Holz als Geldanlage (II)

Fondsgesellschaften und Banken versprechen ihren Kunden überdurchschnittlichen Renditen. Die Werbetexte sind aber höchstens Versprechen, keine Garantien. Ein "Waldinvestment" birgt sogar häufig ein unternehmerisches Risiko.


Grafik: Eine Pflanze wächst aus einem Haufen Geldscheine
Grafik: Kristin Rabaschus

Mit Holz-Anlagen Geld "verdient" wird vor allem im Ausland. Finanzinvestoren kaufen sich in den USA, in Australien und Neuseeland ein oder beteiligen sich an Teakholz-Bäumen in Panama und Palmen-Plantagen in Thailand.

Auch Kleinanleger können davon in Form von Fondsanteilen oder Zertifikaten profitieren. Fragen Sie Ihre Bank oder Sparkasse.

Solche ausschließlich profitorientierten Geld-Anlagen lehnte der Kabarettist Georg Schramm ab. Er wurde stattdessen neben anderen Prominenten zum Gründungsinvestor von "Bauminvest". Vor zwei Jahren verschmolzen die drei Bauminvest-Gesellschaften zur Bauminvest AG in Freiburg.

Zwischen 2007 und 2020 wurden laut Firmenangaben 1.280 Hektar tropischen Dauermischwaldes in Costa Rica aufgeforstet, oft ehemalige Weideflächen. Näheres finden Sie auf der Internetseite von Bauminvest.

Ein anderer mittlerweile etablierter Anbieter ist Forest Finance. Die GmbH ist in Bonn zu Hause. Alle Wälder auf vier Kontinenten, an denen Forest Finance beteiligt ist, sind nach Firmenangaben zertifiziert und entsprechen "den höchsten Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Qualität".

Ein Bestseller ist der "Geschenk-Baum", den Sie auch im neuen Jahr für 59 Euro über Forest Finance an Ihre Lieben verschenken können. Näheres finden Sie auch hier im Internet.

"Finanztest": Alle Angebote "mangelhaft"

Nicht gerade euphorisch reagieren bislang Verbraucherschützer. Die Stiftung Warentest hat einmal nachgerechnet. "Viele Anleger glauben, dass Investitionen in Bäume nicht nur der Natur helfen, sondern auch gut für den Geldbeutel sein können."

Die Warentester haben sämtliche angebotenen Walddirektinvestments getestet, die eine Vertriebserlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) haben. Alle sieben Angebote waren "mangelhaft", darunter auch offenbar seriöse Anbieter wie Miller Forest.

Alle Anbieter, darunter Forest Finance, schneiden bei Rendite und Risiko mit "mangelhaft" ab. Die Investitionen in Bäume sind "schlecht für den Geldbeutel", lautet das Fazit der Warentester.

Den vollständigen Test "Waldinvestments" aus der Zeitschrift "Finanztest" (01/2018) finden Sie im Internet.

Nun ist diese Einschätzung der Warentester naturgemäß lediglich eine Momentaufnahme. Langfristig – siehe "Holz als Geldanlage (I)" – spricht vieles dafür, dass sich Baum-Anlagen zukünftig rechnen werden. Dennoch sollten Sie Holz höchstens als Beimischung zu anderen, sichereren Geldanlagen wählen.

Wem es nicht allein aufs Geld ankommt, der hat hier wenigstens ein attraktives Spielzeug. Dabei sollten sich Anleger am Nachhaltigkeitsgedanken orientieren. Als Erfinder des "grünen" Waldes gilt der 1714 verstorbene sächsische Forstökonom Johann "Hannß" Carl von Carlowitz.

In Zeiten der Holz- und Energienot machte er sich für eine "continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung" des Waldes stark: Es dürfe nur so viel Holz eingeschlagen werden, wie auch wieder nachwachse.

Vertrauen ist gut, Kontrolle vor Ort aber kaum möglich

Nicht überall auf dem Globus orientieren sich Waldbesitzer, Investoren und Anleger an dieser goldenen Regel des Ökonomen von Carlowitz. Bei der Bewertung von Holz-Anlagen ist es daher sehr wichtig, ob ein Nachhaltigkeitszertifikat vorliegt oder nicht.

Der Forest Stewardship Council (FSC) in Bonn ist eine unabhängige und weltweit aktive Organisation, die für die Forstwirtschaft Normen festlegt und überwacht. Statt Raubbau soll nachhaltige Waldbewirtschaftung gefördert werden.

Wie im fairen Handel oder bei der Zertifizierung des Fischfangs erfüllen auch diese Labels nicht jeden Wunsch. Sie sind aber ein nützlicher Anhaltspunkt für eine individuelle Bewertung von Anlageprodukten.

Bei Holz als Geldanlage gilt leider: Vertrauen ist gut, Kontrolle vor Ort aber kaum möglich. Achten Sie daher auf die Zertifizierungen durch Organisationen wie FSC oder Naturland.

Anbieter werden häufig mit überdurchschnittlichen Renditen in Holz-Finanzprodukte gelockt. Die Werbebotschaften sind aber bestenfalls Versprechen, keine Garantien. Eine Geldanlage in Holz birgt bei Direktanlagen, Fondsanteilen oder Zertifikaten im Regelfall ein unmittelbares oder mittelbares unternehmerisches Risiko.

Die Anlage-Bäume wachsen zudem meist außerhalb Europas. Es besteht also ein Währungsrisiko. Auch Bäume wachsen ja bekanntlich nicht in den Himmel: Selbst wenn alle Renditeträume in Erfüllung gehen, kann dies naturgegeben erst nach vielen Jahren der Fall sein.

Außerdem müssen Sie die Kosten Ihrer Geldanlage im Auge behalten. Gerade Fondsbeteiligungen können Sie beim Ein- oder Ausstieg recht teuer zu stehen kommen. Gut Holz!

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier