Klimaschutz unter Wasser

Damit der Klimaschutz noch gelingt, braucht es neben einer raschen weltweiten Energiewende auch Maßnahmen, die der Atmosphäre CO2 entziehen. Deren Chancen und Risiken an Land sind schon recht gut untersucht. Nun sollen aber auch Geoengineering-Möglichkeiten in den Ozeanen erforscht werden.


Ein Flugzeug und ein Kreuzfahrtschiff begegnen sich auf dem Meer.
Substanzen ins Meer kippen, damit es oben weiterlaufen kann? Klima- und Meeresschützer warnen, Forscher wollen erst mal forschen. (Foto: Erich Westendarp/​Pixabay)

Das Positive an der Coronakrise? Wenigstens für den Klimaschutz schien der Lockdown etwas zu bringen. Der globale CO2-Ausstoß lag im April um satte 17 Prozent unter dem Vorjahreswert, wie Wissenschaftler des Global Carbon Project ermittelten.

Inzwischen nähern sich die Emissionen mit Riesenschritten wieder dem Vor-Corona-Niveau, so ein aktuelles Update ihrer Studie. Im zweiten Halbjahr werden die CO2-Frachten ähnlich hoch wie 2019 sein, steht zu erwarten. Das heißt: Eine nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht.

Das bedeutet zweierlei: Einerseits müssen die weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme zum Neustart nach Corona genutzt werden, um der Energiewende endlich zum Durchbruch zu verhelfen und die Emissionen radikal, wie nie zuvor, zu senken. Dann hätte die Krise doch noch ihr Gutes gehabt.

Andererseits wird immer klarer, dass CO2 zukünftig auch aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden muss. Vor allem dann, wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll – was viele Vorteile hätte, darunter weniger Wetterextreme, geringeren Meeresspiegelanstieg und einen nicht so starken Verlust an Artenvielfalt als bei zwei Grad Erwärmung oder noch mehr.

Es geht um die "NETs", Technologien mit negativen Emissionen. Aufforstung von Wäldern, Wiedervernässung von Mooren, Bauen mit Holz als Kohlenstoffspeicher – das sind vielversprechende Ansätze. Die Chancen und Risiken dieser "Land-NETs" sind recht gut erforscht.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Das Wissen über Maßnahmen, die den Ozean betreffen, ist im Vergleich dazu noch recht begrenzt – und das, obwohl die Meere schon wegen ihrer großen Oberfläche und ihres riesigen Volumens eine viel höhere Kapazität zur Aufnahme und Speicherung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre besitzen.

Die Wissenslücken zu schließen ist das Ziel des neuen großen Projekts Ocean NETs, das mit 7,2 Millionen Euro von der EU finanziert und vom Ozean-Forschungszentrum Geomar in Kiel koordiniert wird.

Eine gute Sache, denn bevor man – zum Beispiel – das Meer in großem Stil mit Eisenspänen düngt, um Algenwachstum anzuregen, oder alkalische Mineralien im Wasser löst, um den pH-Wert des Wassers und so die Fähigkeit des Ozeans zur CO2-Aufnahme zu erhöhen, muss völlige Klarheit über mögliche negative Folgen herrschen.

Eventuell muss die Menschheit die Finger davon lassen.

Grafik zeigt einen Schnitt durch ein Meer mit verschiedenen Ozean-Geoengineering-Technologien.
Verschiedene Geoengineering-Technologien in und mit den Ozeanen lässt die EU jetzt erforschen. (Grafik: Rita Erven/​​GEOMAR)

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