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Es geht ums Geld

Weder Corona noch die ausbleibende Klimawende konnten die Aktivist:innen von Fridays for Future von ihren konsequenten Forderungen abbringen. Jetzt wenden sie sich einem brisanten Schlüsselthema zu: der Finanzierung fossiler Projekte im globalen Süden durch Banken des globalen Nordens.


Doppelhochhaus der Deutschen Bank in Frankfurt am Main, am Bildrand überall das frische Grün sonnenbeschienener Bäume.
Auch die Deutsche Bank gibt sich jetzt grün und klimafreundlich. Etwas im Hintergrund laufen die fossilen Geschäfte weiter. (Foto: E. Q. Roy/​Shutterstock)

Hat die Jugend-Klimabewegung an Schwung verloren? Nach der Pandemie war das die Frage, die sich alle stellten, als bei den Fridays-for-Future-Demos offenbar nicht mehr so viele Menschen dabei waren.

Es mag sein, dass jetzt weniger Menschen auf die Straße gehen. Gleichzeitig haben die riesigen Demos von 2019 und 2020 nicht die erhofften grundlegenden Änderungen in der Klimapolitik gebracht. Dennoch ließ sich die sogenannte Klimageneration nicht entmutigen oder schraubte ihre Erwartungen herunter.

Stattdessen konzentrieren sich die jugendlichen Klimaaktivist:innen mehr denn je auf einen Schlüsselaspekt beim Übergang zu einer grüneren Zukunft: Geld. 

Solange Regierungen und Finanzinstitutionen weiterhin Geld in die fossile Brennstoffindustrie pumpen, gibt es wenig Hoffnung, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und wenigstens die schlimmsten Auswirkungen zu vermeiden.

Im vergangenen Jahr hat die Internationale Energieagentur IEA klargemacht, was passieren muss, um dieses Ziel zu erreichen: Es darf keine Investitionen in fossile Brennstoffe mehr geben.

Dennoch haben die weltgrößten Banken seit 2015, als das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet wurde, 4,6 Billionen US-Dollar in fossile Brennstoffe investiert. Allein die Deutsche Bank hat zwischen 2016 und 2020 mehr als 74 Milliarden in den fossilen Sektor gesteckt. 

Deshalb rufen Klimaaktivist:innen immer lauter nach einem Stopp für Investitionen in die fossile Brennstoffindustrie und nehmen jene Institutionen ins Visier, die Milliarden in diese Sektoren pumpen. Gerade erst organisierten jugendliche Aktivist:innen Proteste vor dem Europäischen Parlament und schickten Tausende Briefe an EU-Abgeordnete, um zu verhindern, dass die EU Investitionen in Erdgas und Atomkraft als klimafreundlich einstuft.

Es gibt sicher aufregendere Themen als eine Abstimmung zur EU-Taxonomie. Doch in den sozialen Medien versuchten unzählige junge Menschen ihre Abgeordneten mit wissenschaftlichen Belegen davon zu überzeugen, dass Erdgas und Atomenergie eben nicht "nachhaltig" sind.

Obwohl das Ergebnis der Abstimmung enttäuschend und eine ungenutzte Chance für mehr Investitionen in erneuerbare Energien war, bleibt die Botschaft klar: "Wir fallen nicht länger auf euer Greenwashing herein." Ein so tiefgreifendes Verständnis und Hinterfragen der aktuellen Klimapolitik von großen Teilen der Jugend gab es noch nie. 

Neue Netzwerke verfolgen Nord-Süd-Geldflüsse

Auch die Banken geraten wegen ihrer Greenwashing-Versuche unter Druck. Kritik an Banken wegen umweltschädlicher Investitionen ist nichts Neues. Profitorientierte Privatbanken werden schon lange für unethische Investitionen und intransparente Geschäfte angeprangert.

Aber Klimaaktivist:innen in aller Welt haben in den letzten Jahren starke internationale Netzwerke aufgebaut. Sie konzentrieren sich jetzt immer mehr auf die Rolle der Finanzinstitutionen und Geldflüsse zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden.

Als Luisa Neubauer im Mai bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank den Vorstand und die Aktionär:innen wegen der Milliardeninvestitionen in Unternehmen wie den Ölriesen Total kritisierte, unterstützte sie damit die Fridays-for-Future-Gruppen in Uganda und Tansania in ihrem Kampf gegen den Bau der ostafrikanischen Rohöl-Pipeline EACOP.

Bei Luisa Neubauers Treffen mit dem Bankchef war auch Evelyn Acham dabei, eine ugandische Jugendaktivistin, die aus erster Hand von den verheerenden Auswirkungen der geplanten Pipeline auf Bevölkerung, Naturgebiete und Gewässer berichten konnte. Zwar hat sich Deutschlands größte Bank aufgrund des öffentlichen Drucks von dem Projekt distanziert, unterstützt aber weiter den Total-Konzern, der die Pipeline baut. So wurde im April ein gemeinsames Acht-Milliarden-Paket mit anderen Banken für Total angekündigt.

Porträtaufnahme von Kate Cahoon.
Foto: Christian Schneider

Kate Cahoon

Die australische Feministin und Umwelt­schützerin arbeitet in Berlin als Chef­campaignerin bei der inter­nationalen Klima­schutz­organisation 350.org. Sie setzt sich für eine viel­fältige, inklusive und gerechte Klima­bewegung ein, um die Kohle-, Öl-, und Gas­industrie von inter­nationalen Finanz­strömen ab­zu­schneiden.

Während sie sich zu Hause als Klima-Champions geben, streichen europäische Banken weiterhin die Profite der fossilen Industrie im globalen Süden ein. Sie führen damit die neokolonialistische Ausbeutung fort und befeuern die Klimakrise, unter der am Ende jene am meisten leiden müssen, die am wenigsten dazu beigetragen haben.

Vanessa Nakate, eine andere junge Aktivistin aus Uganda, drückt es so aus: "Der Kolonialismus lebt weiter durch Projekte wie EACOP". 

Es wird immer deutlicher: Wenn wir Kohle, Öl und Erdgas im Boden lassen wollen, brauchen wir neue Regeln für Banken und andere Finanzinstitutionen, damit kein Geld mehr in die fossile Brennstoffindustrie fließt. Statt den Banken und dem fossilen Sektor zu erlauben, globale Ungleichheiten noch zu vertiefen, stehen Länder mit historisch hohen Emissionen wie Deutschland in der Verantwortung, Geld und Technologie für eine grüne Wende im globalen Süden zur Verfügung zu stellen.

Jugendaktivist:innen werden weiter alles tun, um die Ungerechtigkeiten ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und echte Lösungen zu fordern. Es ist jetzt an den Entscheider:innen in Politik und Zentralbanken, zu zeigen, ob sie wirklich für ein Ende der Finanzierung klimaschädlicher Energieträger und für eine gerechte Klimawende eintreten wollen.

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