Aufs Holz gekommen

Zwei Drittel aller Gebäude weltweit werden mit Stahlbeton gebaut, einem Produkt mit großem CO2-Fußabdruck. Eine klimafreundliche Lösung sind Holzhäuser – auch als Hochhaus.


Entwurf des geplanten Holzhochhauses
Deutschlands derzeit höchstes Hochhaus in Holzbauweise soll ab 2020 in Pforzheim entstehen – und ungefähr so aussehen. (Foto: Baugenossenschaft Arlinger)

Bauen mit Holz. Noch ist das eine Nische. Holzhäuser sind gemütlich, denken die meisten, aber doch nichts, um die Wohnungsnot in den Ballungsräumen zu lindern oder Hochhäuser damit zu bauen.

Doch dieses Denken ist überholt. Tatsächlich hat der Holzbau enorme Potenziale, die nur noch nicht in großem Stil gehoben werden.

Auch für den Klimaschutz ist das eine wichtige Option. Denn Holzhäuser sind quasi gespeichertes Kohlendioxid, das dadurch der Atmosphäre entzogen wird und nicht als Treibhausgas wirkt.

Was Holzbau-Architekten sich inzwischen trauen, zeigt ein neues Hochhaus-Projekt in Pforzheim. Volle 14 Stockwerke wird "Carl" haben – so heißt das Gebäude, das eine Baugenossenschaft in der badischen Stadt hochziehen will.

Stahl und Beton werden dabei nur sehr sparsam eingesetzt, etwa im Kern des Treppenhauses, der aus Brandschutzgründen aus Beton gefertigt werden muss. Deswegen heißt Carl korrekterweise auch Holz-Hybrid-Holzhaus.

Zwei Drittel aller Bauwerke weltweit werden heute mit Stahlbeton hochgezogen. Dabei handelt es sich um ein Produkt mit einem großen CO2-Fußabdruck, zudem verschlingt diese Bauweise enorme Mengen an Sand – einem Rohstoff, der inzwischen in manchen Weltregionen schon knapp wird.

Holzhäuser, die aus einem nachwachsenden Rohstoff bestehen, können hier durchaus eine Lösung bringen. Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet 900 Kilogramm Kohlendioxid. Angesichts des weltweiten Baubooms liegen darin also enorme Potenziale.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Der renommierte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber fordert daher: "Wir müssen aufhören mit Stahlbeton zu bauen. Unsere Städte der Zukunft müssen aus Holz gebaut werden."

Carl ist in diesem Sinne also ein Leuchtturmprojekt, gebaut mit Holz aus dem nahen Schwarzwald. Deswegen fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Projekt auch mit rund 330.000 Euro – in der Hoffnung, dass aufgrund des Pforzheimer Modells künftig Baugenehmigungen für Holz-Hochhäuser leichter erteilt werden können. Bisher winken die Bauämter oft gleich ganz ab oder genehmigen die Bauten nur mit vielen teuren Ausnahmeregelungen.

Carls Ökobilanz ist gut. Über 50 Jahre gerechnet, erspart das Hochhaus 2.000 Tonnen CO2 ein. Tatsächlich ein Vorbild.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier