Neue Höchstwerte bei allen Treibhausgasen

Die Konzentration der drei wichtigsten Treibhausgase hat auch im Coronajahr 2020 neue Rekordwerte erreicht, zeigen die Daten der Weltmeteorologie­organisation WMO. Auch die Zuwachsraten sind so hoch wie nie.


Die Erde vom Weltall aus gesehen.
Die Erde vom Weltall aus gesehen. (Foto: NASA)

Vor einem Jahr warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bereits: Corona wird dem Klima weniger bringen, als viele erhoffen. Auch wenn es weniger Emissionen gibt, wird die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre trotzdem weiter steigen.

Genauso ist es gekommen, wie nun die ausgewerteten Zahlen für das Coronajahr 2020 zeigen, die von der WMO am heutigen Montag in ihrem alljährlichen Greenhouse Gas Bulletin veröffentlicht wurden.

Bei allen drei wichtigen Treibhausgasen – neben CO2 auch Methan und Lachgas – sind demnach neue Höchststände erreicht. Die Kurven steigen weiter an.

Beim Klimagas CO2, das für zwei Drittel des Erwärmungseffekts verantwortlich ist, liegt die Konzentration nun bei 413,2 ppm (parts per million). Im Jahr davor waren es 410,7 ppm.

Das Plus von 2,5 ppm ist zwar etwas geringer als der Anstieg von 2018 auf 2019 (damals waren es knapp drei ppm mehr), aber doch leicht höher als die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten zehn Jahre (diese liegt bei 2,4 ppm im Jahr) – und das, obwohl die CO2-Emissionen 2020 um sieben Prozent oder 2,4 Milliarden Tonnen zurückgegangen waren.

Ein solcher Rückgang um 2,4 Milliarden Tonnen klingt zwar erstmal beeindruckend. Einen spürbaren Effekt auf den atmosphärischen CO2-Gehalt hat dies dennoch nicht – einfach, weil sehr viele Milliarden Tonnen trotzdem ausgestoßen wurden und somit zusätzlich zu den bereits in der Atmosphäre befindlichen Mengen an Klimagasen hinzukamen.

Die Menge an Klimagasen, die sich in der Atmosphäre angereichert haben und für Aufheizung sorgen, wird erst dann zurückgehen, wenn die Netto-Emissionen gegen null tendieren. "Erst dann wird die Netto-Aufnahme durch Ökosysteme und Ozeane beginnen, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren", betont die WMO. "Solange es Emissionen gibt, steigt die Temperatur weiter an."

Beschleunigung auch bei Methan und Lachgas

Auch beim Methan, das für rund 16 Prozent des Erwärmungseffekts sorgt, stellt die WMO einen neuen Höchststand fest. Auf 1.889 ppb (parts per billion) ist der Methan-Gehalt in der Atmosphäre 2020 gestiegen, elf ppb mehr als im Vorjahr. Auch hier ist der Anstieg überdurchschnittlich – von 2018 auf 2019 lag er bei acht ppb.

Wo der zunehmende Anstieg beim Methan herkommt, ist bis heute nicht wirklich geklärt. Zu Beginn des Jahrhunderts lag er bei fast null und steigt seit 2007 rasant an.

Klar ist nur, dass rund 40 Prozent der Methan-Emissionen aus natürlichen Quellen kommen, wie etwa Moore und andere Feuchtgebiete. Die restlichen 60 Prozent verursacht der Mensch: durch die Viehhaltung, durch Reisanbau, aber auch durch die Förderung fossiler Brennstoffe, bei der Methan entweicht, sowie durch Mülldeponien und das Verbrennen von Biomasse.

Einen neuen Höchststand sowie eine gestiegene Zuwachsrate zeigen die WMO-Daten auch für das Klimagas Lachgas, das für sieben Prozent des Erwärmungseffekts verantwortlich ist.

Hier lag die atmosphärische Konzentration im Jahr 2020 durchschnittlich bei 333,2 ppb. Das ist ein Plus von 1,2 ppb gegenüber dem Vorjahr. Im Schnitt der letzten zehn Jahre betrug die jährliche Zunahme 0,99 ppb. Lachgas, das durch menschliche Aktivität freigesetzt wird, stammt aus dem Verbrennen von Biomasse und dem Einsatz von Düngemitteln.

"Dieser Anstieg bei der Konzentration von Treibhausgasen gefährdet das Paris-Abkommen", so die WMO. "Wir sind weit davon entfernt, die in dem Abkommen festgelegten Ziele zu erreichen", sagte Petteri Taalas, der Generalsekretär der Organisation.

2015, als das Paris-Abkommen beschlossen wurde, überschritt der CO2-Gehalt in der Atmosphäre die Marke von 400 ppm. "Und nur fünf Jahre später überschritt sie 413 ppm", sagte Taalas. "Das ist mehr als nur eine chemische Formel und Zahlen auf einer Grafik. Es hat erhebliche negative Auswirkungen auf unser tägliches Leben und Wohlbefinden, auf den Zustand unseres Planeten und auf die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder."

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