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Mehr Holz und Carsharing

Die Pariser Klimaziele sind viel leichter erreichbar, wenn beheizte Gebäude und Autos nicht nur auf Ökostrom umgestellt, sondern auch materialeffizient gebaut werden. Weniger Zement und Stahl zu verbrauchen spart eine Menge Treibhausgase, wie eine Studie der Universität Freiburg zeigt.


Holzhochhaus H8
Holzhochhaus: Wird ein Haus gebaut, ist Holz klimafreundlicher als herkömmliche Baustoffe. (Foto: Y. Hilinci/​Wikimedia Commons)

Klimaschutz ist besonders schwierig, wenn es um die Herstellung von viel genutzten Materialien wie Stahl oder Zement geht. Die Sektoren Gebäude und Verkehr gehören zu den wichtigsten Verbrauchern dieser Ressourcen, und das Wachstum in diesen Bereichen ist weltweit ungebrochen. Doch es gibt durchaus die Chance, hier umzusteuern, wie eine neue Studie zeigt.

Eine effizientere Nutzung von Materialien für Wohngebäude und Autos könnte danach bis 2050 enorme Mengen Treibhausgase einsparen, nämlich bis zu zwei Drittel des bisherigen Ausstoßes. Stichworte sind hier: Holzbau statt Beton, kleinere Wohnfläche pro Kopf, bessere Wiederverwertung von Altmetallen, mehr Carsharing.

Die Bau- und Gebäudewirtschaft ist laut einem UN-Report inzwischen für 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, der Verkehrssektor bringt es auf 25 Prozent. Die Corona-Lockdowns haben in beiden Branchen zwar zu vorübergehenden Einbrüchen geführt, ein Umsteuern zur Nachhaltigkeit ist aber nicht in Sicht.

Eine konsequente Effizienzstrategie bei der Materialnutzung könnte das jedoch ändern. Bis zum Jahr 2050 wäre es möglich, im Gebäudesektor bis zu 52 Milliarden Tonnen CO2 und bei den Pkw bis zu 26 Milliarden Tonnen einzusparen, wie eine Forschungsgruppe um Stefan Pauliuk von der Universität Freiburg ermittelte.

Das Team analysierte dafür zehn globale Strategien für mehr Materialeffizienz und berechnete deren gemeinsames Potenzial – für den Fall, dass sie konsequent bis 2040 verfolgt und von einer strikten Klimapolitik flankiert werden. Ein Beispiel ist die Wiederverwendung von Stahlschrott aus der Herstellung etwa von Pkw, sogenannten Stanzresten, die eine hohe Materialqualität haben. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

Bei Wohngebäuden hat laut der Studie eine Umstellung von der klassischen Bauweise mit Steinen, Beton und Stahl auf Bauen mit Holz besonders viel Potenzial. Gründe: Einerseits ist die Produktion von Zement und Stahl sehr CO2-intensiv – sie würde zurückgehen. Andererseits wird in Holzbauten für lange Zeit CO2 gespeichert, das von den Bäumen beim Wachstum per Fotosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen wurde.

"Materialeffizienz ist leicht erreichbar"

Ähnlich stark kann der Treibhausgasausstoß durch eine veränderte Nutzung der Häuser sinken, etwa dadurch, dass der Trend zur immer größeren Wohnfläche pro Kopf umgekehrt wird. Bei den Pkw wiederum hat der gemeinschaftliche Gebrauch die größten Potenziale, etwa durch die Bildung von Mitfahrgelegenheiten und das Umsteigen vom eigenen Auto auf Carsharing.

Das Forschungsteam betont, dass die Umstellung auf Ökostrom für die notwendige Senkung des CO2-Ausstoßes nicht ausreiche, weder im Wohngebäude- noch im Pkw-Sektor. Bei den Gebäuden werden strombetriebene Wärmepumpen statt Gas- und Ölheizungen und bei den Autos der Batterieantrieb statt Benzin- und Dieselmotoren favorisiert. Hier seien aber zusätzliche Effizienzmaßnahmen erforderlich.

Studien-Hauptautor Pauliuk kommentiert: "Unsere Untersuchung zeigt, dass Materialeffizienz ein Schlüssel zu einer weitgehenden Klimaneutralität sein kann." Die Potenziale seien enorm. "Sie sollten stärker genutzt werden", so Pauliuk, der Professor für nachhaltiges Energie- und Stoffstrommanagement ist. Es sei entscheidend, Strategien zur Materialeffizienz einen ähnlich hohen Stellenwert wie Maßnahmen zur Energieeffizienz zu geben.

Dann lasse sich das Ziel des Paris-Abkommens, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, leichter erreichen, ist Pauliuk überzeugt. "Die Maßnahmen zur Materialeffizienz können leicht umgesetzt werden, daher sollte ihnen in der Klimapolitik eine höhere Priorität zukommen."

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