Klimafreundlicher auf See

Die EU will große Schiffe in den Emissionshandel einbeziehen. Der vorgesehene CO2-Reduktionspfad beginnt moderat: Sechs Prozent der heutigen Emissionen sollen bis 2030 vermieden werden. Die Reeder warnen dennoch vor hohen Mehrkosten.


Beladenes Containerschiff von hinten, an der Seite mit der Aufschrift: Hamburg Süd, hinten mit der Aufschrift: Santa Cruz – Monrovia.
Containerschiff auf der Elbe am Hamburger Hafen: Die Seeschifffahrt auf EU-Gewässern soll in den Emissionshandel einbezogen werden. (Foto: Helmut Jungclaus/​Pixabay)

Auch für die Seeschifffahrt dürfte das EU-Klimapaket eine große Bedeutung entwickeln. So hat die Europäische Kommission angekündigt, ab 2023 alle großen Fracht- und Personenschiffe mit einer Bruttoraumzahl von 5.000 und höher in den Emissionshandel einzubeziehen.

Die Kommission legte ihr Konzept am vergangenen Mittwoch vor. Bisher handelt es sich allerdings um Vorschläge, die in den kommenden Verhandlungen mit dem EU-Parlament und den Regierungen der Mitgliedsstaaten verändert werden können.

Im EU-Emissionshandel müssen Verursacher von klimaschädlichen Abgasen Emissionszertifikate kaufen und beim Staat abliefern. Steigende Preise sollen zur Vermeidung von Kohlendioxid aus fossilen Energieträgern und von weiteren Treibhausgasen führen.

Ab 2027 sollen die Seeschiffe ihre kompletten Emissionen durch Zertifikate abdecken. Das würde für Fahrten innerhalb der EU gelten, teilweise auch außerhalb.

"Das könnte letztlich auch zu höheren Frachtpreisen und teureren Kreuzfahrttickets führen", sagte Christian Denso, Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder. In Branchenkreisen geht man von etwa 25 Prozent Mehrkosten aus.

Verbandspräsident Alfred Hartmann erklärte: "Statt einer für kleinere Schifffahrtsunternehmen nur aufwendig zu organisierenden Teilnahme an einem volatilen Emissionshandel würden wir eine feste Abgabe pro Tonne Brennstoff präferieren, weil sie Preisstabilität und damit Planbarkeit für Unternehmen bietet."

Die dickeren Brocken kommen später

Außerdem will die EU die Reedereien und Logistikunternehmen verpflichten, zunehmend CO2-arme Treibstoffe zu verwenden. Zu diesem Zweck ist eine neue Kraftstoffnorm zur Begrenzung der Treibhausgasintensität geplant. Drittens müssen die umweltschädlichsten Schiffe am Liegeplatz im Hafen Landstrom nutzen, der klimafreundlicher hergestellt wird als an Bord.

Der von der EU vorgesehene Reduktionspfad für Treibhausgase in der Seeschifffahrt beginnt moderat. Bis 2030 sollen sechs Prozent der Emissionen im Vergleich zu 2020 vermieden werden, bis 2040 dann 26 Prozent.

Die dickeren Brocken kommen später: minus 59 Prozent bis 2045 und minus 75 Prozent bis 2050. Klimaneutral wäre die Seeschifffahrt dann immer noch nicht, sondern müsste zusätzliche Maßnahmen ergreifen, etwa Aufforstung finanzieren.

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