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Artenschutz mit indigenem Wissen

Lange waren menschenleere Naturschutzgebiete das Ideal. Dabei sind Gebiete, in denen indigene Völker leben, oft besonders artenreich und werden von diesen gut gegen Entwaldung geschützt. Mit dieser Botschaft endet heute der IUCN-Kongress in Marseille.


Aufnahme des Whanganui River, der vom neuseeländischen Parlament zur juristischen Person erklärt wurde.
Der Whanganui River in Neuseeland wurde 2017 zur juristischen Person erklärt. Das Gesetz dazu stützt sich auf das Rechtsverständnis der indigenen Iwi. (Foto: Felix Engelhardt/​Flickr)

In Marseille geht heute der alle vier Jahre stattfindende Kongress der Weltnaturschutzunion IUCN zu Ende. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der besseren Integration von Indigenen.

Bislang kannte die IUCN zwei Typen von Mitgliedern: Staaten und zivilgesellschaftliche Organisationen, deren Stimmen jeweils separat gezählt werden. Hinzugekommen sind in Marseille die Organisationen von indigenen Völkern als dritter Mitgliedschaftstyp. Damit sollen indigene Leistungen beim Schutz der Artenvielfalt anerkannt und stärker berücksichtigt werden.

"Indigene Völker machen fünf Prozent der Weltbevölkerung aus und schützen über 80 Prozent der biologischen Vielfalt der Erde", sagte die neue IUCN-Präsidentin Razan Khalifa Al Mubarak. Ihre Erfahrungen in der Frage, wie man im Gleichgewicht mit der Natur leben kann, liefern der Welt unschätzbare Erkenntnisse."

In der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen der IUCN und den indigenen Völkern angespannt. Die Weltnaturschutzunion folgte lange dem "Yellowstone-Modell" und setzte auf möglichst menschenleere Schutzgebiete.

Doch nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass indigene Völker einen wichtigen Beitrag leisten. So zeigt eine Studie der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, dass die Entwaldung in Gebieten des Amazonasregenwalds unter indigener Verwaltung nur halb so hoch war wie in anderen Teilen des Urwalds.

Zudem sparen die Staaten damit Geld, wie der FAO-Bericht zeigt: "Während die Auswirkungen der Gewährleistung von Besitzansprüchen groß sind, sind die Kosten sehr gering".

Klimawandel erreicht Rote Liste

Wie wichtig der Artenschutz ist, zeigt die aktualisierte Rote Liste der gefährdeten Arten, die wohl bekannteste IUCN-Publikation. Von den knapp 140.000 untersuchten Arten ist mehr als ein Viertel mehr oder weniger vom Aussterben bedroht.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Von den sieben am stärksten befischten Thunfischarten haben sich die Bestände von vier Arten deutlich erholt.

"Diese Bewertungen der Roten Liste sind der Beweis dafür, dass nachhaltige Fischereikonzepte funktionieren und langfristig enorme Vorteile für die Lebensgrundlagen und die biologische Vielfalt mit sich bringen", sagte Bruce Collette, der beim IUCN für Thunfische verantwortlich ist.

In anderen Fällen reicht Schutz allein allerdings nicht. Komodo-Warane sind auf der namensgebenden indonesischen Insel eigentlich gut geschützt. Wegen des Klimawandels werden sie in den nächsten 45 Jahren jedoch mindestens 30 Prozent ihres Lebensraums verlieren.

Tiefseebergbau soll ausgesetzt werden

Der IUCN-Kongress diente auch der Vorbereitung der nächsten Konferenz der UN-Biodiversitätskonvention in der südwestchinesischen Millionenstadt Kunming, die wegen der Coronapandemie auf April nächsten Jahres verschoben wurde. Diese Konferenz soll für den Artenschutz so wichtig werden wie die Pariser Klimakonferenz fürs Klima.

Es wird erwartet, dass die Staaten in Kunming beschließen werden, 30 Prozent der Erde bis zum Jahr 2030 unter Schutz zu stellen. Auch hier ist die Frage, wie indigenes Gebietsmanagement einbezogen wird und ob die zu erwartenden Klimaänderungen berücksichtigt werden.

Schließlich stimmten die Delegierten in Marseille auch über gut hundert Anträge ab. Dabei zeigte sich die für internationale Organisationen einzigartige Struktur der IUCN, wo nicht das Konsensprinzip gilt, sondern mit Mehrheit abgestimmt wird.

So forderte ein Antrag ein Moratorium für den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee. Dieser könnte bereits in zwei Jahren beginnen, wenn die Internationale Meeresbodenbehörde ISA erste Abbaulizenzen erteilt.

Für das Moratorium stimmten 81 Länder, 18 Länder stimmten dagegen und 28 enthielten sich. Auch die Nichtregierungsorganisationen waren mit großer Mehrheit für das Moratorium. Bindend ist dieses Votum allerdings nicht. Letztlich entscheidet die ISA.

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