Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt

Jeder Wald vermittelt die Botschaft eines geschlossenen Kreislaufs. Doch unsere Wälder sterben zurzeit, weil 80 Prozent der Bäume in Deutschland krank sind. Stirbt erst der Wald und dann der Mensch?


Fassadenbegrünung am Paula-Modersohn-Platz in Freiburg-Vauban
Pflanzen können viel stärker in Bauten und Städte integriert werden, wie hier in Freiburg-Vauban. (Foto: Andreas Schwarzkopf/​Wikimedia Commons)

In Deutschland stehen zurzeit pro Einwohner über tausend Bäume. Davon leben wir alle, weil die Bäume uns Sauerstoff und gute Luft schenken – noch!

Es scheint, als gäbe die Klimaerhitzung unseren Wäldern vollends den Rest. Dürre, Hitze und Starkregen nehmen dramatisch zu. Wie soll sich der Wald in dieser Situation noch erholen?

Bäume sind langlebig – die meisten überleben uns. Sie kommen aus der Tiefe der Vergangenheit und leben bis weit in die Zukunft hinein. Eichen oder Linden werden um die 300 bis 400 Jahre alt und älter.

Ohne den Sauerstoff, den uns die Bäume spenden, geht uns jedoch bald die Luft aus. Ohne Bäume fehlt uns künftig das natürliche Wasserreservoir, wird in Europa ein Wüstenklima herrschen.

Mit steigender Weltbevölkerung braucht die Welt also mehr Bäume. Doch nicht nur in Brasilien, auch in Ostasien und in Zentralafrika gibt es immer weniger Wald. In Kalifornien brennen auch in diesem Sommer noch mehr Wälder als 2019 und dasselbe erleben wir seit Monaten in Sibirien oder im letzten Winter in Australien.

Bäume reduzieren die Luftschadstoffe, reinigen das Wasser, sind Voraussetzung für die Artenvielfalt und bieten Menschen als Orte der Stille Erholung. Was also liegt näher, als dass wir uns wieder mit den Bäumen verbinden?

Wie aber können wir unseren Alltag begrünen? Der Öko-Querdenker und Autor Conrad Amber schlägt in seinem Buch "Bäume auf die Dächer – Wälder in die Stadt" vor: Wir können Fassaden und Dächer mit richtigen Gärten aufwerten oder die vielen Straßen in unseren Städten und Dörfern mit Bäumen zu bunten Adern des Lebens umgestalten.

Amber zeigt an vielen positiven und realisierten Beispielen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg zu einer grüneren und lebensfreundlicheren Welt.

Es gibt Alternativen

Das Wachstum der Bäume können wir nicht beschleunigen. Je früher wir aber mit dem Begrünen der Städte und Dörfer beginnen, desto besser für unsere Zukunft und erst recht für die unserer Kinder und Enkel.

Wo bereits seit Jahren Alleen gepflanzt und Stadtwälder angelegt wurden, gibt es einen Zeitvorsprung. Deshalb: Jetzt pflanzen und begrünen. Je mehr grüne Straßen, Dächer und Häuser, desto besser für eine gesunde Zukunft. Städteplaner und zukunftsfähige Politiker und Politikerinnen müssen dringend umdenken und – noch wichtiger – dringend umhandeln.

Franz Alt

ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, danach bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Als einer der ersten deutsch­sprachigen Journalisten informierte er über den Klima­wandel und die nötige Energie­wende.

Wir können die Heilkraft der Natur in unsere Nähe bringen. In der Zukunft werden Ärzte wahrscheinlich Waldspaziergänge als Medizin verschreiben – Japaner und Chinesen sprechen von "Waldbaden". Auch ein Girl und ein Boy in New York City brauchen die Natur.

Der Sommer 2020 beweist: Hitzetage werden vor allem für ältere Menschen und für Kinder immer unerträglicher. Viele Menschen stehen vor dem Hitzekoller.

Gleichzeitig werden jeden Tag in Deutschland 56 Hektar Fläche für Verkehr und Siedlungen neu verbraucht, also versiegelt.

Stattdessen können unsere Wohngebiete grüner und resilienter werden. Wasser, Natur, Plätze und Parks brauchen nachhaltige Infrastrukturen in den Städten und Dörfern der Zukunft. Das Motto lautet: "Grünfläche statt Parkplatz."

Integrativer Bestandteil von nachhaltiger Stadtplanung heißt: Stadtnatur!

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