Holz als Geldanlage (I)

Fondsgesellschaften und Banken versprechen überdurchschnittliche Renditen mit Waldinvestments. Sicher ist das nicht. Die Werbebotschaften zu Weihnachten sind bestenfalls Hoffnungswerte.


Grafik: Eine Pflanze wächst aus einem Haufen Geldscheine
Grafik: Kristin Rabaschus

Der Waldzustandsbericht der Bundesregierung hieß früher Waldschadensbericht. Aus gutem Grund: Dem deutschen Wald geht es nämlich schlecht.

Dürren, Stürme und Borkenkäfer setzen den Bäumen zu. Dennoch ist Holz als Geldanlage im Kommen – nicht allein in der Vorweihnachtszeit.

Ein Stückchen Wald gibt es schon für ein paar Euro im Monat. Und ein gutes Gewissen gibt es noch obendrauf. Denn beispielsweise ein Hektar tropischen Regenwaldes gleicht angeblich den durchschnittlichen Ausstoß einer bundesdeutschen Familie an Treibhausgasen aus. Anleger dürften allerdings auf dem Holzweg enden, wenn sie auf eine hohe Rendite hoffen.

Super-Renditen bis zu zehn Prozent und mehr versprechen dennoch einige dubiose Fondsgesellschaften in ihrer Reklame, die sie in Internet und Magazinen massenhaft verbreiten.

Holz kann freilich aus mehreren Gründen attraktiv sein. So sollen Bäume als Geldanlage vor Finanzkrisen und Inflationsängsten schützen.

Als Sachwerte gelten sie grundsätzlich als beständig und trotzen so den Unwägbarkeiten des globalen Finanzsystems. Und im Rückblick schnitten Holz-Investments sogar zeitweise bei der Rendite besser ab als Aktien, Industrierohstoffe oder Anleihen.

Wie für Profi-Investoren steht auch für Amateur-Anleger die ganze Produktpalette bereit, die Finanzmärkte überhaupt bieten können: von der Direktinvestition in ganze Waldgebiete – mit und ohne Tannenbäume – über Anteile an Investmentfonds bis hin zu Zertifikaten, sogenannten ETFs, die beispielsweise einen Index für Bauholz nachbilden.

Mit solchen Zertifikaten können Sie mittelbar auf Holz-Gewinne wetten. Fragen Sie ihre Bank oder Sparkasse.

Auch zukünftig könnte eine überdurchschnittliche Rendite wachsen. Das weltweite Bevölkerungswachstum treibt die Nachfrage ebenso an wie das rasante Wirtschaftswachstum in Asien oder der zunehmende Luxuskonsum in Europa, der für die kommenden Jahre von Ökonomen erwartet wird.

Tropische Hölzer wie Mahagoni, Palisander oder Teakholz werden immer häufiger in Villen und Luxusyachten verbaut. Die Corona-Pandemie dürfte den schon länger zu beobachtenden Trend zum Holzkonsum sogar noch befördern.

Nachhaltiger Wald kommt aus Deutschland

Auch hierzulande steigt tendenziell die Nachfrage. Ein Grund ist das Comeback des Waldes als Energieträger. Wachsendes Umweltbewusstsein, die politische Energiewende und neue Techniken wie Holzpellet-Heizungen haben den Brennholzverbrauch in der vergangenen Dekade verdoppelt.

Auch Sägewerke und Zellstoffindustrie dürften weiter wachsen. Schließlich nimmt der Verbrauch an Papier und Verpackungen aus Pappe infolge des Erfolges des Online-Handels rasant zu. Hier wirkt Corona als Brandverstärker.

Ein Drittel der weltweiten Landoberfläche ist mit Wäldern bedeckt – vier Milliarden Hektar. Die Hälfte davon entfällt auf nur fünf Staaten: Russland, Brasilien, Kanada, USA und China. "Seit Jahrzehnten verliert die Welt große Waldflächen", beklagen Waldschutzorganisationen.

In Deutschland ist der Waldbestand trotz aller Hiobsbotschaften und vieler Klima-empfindlicher Monokulturen vergleichsweise stabil. Ein Drittel der Fläche ist hierzulande nach wie vor mit Bäumen bewachsen. Schließlich wird der Forst seit 1713 grundsätzlich nachhaltig bewirtschaftet.

Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz gilt als Schöpfer des Begriffs "Nachhaltigkeit". Vor mehr als 300 Jahren schrieb er die Idee des nachhaltigen Umgangs mit dem Forst nieder: Wo ein Baum gefällt wird, solle ein neuer gepflanzt werden. Der Oekom-Verlag in München hat von Carlowitz' Standardwerk "Sylvicultura oeconomica" 2013 neu aufgelegt.

Für Investoren haben Deutschlands Wälder jedoch zwei Nachteile. Zum einen gehört die Hälfte dem Bund und den Bundesländern, die mittlerweile Holz-Renditen zu schätzen wissen und ihr Tafelsilber nicht mehr leichtfertig verscherbeln.

Zum anderen sind die meisten Flächen zu klein, um Investoren anzuziehen. Rund zwei Millionen Eigentümer teilen sich hierzulande den Waldbesitz.

Daher sind neue Geldanlagen in deutsche Weihnachtsbäume, Fichten und Eichen in der Praxis fast nur über sogenannte Direktanlagen möglich: Der Geldanleger erwirbt "direkt" ein Stück Wald.

Die hölzerne Musik spielt also nicht wirklich in deutschen Landen, sondern im Ausland. Im Test schnitten Waldinvestments dort aber schlecht ab.

Davon sollten Sie sich allerdings nicht unbedingt abschrecken lassen. Warum das so ist, lesen Sie in Teil 11 unserer Serie "Grüne Geldanlage". Frohes Fest.

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