CO₂-Konzentration steigt trotz Corona

Durch die Corona-Lockdowns sinkt der globale CO2-Ausstoß in diesem Jahr. Eine Verschnaufpause für die Atmosphäre bringt das dennoch nicht. Die Anreicherung mit Klimagasen steigt weiter und hat Anfang Mai neue Höchststände erreicht.


Die Messstation Mauna Loa
Seit 1958 wird auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii die CO2-Konzentration in der Atmosphäre gemessen. (Foto: Christopher Michel/​Flickr)

Die Konzentration des Klimagases CO2 in der Atmosphäre hat in diesem Frühjahr erneut Rekordwerte erreicht. Anfang Mai verzeichnete das Observatorium von Mauna Loa auf Hawaii, das seit den 1950er Jahren die CO2-Konzentration misst, einen neuen Tageshöchststand von 418,1 Molekülen pro Million "Luftteilchen" (parts per million, ppm).

Im Mai 2019 hatte der höchste Tageswert bei 415,7 ppm gelegen. Vor gut 60 Jahren, als die regelmäßigen Messungen begannen, war der Anteil von CO2 in der Atmosphäre noch rund 100 ppm niedriger.

Auch in der Coronakrise, das zeigen die neuen Rekorde, steigt der Anteil von CO2 in der Atmosphäre weiter an.

Zwar verursacht die Menschheit derzeit weniger Emissionen, weil Fabriken stillstehen, Flugzeuge am Boden bleiben und weniger Schiffe und Autos unterwegs sind. In China brach der CO2-Ausstoß kurzfristig um 25 Prozent ein, stieg aber sofort wieder, nachdem der Shutdown gelockert und die Produktion wieder hochgefahren wurde.

Insgesamt dürften die Emissionen in diesem Jahr um 2,6 Milliarden Tonnen oder acht Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr, prognostiziert die Internationale Energieagentur. Der CO2-Ausstoß würde damit den niedrigsten Stand seit 2010 erreichen.

Doch auch wenn sich die IEA-Prognose bewahrheitet, wird das der Atmosphäre keine Verschnaufpause bringen. Die CO2-Konzentration steigt dennoch – nur eben etwas langsamer.

Klimaforscher vom britischen Wetterdienst Met Office rechnen damit, dass der weitere Anstieg elf Prozent geringer ausfallen wird, als es ohne Corona zu erwarten gewesen wäre. Nach ihrer Schätzung wird der CO2-Gehalt im Jahr 2020 im Jahresdurchschnitt um 2,48 ppm steigen. Ohne Corona wären es 0,32 ppm mehr gewesen.

Auch der auf Mauna Loa gemessene Mai-Rekordwert wäre ohne die Pandemie noch etwas höher ausgefallen.

Ein bisschen weniger ist noch viel zu viel

"Es ist, als würde man eine Badewanne volllaufen lassen", erläutern die Wissenschaftler. "Wenn der laufende Wasserhahn für die CO2-Emissionen steht und der Wasserstand in der Wanne für die CO2-Konzentration, dann läuft ja immer noch Wasser in die Wanne, wenn wir den Hahn zeitweilig leicht runtergedreht haben, und das Wasser steigt weiter."

Einen nachweisbaren Einfluss auf das Klima wird der derzeitige Rückgang der Emissionen laut dem Forscherteam nicht haben. Dies wäre nur der Fall, wenn der CO2-Ausstoß sehr viel stärker sinken würde. "Der Wasserhahn müsste ganz zugedreht werden, und zwar dauerhaft."

"Die Emissionen leicht zurückzufahren reduziert nicht umgehend die CO2-Konzentration, sondern verlangsamt nur den Anstieg", so die Forscher. Um die weitere Anreicherung des Klimagases in der Atmosphäre zu beenden, sei ein schneller Rückgang um 50 Prozent nötig.

Der Rückgang beim CO2-Ausstoß müsste schon außerordentlich sein, damit auch die CO2-Konzentration zurückgeht, stellt auch die für die Messstation Mauna Loa zuständige US-amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA auf ihrer Webseite klar. Die durch Covid-19 "fehlenden" Emissionen seien dies aber nicht.

Erst wenn die Emissionen längerfristig um 25 Prozent zurückgehen würden, wäre mit einem Rückgang der CO2-Konzentration im Monatsdurchschnitt um 0,2 ppm zu rechnen, so die Behörde, die deshalb für sehr viel offensivere Investitionen in saubere Energien plädiert.

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