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Das Multi-Krisen-Treffen

Krieg, Hunger und eine Seuche – und auch noch die Klimakrise. Das ist der Hintergrund des diesjährigen Frühjahrstreffens der Weltbank und des Weltwährungsfonds. In dieser Lage bräuchte es die Bereitschaft zu internationaler Zusammenarbeit. Doch genau daran mangelt es.


Flaggen an Fahnenmasten vor einem grauen Himmel
Die Bewältigung globaler Krisen braucht globale Kooperation. Damit steht es derzeit nicht zum Besten. (Foto: Hxdbzxy/​Shutterstock)

"Inmitten der Düsternis von Krieg, Inflation, Energiekrise und zunehmender Verschuldung gibt es auf der diesjährigen Frühjahrstagung viel zu besprechen", schreibt der britische Thinktank Omfif im Hinblick auf die Frühjahrstagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds IWF, die am Montag in Washington begonnen hat.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa beschwört daher den Geist der Bretton-Woods-Konferenz, bei der die beiden Institutionen begründet wurden: Die aktuelle Situation erinnere sie "an Bretton Woods im Jahr 1944, als im Schatten des Krieges die führenden Politiker zusammenkamen, um eine bessere Welt zu schaffen. Es war ein Moment von beispiellosem Mut und Zusammenarbeit." Und genau das sei auch heute wieder nötig.

In der aktuellen Multi-Krise lassen sich drei Phasen unterscheiden. Erst kam die Pandemie, die viele ärmere Länder in den Staatsbankrott getrieben hat, weitere stehen kurz davor. Die Weltbank schätzt, dass die Schulden der Entwicklungsländer mittlerweile auf einem 50-Jahre-Hoch sind.

Die zweite Phase war dann die Antwort der Industriestaaten auf die Coronakrise, die negative Auswirkungen auf die ärmeren Länder hatte. Weltbank-Chef David Malpass: "Die außerordentlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, die die fortgeschrittenen Volkswirtschaften zur Ankurbelung ihrer Nachfrage ergriffen haben, kombiniert mit unterbrochenen Lieferketten, haben den Preisanstieg angeheizt und die Ungleichheit weltweit verschärft." Erst Corona und dann Inflation.

Die dritte Phase ist schließlich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dieser habe negative Konsequenzen für den Großteil der Welt und nicht nur für die direkt betroffenen Staaten, so Georgiewa: "Die Auswirkungen des Krieges werden in diesem Jahr zu einer Herabstufung der Prognosen für 143 Volkswirtschaften beitragen, die 86 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmachen."

Viele Menschen stürzen wieder in Armut

Hinter dieser Zahl verbirgt sich nicht weniger als eine humanitäre Katastrophe: Die Entwicklungsorganisation Oxfam schätzt, dass die steigenden Lebensmittelpreise dieses Jahr 263 Millionen Menschen zusätzlich in absolute Armut stürzen. Ende des Jahres werden dann 860 Millionen Menschen mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen müssen – jeder zehnte Mensch.

Hinzu kommt, dass viele Länder derzeit Maßnahmen ergreifen, die die Hungerkrise noch verschlimmern. Malpasse beklagt: "Innerhalb weniger Wochen ist die Zahl der Länder, die Ausfuhrbeschränkungen für Lebensmittel verhängen, um ein Viertel auf 35 gestiegen."

Noch sei das Problem aber nicht so groß wie in der Lebensmittelpreiskrise von 2008 bis 2011, die zur Entstehung des Arabischen Frühlings beigetragen hat.

Genau deshalb müsse der Trend zu Exportkontrollen für Lebensmittel sofort gestoppt werden, fordert Malpasse: "Die meisten Handelshemmnisse schützen die Privilegierten auf Kosten der übrigen Gesellschaft und verschärfen die Ungleichheit. Dazu gehören Quoten, hohe Zölle, hohe Exportsteuern und Subventionen, die den Handel verzerren."

Wird auch Klimaschutz Opfer des Krieges?

Georgiewa beklagt noch ein zusätzliches Problem: den abnehmenden Willen zu multilateraler Kooperation.

"In einer Welt, in der ein Krieg in Europa Hunger in Afrika verursacht, in der eine Pandemie innerhalb von Tagen um den Globus kreisen kann, in der Emissionen einen Anstieg des Meeresspiegels bedeuten, kann die Bedrohung unseres kollektiven Wohlstands durch einen Zusammenbruch der globalen Zusammenarbeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", warnt die IWF-Chefin.

Doch genau diese Zusammenarbeit droht zum Opfer des Krieges in der Ukraine und der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China zu werden.

Georgiewa mahnt daher: "Das einzige wirksame Mittel gegen diese Risiken ist die internationale Zusammenarbeit. Sie ist unsere einzige Hoffnung auf eine gerechtere, widerstandsfähigere Zukunft. Und sie ist unsere Pflicht."

Bei der Frühjahrstagung gibt es also tatsächlich viel zu besprechen.

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