Billigsprit bremst E-Autos aus

Der Ölpreis-Crash hat Diesel und Benzin jetzt so billig gemacht, dass mittlerweile die Stromkosten für E-Autos unterboten werden. Angesichts dessen fordern Verkehrsexperten eine schnelle Erhöhung der Mineralölsteuer um 20 Cent. Die Einnahmen könnten für die Kaufprämien für klimafreundliche Autos verwendet werden.


Diesel
Autofahren mit Diesel oder Benzin ist gerade so billig wie lange nicht. (Foto: Santeri Viinamäki/​Wikimedia Commons)

Die Kraftstoffpreise sind im Keller, bedingt durch die Corona-verursachte Schwemme auf dem Welt-Ölmarkt. Diesel kostet teilweise weniger als einen Euro, Benzin rund 1,10 Euro. Dadurch kippt  ein bisheriger Vorteil von klima- und umweltfreundlichen Elektroautos: die vergleichsweise niedrigen Betriebskosten.

Der Ladestrom für einen E-Pkw ist jetzt teurer als der Kraftstoff von der Tankstelle, den ein Diesel-Pkw ähnlicher Größe verbraucht. Für die Pläne der Bundesregierung, auf Elektromobilität umzusteigen, ist das Gift.

Experten fordern nun, die Mineralölsteuer so anzuheben, dass das Vor-Corona-Niveau wiederhergestellt ist, oder einen Mindest-Energiepreis festzusetzen.

Ein Rechenbeispiel: Der Sprit für einen Pkw, der fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer schluckt, kostet heute rund fünf Euro. Ein vergleichbares E-Auto braucht für dieselbe Strecke gut 18 Kilowattstunden Strom, die mit rund 5,50 Euro zu Buche schlagen. Diese Werte gelten zum Beispiel für einen VW Golf mit Diesel- respektive E-Antrieb. Folglich sinkt der Anreiz, auf ein E-Auto umzusteigen, das trotz staatlicher Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro meist immer noch deutlich teurer ist als ein Verbrenner.

Hinzu kommt: Fahrer von Plug-in-Hybriden, die sowohl mit Strom als auch mit Sprit fahren können, werden in dieser Situation noch stärker als bisher schon zum fossilen Antrieb tendieren, anstatt den teureren Strom zu laden und dafür noch lange Ladezeiten in Kauf zunehmen.

Den Nachteil hat die Umwelt: Der Treibhausgas-Ausstoß beim Dieselbetrieb liegt rund ein Drittel höher als beim Fahren mit Strom – fünf Liter Diesel verursachen 13,3 Kilogramm CO2, die entsprechenden gut 18 Kilowattstunden Strom beim aktuellen Strommix 7,3 Kilogramm.

Der erst ab Anfang 2021 in Deutschland geltende CO2-Festpreis von zunächst 25 Euro wird Diesel und Heizöl um nur etwa acht Cent pro Liter teurer machen, Benzin kostet dann etwa sieben Cent mehr. Selbst bei dem geplanten Anstieg des CO2-Preises auf 55 Euro im Jahr 2025 würde Diesel nur etwas über 17 Cent mehr kosten, Benzin knapp 16 Cent.

Der Berliner Verkehrsexperte Axel Friedrich spricht sich angesichts der aktuellen "Fehlanreize, die die nötige Verkehrswende aushebeln", für eine Erhöhung der Mineralölsteuer um 20 Cent pro Liter Kraftstoff aus. "Damit wäre in etwa wieder das Niveau vor Corona erreicht", sagte er Klimareporter°.

Atmende Steuer, fossiler Mindestpreis, Mobilitätsprämie

Zusätzlich empfiehlt Friedrich einen "atmenden Steuersatz", der hoch ist, wenn der Ölpreis niedrig ist, aber sinkt, wenn er wieder steigt. "Damit wäre für die Verbraucher Planungssicherheit gegeben, und sie würden sich eher für ein E-Auto entscheiden."

Die Einnahmen aus der höheren Steuer könnten dem Experten zufolge genutzt werden, um die zurzeit diskutierten Kaufprämien für klimafreundliche Autos zu finanzieren. Bei 20 Cent pro Liter kämen laut Friedrich im Jahr rund acht Milliarden Euro zusammen.

Für einen Mindestpreis bei fossilen Energien spricht sich auch die französische Regierung aus. "Extrem niedrige Preise für fossile Brennstoffe spiegeln nicht die wahren Kosten für das Klima wider", heißt es in einem Papier zum EU-Energieministertreffen in dieser Woche, aus dem das Nachrichtenportal Euractiv zitierte.

Vorgeschlagen wird darin, entweder über die EU-Richtlinie zur Besteuerung von Energieerzeugnissen oder über neue Regeln für den EU-Emissionshandel gegenzusteuern. Ein Mindestpreis sei nicht nur im Sinne der Umwelt, sondern auch der Investoren, argumentiert Paris.

Vor dem Autogipfel von Bundesregierung und Autokonzernen am kommenden Dienstag hat sich unterdessen ein breites Bündnis von Verkehrsverbänden und -unternehmen gegen "klimaschädliche Auto-Kaufprämien auf Kosten des Steuerzahler" ausgesprochen. Nötig sei vielmehr eine "Mobilitätsprämie", die den Verbrauchern die Wahl zwischen einem neuen Auto und der Investition in klimafreundliche Verkehrsmittel lässt.

"Wer will, kann sich mit dieser staatlichen Förderung Abos für den öffentlichen Personenverkehr kaufen oder auch Elektro-Bikes", heißt es in der Stellungnahme. Unterzeichnet haben unter anderem der Bundesverband der Verbraucherzentralen, der Autoclub ACE, der ökologische Verkehrsclub VCD, die Allianz pro Schiene und der Fahrradclub ADFC.

Der Beitrag wurde am 1. Mai korrigiert. Die im Rechenbeispiel zuvor genannten Verbrauchswerte bezogen sich auf Hybrid-Pkw. Bei diesen ist die Diskrepanz bei Kosten und CO2-Ausstoß noch größer als beim jetzt gewählten Beispiel von Diesel-Golf und E-Golf.

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