Banken finanzieren Kohle, Öl und Gas mit Milliarden

Rund 4,6 Billionen Dollar haben die 60 weltgrößten Banken seit dem Pariser Klimaabkommen in fossile Energieträger gesteckt. Auch zwei deutsche Banken tauchen im neuen "Banking on Climate Chaos"-Bericht von verschiedenen Umweltorganisationen auf.


Mehrere Hochhäuser und Wolkenkratzer im leichten Dämmerlicht.
Deutsche-Bank-Hochhaus in Frankfurt am Main: Auch das größte Kreditinstitut Deutschlands finanziert weiterhin klimaschädliche fossile Energieträger. (Foto: Christian-Michael Onaduja/​Unsplash)

Wie passt das zusammen? Die Welt versucht klimaneutral zu werden und gleichzeitig finanzieren Banken weiterhin die fossile Industrie. Das zeigt der 13. "Banking on Climate Chaos"-Report der US-Umweltorganisation Rainforest Action Network (RAN).

Auch andere, teils große Nichtregierungs­organisationen haben sich an dem Bericht beteiligt, darunter Banktrack, Reclaim Finance, Oil Change International, das Indigenous Environmental Network und der Sierra Club. Auch die deutsche Umwelt- und Menschenrechts­organisation Urgewald zählt zu den Herausgebern.

Dem Bericht zufolge finanzierten die 60 weltweit größten Privatbanken Kohle-, Öl- und Gas-Unternehmen allein 2021 mit 742 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil daran haben die US-Banken J. P. Morgan, Citi, Wells Fargo und Bank of America.

Die vier Banken sind auch zusammen für ein Viertel der gesamten in den letzten sechs Jahren ermittelten fossilen Finanzierung verantwortlich. In diesem Zeitraum seit der Verabschiedung des Paris-Abkommens haben die 60 größten Banken der Welt insgesamt 4,6 Billionen Dollar in die fossile Industrie geleitet.

"Dieser Bericht zeigt, dass der Finanzsektor selbst in einem Jahr, in dem Netto-Null-Verpflichtungen in aller Munde waren, das Klimachaos weiter vorantreibt wie bisher", fassen die Organisationen zusammen. Der Bericht zeige die Diskrepanz zwischen den öffentlichen Klimaversprechen der weltweit größten Banken und der fortgesetzten Finanzierung der fossilen Industrie.

Seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 ist dem Bericht zufolge die Finanzierung fossiler Projekte nicht einmal zurückgegangen. Im ersten Jahr nach dem Abkommen lag sie bei 723 Milliarden US-Dollar und stieg zwischenzeitlich auf 830 Milliarden Dollar im Jahr 2019 an. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie 2021 um rund acht Milliarden Dollar, lag damit aber immer noch knapp 20 Milliarden Dollar über dem Wert von 2016.

Alison Kirsch vom Rainforest Action Network warnte vor den Auswirkungen dieser Praxis. "Jede weitere fossile Expansion birgt das Risiko, dass die Menschheit über Generationen hinweg in eine Klimakatastrophe hineingezogen wird." Die Banken seien mitschuldig an der sich beschleunigenden Klimakatastrophe, so Kirsch. "Sie müssen ihre Unterstützung für die weitere fossile Expansion sofort einstellen."

Fossile Finanzierung trotz Netto-Null-Verpflichtung

Der Bericht betont dabei, dass auch unter den größten Banken eine kleine Zahl besonders klimaschädlich handelt: Nur zehn Banken sind für 63 Prozent der Finanzierung der 20 größten Öl- und Gasunternehmen verantwortlich. Dabei sind alle diese zehn Großbanken Mitglied der Net Zero Banking Alliance, haben sich also verpflichtet, bis 2050 auf ein Portfolio mit netto null CO2-Emissionen zu kommen.

Für Katrin Ganswindt von Urgewald ein großer Widerspruch: "Trotz Netto-Null-Verpflichtungen haben die meisten Banken keine oder nur unzureichende Richtlinien für Fossile und speziell Öl und Gas." Mehr als 96 Prozent der Öl- und Gasunternehmen expandierten weiter und brächten so das 1,5-Grad-Ziel in Gefahr. "Solange Finanzinstitute keine klaren Ausschlüsse verabschieden, sind Net-Zero-Verpflichtungen also absolutes Greenwashing", kritisierte Ganswindt.

Von den 60 aufgeführten Banken haben sich 44 zur Netto-Null 2050 verpflichtet. Urgewald zufolge haben jedoch 28 von ihnen noch immer keine "sinnvollen internen Richtlinien", um aus Öl und Gas auszusteigen.

Auch im Bericht wird die Notwendigkeit betont, "dass die Banken unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Finanzierung des Ausbaus fossiler Brennstoffe zu beenden und ihre Unterstützung auf null herunterzufahren".

Um einen 1,5-Grad-konformen Weg einzuschlagen, fordern die Umweltorganisationen die Banken dazu auf, jegliche Finanzierung für Unternehmen und Projekte auszuschließen, die die Nutzung fossiler Brennstoff ausweiten wollen. Darüber hinaus sollen Banken auch ein Ende für bereits bestehende Finanzströme einleiten, mit deren Hilfe fossile Brennstoffe gewonnen und verbrannt werden.

Insgesamt müssten die Finanzunternehmen klare Pläne vorlegen, wie sie ihre Geschäftstätigkeit auf einen 1,5-Grad-Pfad bringen wollen.

Deutsche Bank auf Platz 22, Commerzbank auf 46

Auch zwei deutsche Banken tauchen in dem fossilen Ranking des Berichts auf. Die Deutsche Bank belegt Platz 22 auf der Liste der Finanzinstitute, die in den vergangenen sechs Jahren am meisten Geld in fossile Industrien lenkten.

Zwar gebe es bei der Bank seit 2016 einen Trend, weniger Geld in fossile Energieträger zu stecken, jedoch habe diese Tendenz im vergangenen Jahr stagniert – trotz einer 2020 erweiterten Umwelt- und Sozialrichtlinie des Kreditinstituts. Insgesamt sank die Finanzierung von rund 21 Milliarden Dollar 2016 auf etwa neun Milliarden im Jahr 2021.

Die Commerzbank ist im Ranking auf Platz 46 gelistet. Im Vergleich zu 2016 hat sie die fossile Finanzierung sogar noch gesteigert, von rund 995 Millionen Dollar auf rund 1,1 Milliarden. Dazwischen erreichte das Unternehmen 2019 sogar einen Höchststand von 3,5 Milliarden Dollar.

Auch wenn Deutsche Bank und Commerzbank im Bericht nicht so schlecht abschneiden wie etwa die US-Konkurrenz, sieht Katrin Ganswindt akuten Handlungsbedarf: "Die fortlaufende Finanzierung für Öl- und Gasunternehmen, die nicht auf dem 1,5-Grad-Kurs sind, zeigt, wie dringend beide deutschen Banken ebenfalls ihre Richtlinien verbessern müssen, wenn sie ihre Netto-Null- und Nachhaltigkeitsversprechen ernst meinen."

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