hat das volle Schleppnetz geöffnet, und der Fisch ergießt sich auf das Deck des Trawlers.
Maßnahmen gegen Überfischung haben schon funktioniert, Maßnahmen gegen Abholzung weniger. (Foto: Alena Litvin/​Shutterstock)

"Die Nutzung wilder Arten ist viel weiter verbreitet, als den meisten Menschen bewusst ist", sagte die Co-Vorsitzende Marla Emery bei der Vorstellung eines neuen Berichts des Weltbiodiversitätsrats IPBES. 2,4 Milliarden Menschen nutzen Holz zum Kochen und 1,6 Milliarden Menschen essen Wildpflanzen und -tiere oder beziehen einen Teil ihres Einkommens aus der Nutzung solcher Arten.

Das ist bei Weitem nicht auf die Entwicklungsländer begrenzt. Wer Fisch aus der Nordsee isst, Möbel aus Holz besitzt oder Pilze sammeln geht, gehört dazu. Gerade Letzteres ist in Teilen Europas erstaunlich beliebt: In einigen osteuropäischen Ländern gehen über zwei Drittel der Bevölkerung gelegentlich dem Sammeln nach.

Aber auch die "Nutzung" wilder Arten zur Entspannung ist ein riesiges Geschäft: Vor der Pandemie haben Naturschutzgebiete weltweit acht Milliarden Besucher pro Jahr verzeichnet und einen Umsatz von 600 Milliarden US-Dollar gemacht.

Der neue IPBES-Bericht stellt daher eingangs fest: "Die Sicherung einer nachhaltigen Nutzung wildlebender Arten ist für die Menschen von entscheidender Bedeutung." Genau dazu soll der neue Bericht beitragen, denn noch werden viele wilde Tier- und Pflanzenarten übernutzt.

Das gilt etwa für ein Drittel der Fischbestände. Zwölf Prozent der Baumarten droht das Aussterben wegen Raubbau und mehr als 1.300 Säugetierarten werden übermäßig bejagt. Dabei gibt es oftmals Gesetze und Abkommen, die genau das verhindern sollen.

Doch der illegale Handel mit wilden Tier- und Pflanzenarten ist ein riesiges Geschäft: Mit einem Umsatz von bis zu 199 Milliarden Dollar ist dieser Handel die drittlukrativste illegale Produktklasse, mit Holz und Fisch als wichtigsten Einzelprodukten. Manche Arten stehen daher vor dem Aussterben, wie Haie, Schuppentiere oder Rosenholzbäume.

Um für die nachhaltige Nutzung wilder Arten zu sorgen, müssen meist internationale Lieferketten besser reguliert werden, von der lokalen bis zur globalen Ebene. Beim Fischfang wurde dazu zuletzt von der Welthandelsorganisation WTO ein neues Abkommen verabschiedet, das zumindest Subventionen für den illegalen Fischfang verbietet.

Ein Ansatzpunkt ist aber auch die EU-Ebene: Dort wird derzeit eine neue EU-Verordnung diskutiert, die für Lieferketten sorgen soll, die nicht zum Waldverlust in anderen Teilen der Welt beitragen. Damit kann die EU ihre Marktmacht nutzen, um zum weltweiten Umweltschutz beizutragen.

Beim Fischfang klappt das bereits gut: Wenn Länder zu wenig gegen illegalen Fischfang unternehmen, wird der Import von Fisch aus diesen Ländern verboten. Das hat im Jahr 2015 zu einer Revolution in der Fischereipolitik Thailands gesorgt: Das Land wollte seine Exporte im Wert von 3,4 Milliarden Dollar nicht gefährden und hat weitreichende Reformen eingeleitet.

Indigene Rechte als Schlüssel

Wie zuletzt mehrere Berichte zu Klima, Artenschutz und Zustand der Böden verweist auch dieser neue Bericht auf die Bedeutung indigener Völker. Diese sind für das Management der Artenvielfalt auf einer Fläche von 38 Millionen Quadratkilometern verantwortlich – rund ein Viertel der Landmasse unseres Planeten.

Und diese Völker machen das meist besser als andere: "Weltweit ist die Entwaldung in indigenen Gebieten in der Regel geringer, vor allem dort, wo der Landbesitz sowie die Kontinuität des Wissens und der Sprachen gesichert sind", sagte Emery. "Die nachhaltige Nutzung wildlebender Arten ist für die Identität vieler indigener Völker von zentraler Bedeutung."

Und genau das sollte der Rest der Menschheit nutzen: "Wenn Wissenschaftler und indigene Völker zusammengebracht werden, um voneinander zu lernen, wird die nachhaltige Nutzung wild lebender Arten gestärkt."

Der neue Bericht wurde in vierjähriger Arbeit von 85 Hauptautoren erstellt, die 6.200 Quellen ausgewertet haben. Wie bei solchen Berichten üblich, haben anschließend Vertreter der 139 IPBES-Mitgliedsstaaten die Zusammenfassung für Entscheidungsträger ausgehandelt.

Der Bericht dient als Grundlage für zwei große internationale Konferenzen in diesem Jahr: zum einen die Cites-Konferenz der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten, die im November in Panama stattfinden wird, und zum anderen die UN-Artenschutzkonferenz.

Diese hätte eigentlich schon im Jahr 2020 in der chinesischen Millionenstadt Kunming stattfinden sollen, wurde aber mehrmals verschoben und soll nun im Dezember im kanadischen Montreal nachgeholt werden.

Dort sollen die neuen globalen Artenschutzziele verabschiedet werden. Es wird erwartet, dass die Länder entscheiden, 30 Prozent der Erde bis zum Jahr 2030 unter Schutz zu stellen.

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