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Rohstoffpreise meist wieder auf Vorkriegsniveau

Die Preise für Gas, Öl und Lebensmittel entscheiden darüber, wie viele Menschen in Armut leben oder gar Hunger leiden. Daher war das Erschrecken groß, als die Preise nach Kriegsbeginn stark stiegen. Mittlerweile hat sich die Situation wieder normalisiert. Das muss aber nicht so bleiben.


Kupfer-Ventile und Rohre vor einer weißen Wand.
Auf die Preise für Kupfer und für Erdgas haben energiepolitische Entscheidungen einen starken Einfluss. (Foto: Algirdas Gelažius/​Shutterstock)

Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine waren die Preise für Rohstoffe plötzlich in den Schlagzeilen. Mittlerweile sind die Preise allerdings wieder stark gesunken. Dafür gibt es mehrere Gründe, die für alle Rohstoffe gleichermaßen gelten:

Der starke US-Dollar verteuert Rohstoffe in allen Ländern außer den USA. Daher sinkt die Nachfrage – und damit der Preis in Dollar.

Wegen der steigenden Zinsen haben sich zudem die Konjunkturaussichten deutlich eingetrübt, was wiederum die Nachfrage nach Rohstoffen reduziert.

Und dann spielt der "China-Faktor" eine Rolle. Das Land hat mit seinem Rohstoffhunger lange Zeit für hohe Preise gesorgt. Doch nun liegt die Bauwirtschaft darnieder und die Wirtschaft wird immer wieder durch Lockdowns ausgebremst, mit denen China seine Null-Corona-Strategie durchsetzt.

Abgesehen von diesen generellen Gründen gibt es aber auch spezifische:

Erdgas

Die spektakulärste Preisentwicklung war bei Gas zu beobachten. Der nicht zuletzt für den Strommarkt wichtige Preis hat sich in den Tagen nach Kriegsbeginn mehr als verdoppelt, nur um dann relativ schnell wieder auf das vorherige Niveau zurückzufallen.

Mitte Juni ging es dann aber wieder nach oben. Der Preis stieg von 80 Euro pro Megawattstunde auf 340 Euro Ende August – ein Anstieg auf mehr als das Vierfache.

Mittlerweile liegt der Gaspreis allerdings wieder bei 100 Euro und vor den Küsten Europas stauen sich die LNG-Tanker. Europas Gasspeicher sind fast voll, die Importterminals arbeiten an der Kapazitätsgrenze und wegen des milden Wetters hat die Heizsaison noch nicht begonnen.

Sobald es kühler wird, werden die Preise aber wieder steigen: Für Dezember und das kommende Jahr liegt der Preis zwischen 130 und 145 Euro.

Erdöl

Beim Ölpreis spielen drei Faktoren eine Rolle: Die drohende Rezession drückt auf den Preis und die Drosselung der Produktion durch das Ölkartell Opec stützt den Preis. Hinzu kommt das bevorstehende Importverbot der EU für Öl aus Russland, weswegen Russlands sein Öl jetzt nach Asien verkauft, was längere Transportwege zur Folge hat.

Die Summe dieser Faktoren spiegelt sich im Ölpreis wider: Dieser stieg von knapp 80 Dollar pro Barrel (159 Liter) Anfang des Jahres auf 120 Dollar und liegt jetzt wieder deutlich unter 100 Dollar.

In Euro ist Öl jedoch immer noch deutlich teurer als zu Jahresbeginn. Damals kostete ein Barrel 68 Euro, heute sind es 94 Euro – gut ein Drittel mehr.

Kohle

Der Kohlepreis ist der einzige, der noch immer auf seinem Höchststand liegt. Kohle verteuerte sich nach Russlands Angriff um mehr als die Hälfte und liegt immer noch auf diesem Niveau.

Zum einen hat die EU ein Importverbot für russische Kohle verhängt und zum anderen treiben der Gaspreis und der Ausfall vieler Atomkraftwerke in Frankreich den Kohlepreis nach oben, weil die Kohlekraftwerke in Europa nun viel stärker ausgelastet sind.

Lebensmittel

Der Preisindex der Welternährungsorganisation FAO liegt noch immer deutlich über dem Niveau der Jahre 2019 und 2020. Damals lag der Index meist unter 100 Punkten, während er aktuell bei 136 Punkten steht.

Damit hat der Index allerdings das Niveau von Ende 2021 erreicht, nachdem er zeitweise bei 160 Punkten lag. Der rapide Preisanstieg nach Russlands Angriff ist also wieder verpufft, was zum Teil auch am Abkommen über den Export von Getreide aus der Ukraine liegt.

Gold

Interessant ist der Preis für Gold, das manche Anleger für einen "sicheren Hafen" in Zeiten von Krieg und Inflation halten. Infolge des Angriffs stieg der Goldpreis denn auch stark, von 1.900 auf über 2.050 Dollar pro Feinunze (28 Gramm).

Mittlerweile ist der Preis aber um knapp ein Fünftel gefallen und liegt noch bei knapp 1.660 Dollar. Dafür gibt es zwei Gründe.

Zum einen wird Gold in US-Dollar gehandelt, was Gold für die Anleger außer in den USA verteuert. Zum anderen bekommt man nun wieder Zinsen auf Bankguthaben. Dadurch wird Gold, das keine Zinsen abwirft, weniger attraktiv.

Kupfer

Der Kupferpreis gilt als Konjunkturbarometer, da Kupfer in vielen Industrien und in der Bauwirtschaft gebraucht wird. Erwartungsgemäß ist der Kupferpreis in den letzten Monaten denn auch um knapp ein Viertel gefallen.

Das Rohstoffhandelshaus Trafigura warnt allerdings, dass die Kupferbestände gerade extrem gering sind: Normalerweise decken sie den Bedarf von mehreren Wochen ab, doch nun reichen sie gerade noch für 4,9 Tage.

"Während der Schwäche des Immobiliensektors in China so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, gleicht die Nachfrage nach Infrastruktur und nach Kupfer für Elektrofahrzeuge dies mehr als aus", sagte Kostas Bintas von Trafigura diese Woche. Aus diesem Grund erwartet Bintas eine "strukturelle Neubewertung" von Kupfer, sobald sich die Konjunktur wieder aufhellt, und einen schnellen und starken Preisanstieg.

Wann kommt die nächste Krise?

Die aktuell relativ moderaten Rohstoffpreise könnten allerdings ein vorübergehendes Phänomen sein. Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet mit deutlich steigenden Preisen: In zwölf Monaten sollen die Preise um rund ein Drittel über dem heutigen Niveau liegen.

In Anbetracht der vielen unerwarteten Ereignisse in den letzten drei Jahren – einer Pandemie, Inflation und Krieg – scheint eine solche Prognose allerdings etwas gewagt.

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