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Das war erst der Anfang

Stark- und Dauerregen hat es schon immer gegeben. Aber weil sich das Klima in Deutschland bereits deutlich erwärmt hat, sind diese Ereignisse wahrscheinlicher geworden. Die Überflutungen sind ein Weckruf, der nicht überhört werden sollte.


Teilweise überflutete kleine Straße, ein Auto steht im Wasser, Äste und Kleinholz liegen herum.
Hochwasserschäden gestern in der Hagener Rathausstraße. (Foto: Klaus Bärwinkel/​Wikimedia Commons)

Dutzende Tote und Vermisste, eingestürzte Häuser, schwimmende Autos. Solche Nachrichten und Bilder sieht man in Deutschland selten. Entsprechend groß ist die Bestürzung angesichts der Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Ganz unerwartet kommen die Extremniederschläge dieser Woche allerdings nicht. "Starkniederschläge nehmen mit dem Klimawandel zu", folglich seien "Situationen wie jetzt zu erwarten", sagt der Schweizer Klimaforscher Reto Knutti.

Der Zusammenhang ist eigentlich ganz einfach. Wenn sich Luft um ein Grad erwärmt, kann sie rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit speichern. Da sich das Klima in Deutschland bereits um rund 1,5 Grad erwärmt hat, gibt es also häufiger Überschwemmungen.

Knutti betont dabei: "Man kann nicht ein spezifisches Regenereignis dem Klimawandel in einem deterministisch kausalen Sinn zuordnen, aber eine klare Aussage über den Einfluss des Klimawandels auf die Häufigkeit machen."

Noch klarer ist der Zusammenhang zwischen Extremwetter und der Klimaerwärmung bei Hitzewellen wie derzeit in den USA, Skandinavien und Russland. Die Rekordtemperaturen im Westen Nordamerikas vor drei Wochen wären ohne die Erwärmung, die bereits stattgefunden hat, "nahezu unmöglich" gewesen.

Das ist das Ergebnis einer Schnellstudie von mehreren Attributionsforschern rund um die Welt. Diese ermitteln zuerst mithilfe von Computermodellen des Klimas, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Extremereignis in der vorindustriellen Zeit gewesen ist, als die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre und damit die Temperaturen noch niedriger waren.

Anschließend rechnen sie das Gleiche mit den aktuellen Daten durch. So lässt sich zwar nicht ein einzelnes Ereignis hundertprozentig dem Klimawandel zuschreiben, aber die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass es eintritt. Dabei zeigt sich, dass Hitzewellen am direktesten eine Folge der Klimaerwärmung sind (siehe Grafik unten).

Die Opferzahlen werden steigen

Dieser Zusammenhang ist fatal, denn Hitzewellen sind die tödlichsten Extremwetterereignisse. Der menschliche Körper ist sehr gut darin, seine Temperatur nach oben zu regulieren, viel weniger gut kann er das nach unten. Die Hitzewelle Anfang Juli hat allein in der kanadischen Provinz British Columbia rund 500 Menschen das Leben gekostet.

X-Y-Diagramm: Kälte- und Hitzewellen sind in den Klima- und speziell den Attributionswissenschaften am besten erforscht, Stürme am schlechtesten, dazwischen rangieren Dürren und Starkregen.
Bei Hitze- und Kältewellen ist nicht nur der allgemeine Einfluss des Klimawandels (waagerechte Achse) gut erforscht, sondern auch die mögliche Zuordnung zu einzelnen Ereignissen (senkrechte Achse). Bei anderen Extremereignissen, vor allem bei Stürmen, ist das viel weniger der Fall. (Grafik: NOAA, nach NAS 2016)

Die wirtschaftlich teuersten Extremwetterereignisse sind allerdings Stürme. Dies gilt besonders für kleine Inselstaaten. Der Inselstaat Dominica in der Karibik hatte nach dem Hurrikan "Maria" im Jahr 2017 Schäden im Gegenwert von 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu bewältigen. Dabei wurde die Insel bereits zwei Jahre zuvor verwüstet: Damals richtete der Hurrikan "Erika" Schäden im Wert von 90 Prozent des BIP an.

Wenn ein kleiner Inselstaat in der Karibik von einem Hurrikan getroffen wird, entstehen im Durchschnitt Schäden von 17 Prozent des BIP, hat die UN-Entwicklungsorganisation UNDP ausgerechnet. In Deutschland entspräche das einem Schaden von 560 Milliarden Euro.

Ein derart gigantischer Schaden ist in Deutschland kaum jemals zu erwarten. Dennoch werden auch hier die Zahlen der Hitzetoten und Opfer anderer Extremwetterereignisse sowie die Schäden mit weiter steigenden Temperaturen zunehmen.

Wie stark der Anstieg ist, hängt aber auch davon ab, wie gut sich Deutschland auf den Klimawandel vorbereitet. So könnten etwa Klimaanlagen und bauliche Veränderungen in Krankenhäusern und Altenheimen viele Hitzetote verhindern. Mit der Entsiegelung von Flächen und der Schaffung von natürlichen Überschwemmungsgebieten lässt sich Hochwassern die Spitze nehmen.

"Eine gewisse Ratlosigkeit"

Und falls es dennoch zur Katastrophe kommt wie jetzt, hängt viel von den Rettungskräften ab. Für ihr Buch "Deutschland 2050" haben die Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud auch mit Katastrophenschutzexperten gesprochen. Noch ist Deutschland demnach nicht ausreichend gewappnet.

"Spricht man mit Fachleuten über die Zukunft des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes in Deutschland, dann schwingt eine gewisse Ratlosigkeit mit", schreiben Staud und Reimer. "Die bisherigen Strukturen von Rettungsdiensten werden in den kommenden Jahrzehnten immer stärker an ihre Grenzen stoßen."

Letztlich ist jedes Extremwetterereignis also ein Weckruf. Einerseits muss die Menschheit ihre Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich auf null reduzieren, um die Klimaerwärmung zu stoppen und so zu verhindern, dass diese Ereignisse immer häufiger auftreten.

Und andererseits muss sich jedes Land und jede Stadt auf diese Ereignisse vorbereiten. Dass Letzteres nötig ist, ist allerdings tragisch, denn Warnungen aus der Wissenschaft gibt es seit Jahrzehnten, ohne dass viel passiert wäre.

"Wir bringen nach und nach unseren Planeten um", konstatierte UN-Generalsekretär António Guterres letztes Jahr. Es brauche einen Kurswechsel in allen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens. "Entweder stehen wir zusammen oder wir sind dem Untergang geweiht."

Lesen Sie dazu unseren Kommentar:

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