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Klima-Schäden werden immer mehr zum Wirtschaftsproblem

Die US-Wirtschaft kann die Schäden durch Hurrikans laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bald nicht mehr selbst kompensieren. Denn je heißer das Klima, desto stärker die Wirbelstürme. Die Folgen für Produktion und Lieferketten treffen Verbraucher:innen weltweit.


Überflutete Häuser von oben
Überflutungen nach dem Hurrikan "Harvey" in Texas im August 2017. (Foto: SC National Guard/​Wikimedia Commons)

Heftige Monsunniederschläge hatten im August und September zur Überflutung weiter Teile Pakistans geführt. Zeitweise stand ein Drittel des Landes unter Wasser. Inzwischen haben sich die Wassermassen vielerorts zurückgezogen und ein Bild der Verwüstung hinterlassen: Zerstörte Infrastruktur, Ernteausfälle, grassierende Krankheiten. Die Regierung schätzt die Wiederaufbaukosten allein für die Infrastruktur auf mindestens zehn Milliarden Euro.

Immer häufiger treten Extremwetterereignisse auf und verursachen neben Todesopfern enorme wirtschaftliche Schäden. Auch Deutschland bleibt davon nicht verschont. Schätzungen beziffern die Schadensumme der Flutkatastrophe an Ahr und Erft von 2021 auf 30 Milliarden Euro. Doch selbst diese horrenden Summen bilden nur einen Teil des entstandenen wirtschaftlichen Schadens ab.

Wissenschaftler:innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) werfen in einer am Montag im Journal Environmental Research erschienen Studie einen umfassenderen Blick auf die Folgen von Hurrikan-Schäden in den USA. Ausgangsfrage ist, ob bei fortschreitender Erwärmung Klimaschäden noch national kompensiert werden können.

Die Autor:innen betrachten dazu auch die indirekten Folgen von Hurrikane auf die US-Wirtschaft und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis. "Die Antwort lautet: Nein, jedenfalls nicht so wie bisher", sagte Robin Middelanis vom Potsdam-Institut, Hauptautor der Studie. "Unsere Berechnungen zeigen zum ersten Mal, dass die US-Wirtschaft, immerhin eine der stärksten auf unserem Planeten, irgendwann nicht mehr in der Lage sein wird, die Produktionsausfälle in Lieferketten aus eigener Kraft auszugleichen."

Die Wissenschaftler:innen betrachten den Hurrikan "Harvey", der 2017 in Texas und Louisiana großen Schaden anrichtete. Allein durch die Zerstörungen vor Ort verursachte "Harvey" Kosten von über 125 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich beziehen die Forscher:innen aber auch die Folgen für Produktion und nationale wie globale Lieferketten ein – sogenannte indirekte wirtschaftliche Folgen. Denn die lokalen Produktionsausfälle breiten sich über die Lieferketten aus.

In ihren Simulationen berechnen die Wissenschaftler:innen die Auswirkungen von Hurrikans wie "Harvey" bei verschiedenen Niveaus der globalen Erwärmung. Dabei betrachten sie über 7.000 regionale Wirtschaftssektoren mit mehr als 1,8 Millionen Lieferkettenverbindungen. Obwohl sich die Autor:innen mit Hurrikanfolgen im Süden der USA auseinandergesetzt haben, gehen sie davon aus, dass die Erkenntnisse auch auf andere Länder und Sektoren übertragbar sind, wenn dort vergleichbare Extremwetterereignisse auftreten.

Geringere Produktion bedeutet steigende Preise

Hurrikans zählen zu den teuersten Naturkatastrophen überhaupt. In den USA sind sie für über ein Drittel der Schäden durch Extremwetterereignisse seit 1980 verantwortlich. Expert:innen erwarten durch den Temperaturanstieg zwar keine Zunahme, aber eine Intensivierung von Hurrikans.

Die Intensität eines Hurrikans hängt von der Oberflächentemperatur des Meeres ab. Je wärmer das Meer, desto mehr Energie kann der tropische Wirbelsturm aus dem Wasser ziehen. Da ein Großteil der Sonnenstrahlung von den Ozeanen absorbiert wird, ist es wenig überraschend, dass sich auch die Meere über die letzten Jahrzehnte erwärmt haben – wenn auch nur halb so schnell wie die Lufttemperatur über den Kontinenten.

Während die USA die wirtschaftlichen Folgen 2017 noch kompensieren konnten, wird das bei fortschreitendem Klimawandel immer schwieriger. "Es gibt eine Grenze, wie viel die US-Wirtschaft verkraften kann – wir wissen nur nicht genau, wo sie liegt", sagt Anders Levermann, Leiter der Komplexitätsforschung am PIK und Wissenschaftler an der New Yorker Columbia University, ein Mitautor der Studie.

2017 war es ironischerweise vor allem die Öl- und Gasindustrie in Texas, die unter "Harvey" gelitten hat. Ein Sektor, der selbst maßgeblich für die Erderwärmung mitverantwortlich ist, von dem aber auch eine große Bandbreite an Lieferketten abhängt. Bei simulierten Ausfällen in der Energieproduktion sind es Länder wie Kanada, Norwegen, Venezuela und Indonesien, die auf Kosten der US-Wirtschaft einspringen und den Produktionsausfall kompensieren.

In Zukunft werden vor allem die Länder, die am besten an die Folgen des Klimawandels angepasst sind, wirtschaftlich profitieren. Doch selbst, wenn einige Länder wirtschaftlich dazugewinnen, ist die plötzliche Verknappung von Ressourcen aus Verbraucher:innen-Sicht ungünstig: Geringere Produktion bedeutet steigende Preise.

Die Wissenschaftler:innen machen auf einige Forschungslücken aufmerksam. So konnten sie in ihrem Modell nur kurzfristige Produktionsausfälle durch den Hurrikan betrachten und keine längerfristigen Auswirkungen, etwa durch den Wiederaufbau von Infrastruktur.

In Zukunft müsse man außerdem sehen, welche Anpassungsmaßnahmen gegen Extremwetter ergriffen werden, erklärt Anders Levermann im Gespräch mit Klimareporter°. Auch damit könnten sich einige der schlimmsten Folgen vermeiden lassen. Oberste Priorität hat für Levermann allerdings etwas anderes: "Es ist eine pragmatische Schlussfolgerung, dass wir einen Anstieg der Treibhausgasemissionen vermeiden müssen, die diese Art von Störungen verstärken."

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