Malle-Flug versteigern

Fliegen soll seine Privilegien verlieren – und teurer werden, fordert das Öko-Institut. Noch immer gibt es keine Steuern für Kerosin, und im Emissionshandel bekommen die Airlines einen großen Teil der Zertifikate umsonst.


Flugverkehr
Der Flugverkehr genießt zahlreiche Steuerprivilegien. (Foto: Thru Your Lens/Flickr)

Ein heikles Thema: der Flugverkehr. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erntete mit ihrem Plädoyer gegen Kurzstrecken und für eine Deckelung des internationalen Luftverkehrs jüngst viel Kritik. Der Bundestags-Wahlkampf lässt grüßen.

Doch auch aus der Wissenschaft kommen Forderungen, das Fliegen teurer zu machen – aus Klimaschutzgründen und um die Marktverzerrung gegenüber Bahn und Bus zu beenden.

Jetzt fordert das Öko-Institut aufgrund einer neuen Studie, Deutschland solle sich für eine EU-weite Besteuerung des Kerosins für Flugzeuge einsetzen und die Luftverkehrsteuer so erhöhen, dass hierdurch die fehlende Mehrwertsteuer auf internationale Flüge ausgeglichen wird.

Damit könne die heute bestehende Bevorteilung des Fliegens gegenüber anderen Verkehrsmitteln beendet werden. Außerdem würden Anreize zur Senkung der Treibhausgasemissionen gesetzt.

Anne Siemons, Wissenschaftlerin am Öko-Institut, beschreibt das Problem: "Der Luftverkehr ist die umweltschädlichste Form der Fortbewegung und hat gleichzeitig zahlreiche Privilegien gegenüber anderen Verkehrsträgern."

Tatsächlich ist der Jet-Treibstoff Kerosin von der Energiesteuer befreit. Zudem fällt auf Flüge, die die deutsche Grenze überschreiten, keine Mehrwertsteuer an. "Diese Subventionen sind klimaschädlich und sollten daher gestrichen werden", so Siemons. Erarbeitet wurde die Studie im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität.

Um Klimaschutz im Luftverkehr voranzubringen, sollten laut Öko-Institut zudem das EU-Emissionshandelssystem ETS und das internationale Luftverkehrs-Abkommen Corsia wirkungsvoller ausgestaltet werden.

Luftfahrt hinkt bei Klimazielen hinterher

Bei der anstehenden ETS-Reform müsse die bisher kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten für den Flugverkehr beendet werden. "Der Luftverkehr erhält weiterhin einen großen Teil der Zertifikate umsonst, obwohl es keine Gefahr gibt, dass er in andere Teile der Welt abwandert", sagt Studien-Mitautor Jakob Graichen. Stattdessen sollten alle Zertifikate versteigert werden.

Weiter fordern die Experten, Deutschland solle sich auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass Corsia einen echten Beitrag zum Klimaschutz leistet. Corsia regelt die Reduktion und den Ausgleich von CO2-Emissionen aus dem internationalen Luftverkehr.

Da Corsia 2022 erstmals überprüft wird, sei das eine Gelegenheit, wichtige Verbesserungen durchzusetzen. Dazu gehören für das Institut ein branchenweites Nullemissionsziel für 2050, anspruchsvollere Zwischenziele für 2035, Beimischungsquoten für synthetische Kraftstoffe sowie schärfere Anforderungen an die Qualität der CO2-Kompensationszertifikate.

Laut dem Airline-Dachverband IATA verursachte der Luftverkehr 2018 etwa 905 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht etwa 2,4 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen. Wäre der Luftverkehr ein Staat, stünde er laut Öko-Institut damit an sechster Stelle in der Liste der größten Emittenten weltweit.

Die Klimawirkung des Luftverkehrs geht jedoch über die CO2-Emissionen hinaus. Neben dem direkten Ausstoß von Treibhausgasen hat er weitere schädliche Auswirkungen auf das Klima durch Wolkenbildung und andere chemische Prozesse. Insgesamt ist der Beitrag des Luftverkehrs zur Erderwärmung etwa dreimal so groß wie der Beitrag der CO2-Emissionen allein.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Der 29-Euro-Flug ist nicht das Problem

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