"Business as usual hat wenig Sinn"

Eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte zeigt: Wenn Deutschland frühzeitig in Klimaneutralität investiert, hat das viele ökonomische Vorteile.


Einzelner Mann in Anzug geht allein eine riesige Treppe hinauf.
Heute massiv investieren, damit es nicht bald abwärts geht – wegen der Klimaschäden. (Foto: Heitor Souza Miranda/​Pixabay)

Klimaschutz ist teuer. Das ist zwar richtig. Doch unterlassener Klimaschutz kommt langfristig deutlich teurer. Diese Erkenntnis untermauert jetzt eine Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft Deloitte.

Der deutschen Wirtschaft drohen danach in den kommenden 50 Jahren klimawandelbedingte Schäden in Höhe von insgesamt 730 Milliarden Euro und ein Verlust von bis zu 470.000 Arbeitsplätzen, wenn nicht frühzeitig gegengesteuert wird.

Umgekehrt eröffne ein Kurs, der das 1,5-Grad-Ziel und Klimaneutralität für spätestens 2050 anpeilt, längerfristig große Wachstumschancen. "Der Wendepunkt für Deutschland: Wie Klimaschutz unsere wirtschaftliche Zukunft sichern kann" heißt die Untersuchung, die in zwei Szenarien die ökonomischen Konsequenzen ausleuchtet.

Szenario eins: Der CO2-Ausstoß wird (auch global) nicht eingedämmt, mit der Folge einer Erderwärmung um drei Grad. Szenario zwei: Die Volkswirtschaften werden in Richtung CO2-Neutralität umgebaut. Das benutzte Modell kombiniert makroökonomische und Klimamodelle, der Zeithorizont geht bis 2070.

Auf die 50 Jahre gerechnet ergeben sich laut Deloitte "substanzielle wirtschaftlichen Vorteile, wenn Deutschland konsequent handelt und bis spätestens 2050 klimaneutral wird".

In diesem zweiten Szenario muss in den kommenden Jahren zwar kräftig in die Transformation der Wirtschaft investiert werden. Stichworte: Umstellung von fossilen Energien auf Solarenergie und Windkraft, Speicherlösungen, Dekarbonisierung der Industrie, vor allem durch grünen Wasserstoff. Dadurch werde das BIP-Wachstum etwas niedriger ausfallen als im Falle des Nichthandelns.

Deloitte zufolge gibt es jedoch einen Wendepunkt im Jahr 2038, ab dem die gravierendsten Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden, die im Falle des Nichthandelns eintreten würden, und die ökonomischen Vorteile die Investitionen in den grünen Umbau ausgleichen.

Heute die richtigen Entscheidungen treffen

Danach beschleunigten sich die Wachstumseffekte bis 2070. "Die Wirtschaft würde stärker wachsen, als sie es ohne die Investitionen in das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels getan hätte", so die Bilanz. Im Jahrzehnt nach 2040 wird das Wachstum nach Szenario zwei zunächst jedes Jahr um 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen als in einer Welt ohne Klimaschutz.

Bis 2070 wachse der Nettonutzen dann auf 2,5 Prozent des BIP an. "Das Land ist bis 2070 jedes Jahr um 140 Milliarden Euro bessergestellt als in einer Welt der Inaktivität", so Deloitte. Auch die Zahl der Arbeitskräfte werde zunehmen, insbesondere in der grünen Energiewirtschaft und im Dienstleistungssektor.

Alexander Börsch, Chefvolkswirt bei Deloitte Deutschland, erläuterte, die wirtschaftlichen Schäden einer starken globalen Erwärmung würden bisher in Wirtschaftsanalysen und langfristigen Wachstumsprognosen kaum berücksichtigt. "Das klassische Business-as-usual-Szenario macht angesichts der zu erwartenden Schäden wenig Sinn. Deshalb haben wir in unserer Studie zum ersten Mal volkswirtschaftliche Kosten und Nutzen der Investitionen in Klimaschutz gegenübergestellt."

Wenn jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen würden, treffen, könne der Weg in eine emissionsarme Zukunft eingeschlagen werden, sagte Deloitte-Nachhaltigkeitschef Thomas Schlaak. Deutschland sei als Vorreiter in Europa gut positioniert, um in diesem Prozess weltweit eine führende Rolle zu spielen und zu zeigen, dass Klimaschutz keine Frage der Kosten, sondern eine des nachhaltigen Wirtschaftswachstums sei.

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