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Die Grünen wollen eine Kanzlerin

Zum ersten Mal kämpfen die Grünen ums Kanzleramt. Als Kandidatin ist nun Annalena Baerbock nominiert. Mit der Entscheidung für die 40-Jährige setzt sich die Partei deutlich von den Bewerbern von Union und SPD ab.


Portraitfoto Annalena Baerbock
Annalena Baerbock. (Foto: Urban Zintel/​Wikimedia Commons)

Überraschend kam es nicht. Die Grünen werden mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf gehen. Das gab die Parteichefin gemeinsam mit ihrem Co-Vorsitzenden Robert Habeck heute Mittag in Berlin bekannt

Die Entscheidung sei vor Ostern gefallen, sagte Baerbock. Formal muss sie noch vom Parteitag Mitte Juni bestätigt werden. Die Zustimmung gilt als sicher.

Für die Grünen ist die Kandidatur ein Novum. Zum ersten Mal kämpft die Partei um das Kanzleramt. "Jetzt ist etwas passiert, was noch vor Jahren unmöglich schien", sagte Habeck, der seit dreieinhalb Jahren zusammen mit Baerbock die Partei führt.

In der Zeit haben die Grünen einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Bei Umfragen liegen sie konstant um die 20 Prozent. Bei Landtagswahlen konnten sie erhebliche Stimmengewinne erzielen und sitzen mittlerweile in elf von 16 Landesregierungen. "Die Union ist in Reichweite", sagte Habeck.

Ein Novum ist die Entscheidung der Grünen für eine Kanzlerkandidatur auch für die Bundesrepublik. Erstmals können die Bürger:innen nicht nur zwischen Kandidat:innen von Union und SPD wählen.

Seltenheitswert hat auch das völlige Fehlen von parteiinternem Streit im Vorfeld zwischen Baerbock und Habeck, ganz im Gegensatz zu dem, was derzeit in der Union zwischen den möglichen Kandidaten Armin Laschet und Markus Söder passiert.

Monatelang war spekuliert worden, wer von den beiden Grünen-Vorsitzenden die Kandidatur übernehmen soll. Habeck galt lange als Favorit. Er ist bekannter als Baerbock und blickt auf mehrjährige Ministererfahrung in Schleswig-Holstein zurück. 

Mit der Festlegung auf Baerbock ist ein deutliches Signal verbunden. Die Grünen wollen den Wähler:innen ein Angebot machen, das sich sehr klar von dem der anderen (möglichen) Kandidaten unterscheidet.

Egal ob sich in der Union Laschet oder Söder durchsetzt, in jedem Fall wird Baerbock die einzige Frau im Rennen sein. Und sie ist mit 40 Jahren jünger als jeder andere Kandidat und jede Kandidatin vor ihr.

Klimaschutz als Fundament

In ihrer Rede nach Bekanntgabe der Kandidatur stellte Baerbock denn auch das Thema Veränderung in den Mittelpunkt, das auch das Wahlprogramm ihrer Partei prägt. "Ich trete an für Erneuerung", sagte sie. "Deutschland braucht einen Neuanfang." Für den Status quo stünden andere.

Es genüge nicht, nur "auf Sicht zu fahren", sagte Baerbock in Anspielung auf Angela Merkels Regierungsstil. Zu lange sei es vor allem darum gegangen, was alles nicht geht. "Jetzt zählt, was alles geht."

Es gebe überall in der Gesellschaft viele gute Beispiele, etwa Kommunen, die sich schon heute vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen. Ihr Ziel sei, so die Kandidatin, "dass das Gute nicht die Ausnahme ist, sondern der Standard". Und das in allen Bereichen, von Kitas und Pflege bis Digitalisierung und Industriepolitik.

Dabei solle Klimaschutz "das Fundament" sein, als "die Aufgabe unserer Zeit". Dies solle der Maßstab für eine neue Regierung sein. Baerbock: "Ich will Deutschland in eine gute Zukunft führen."

Einige Kommentatoren äußerten Zweifel, ob eine Frau von 40 Jahren dem "schwierigen" Amt als Kanzlerin gewachsen sein könne. Länder wie Dänemark, Finnland, Neuseeland haben junge Regierungschefinnen und fahren damit sehr gut.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar:

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