Die Ampel-Koalition schiebt den Schwarzen Peter beim Gebäudeenergiegesetz an die Kommunen weiter. Diese müssen bis 2028 eine Wärmeplanung vorlegen, verlangt ein Klimareporter° vorliegendes Beschlusspapier. Gasheizungen können weiter als klimafreundlich gelten.
Kalenderwoche 23: Wärmenetze kommen in der Heizungsdebatte viel zu kurz, kritisiert Sebastian Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Auch im ländlichen Raum können mit Nahwärme regional vorhandene erneuerbare Energien genutzt werden.
Das Gebäudeenergiegesetz schmort in der Ampel vor sich hin – aber ein Gesetzentwurf zur kommunalen Wärmeplanung soll es in die Ressortabstimmung zwischen den Ministerien geschafft haben. Nicht wenige halten das Kommunalgesetz für wichtiger.
Immer, wenn ein Haus ohnehin saniert werden muss, sollte es auf den besten Wärmeschutz-Standard gebracht werden, sagt Passivhaus-Experte Berthold Kaufmann. Er warnt davor, jetzt noch schnell eine Erdgasheizung einzubauen.
Wirtschaftsministerin Reiche plant Milliarden-Subventionen für neue Gaskraftwerke. Doch die verstoßen gegen EU-Recht und blockieren Speicher, flexible Stromtarife und Innovationen für 100 Prozent Erneuerbare, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy. Die Energie-Genossenschaft hat Beschwerde bei der EU eingereicht.
Der bezuschusste regionale Stromtarif von Naturstrom ist eine attraktive, niedrigschwellige Möglichkeit der Teilhabe für Anwohner:innen in der Nachbarschaft von Öko-Energieanlagen.
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Die Verschiebung des Gebäudeenergiegesetzes bietet auch die Chance zu einem umfassenderen Herangehen. Es erscheint wenig sinnvoll, klimafreundliche Heizungen in einen veralteten und wenig nachhaltigen Gebäudebestand einzubauen.
Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz müssen sich nicht ausschließen, sagen Klimaaktivistin Kate Cahoon und Mietenaktivistin Lisa Vollmer. Das Problem seien unsoziale und unwirksame politische Instrumente. Wie die Zusammenarbeit der Bewegungen aussehen kann, erklären sie im Interview.
Nicht nur 65 Prozent, sondern 100 Prozent erneuerbare Energien in den Heizungen werden 2030 gebraucht, sagt der Energieexperte Hans-Josef Fell im Interview mit Klimareporter°. Dafür brauche es Offenheit für alle Erneuerbaren-Technologien.
H2-ready-Heizungen sind die neue Geheimwaffe der Gaslobby. Doch sie sparen kaum CO2 ein, es fehlen Wasserstoff und Leitungen und sie sind nicht zukunftsfähig. Wer sich so ein Ding aufschwatzen lässt, den dürfte der Einbau am Ende teuer zu stehen kommen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist mit seinem Wärmepumpen-Heizungsgesetz gewaltig unter Druck geraten. Das Gesetz muss verbessert werden, doch es zu verschieben, wäre grundfalsch.
Die Arbeitsbedingungen in vielen Unternehmen der erneuerbaren Energien bleiben hinter vergleichbaren Branchen zurück. Viele Mitarbeiter wollen nicht langfristig bleiben. Für den Übergang in eine erneuerbare Arbeitswelt ist die Branchengewerkschaft erstaunlich konzeptlos.
Von den ewigen Nörgeleien der Energiewende-Skeptiker und den lauter werdenden Beschwörungen eines umweltbedingten Totalzusammenbruchs hält Stefan Rahmstorf nichts. Der Physiker am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung will die Botschaften der Wissenschaft aber auch nicht zu positiv verkauft wissen.
Im Willy-Brandt-Haus Berlin ist die Ausstellung "Stella Polaris – Ulloriarsuaq" zu sehen. Die Exposition zeigt in atemberaubenden Fotografien aus Grönland die Schönheit und Fremdheit einer verschwindenden Welt.
Die Ampel hat ein Erneuerbaren-Ziel für Gebäudeheizungen vereinbart. Die klare Formulierung im Koalitionsvertrag haben sich die Grünen aber schon Anfang April abverhandeln lassen – noch vor dem Parteitags-Protest der FDP.
Beim Streit um das neue Gebäudeenergiegesetz, das heute im Bundeskabinett behandelt werden soll, wird oft vergessen, dass es im Kern um Klimaschutz geht. Als Faustregel beim derzeitigen Strommix kann gelten: Selbst eine ineffiziente Wärmepumpe ist bei den Emissionen nicht schlechter als eine Erdgasheizung.