Es half alles nichts: Zwar hatte die Bundesnetzagentur die jüngste Ausschreibung für Biomethan-Anlagen kräftig gekürzt – von 300 auf acht Megawatt. Dennoch trudelte kein einziges Angebot bei der Behörde ein, wie sie letzte Woche bekannt gab.

Auch in der Frühjahrs-Runde hatte es null Interessierte an den Biomethan-Ausschreibungen gegeben. Dabei hatte die Netzagentur die Förderung noch auf 19,31 Cent pro Kilowattstunde heraufgesetzt.

2021 hatten noch knapp 18 Cent gereicht, damit die Bundesnetzagentur für fast alle ausgeschriebenen 150 Megawatt Biomethan auch Projekte fand. 2022 sank die bezuschlagte Menge dann rapide ab – auf 3,5 Megawatt.

Das erneute Null-Ergebnis jetzt im Herbst sei wenig überraschend, meint Sandra Rostek vom Hauptstadtbüro Bioenergie. Seit mit dem "Osterpaket" 2022 die EEG-Vergütung für Biomasse neu ausgerichtet wurde – weg von flexibler Kraft-Wärme-Kopplung hin zu reinen Biomethan-Spitzenlastkraftwerken ohne Wärmeauskopplung – sei kein einziges Gebot mehr in den Biomethan-Ausschreibungen eingegangen, so Rostek.

Für die Branchenvertreterin ist diese Neuausrichtung nicht nur energiewirtschaftlich unnötig und klimapolitisch kontraproduktiv, sie werde vom Markt auch einfach nicht angenommen.

Biomethan wird aus Biogas hergestellt, indem, vereinfacht gesagt, das CO2 aus dem Rohbiogas "herausgewaschen" wird. Das so gewonnene Methan hat den Vorteil, dass es wie Erdgas genutzt werden kann, aber als klimaverträglicher gilt.

Die meisten der rund 230 Biomethan-Anlagen speisen entsprechend ins Erdgasnetz ein. Der Gesamtabsatz von Biomethan überschritt nach Angaben der Deutschen Energieagentur (Dena) 2022 erstmals die Marke von elf Milliarden Kilowattstunden. Als Biomasse kam dabei letztes Jahr laut Dena mehr Gülle zum Einsatz, aber auch ein steigender Anteil des besonders umstrittenen Maises.

Zum Vergleich: Derzeit stellt Biogas in Deutschland jährlich bis zu 100 Milliarden Kilowattstunden Energie bereit. Rund ein Zehntel des Biogases wird derzeit in Biomethan umgewandelt. Das ist etwa ein Prozent des aktuellen Erdgasverbrauchs.

Biomethan als Treibstoff findet reißenden Absatz

Die Anzahl der Biomethan-Anlagen stagniert derzeit – siehe die Null-Ausschreibungen. Im Moment haben die Erzeuger von Biomethan tatsächlich anderes mit dem Stoff vor, als ihn zu verstromen. Besonders die Anbieter von LNG-Kraftstoffen reißen ihnen das Biomethan aus den Händen.

Sie erfüllen damit die mit der sogenannten Treibhausgasquote (THG-Quote) vorgeschriebenen CO2-Minderungspflichten. Der Einsatz von Biomethan wird dabei doppelt angerechnet.

Zwecks Erfüllung der Quote gingen vor 2020 jährlich etwa 300 bis 400 Millionen Kilowattstunden Biomethan in den Verkehr. 2021 waren es dann eine Milliarde Kilowattstunden und 2022 können es schon 1,1 Milliarden gewesen sein, gab der Fachverband Biogas letzte Woche bei einer Branchenpräsentation an.

Der Treibstoffmarkt könnte künftig sogar zwei bis drei Milliarden Kilowattstunden aufnehmen, schätzte Claudius da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Der Bedarf nach Biomethan wächst aus Sicht der Branche auch im Wärmebereich dank des Heizungsgesetzes. Da Costa Gomez rechnet hier längerfristig mit einem Bedarf von fünf bis sieben Milliarden Kilowattstunden.

Als Hauptgründe für die 2022 gestiegene Nachfrage nennt auch die Dena den Kraftstoffsektor (plus zehn Prozent) sowie dezentrale Heizungen (plus elf Prozent).

Angesichts des immensen Heizenergie-Bedarfs in Deutschland könne Biomethan aber nur ein kleines Puzzlestück in der Wärmewende sein, betonte da Costa Gomez. "Wir haben nicht den Anspruch, dass wir die Lösung für den Heizungsmarkt sind."

Allerdings reichen die derzeitigen elf Milliarden Kilowattstunden Biomethan künftig nur für Verkehr und Heizungswärme. Weil auch zunehmend Strom erzeugt werden soll, rechnet eine ältere Dena-Prognose für 2030 mit einer Energiemenge auf Biomethan-Basis von bis zu 100 Milliarden Kilowattstunden. Allerdings müsste die Biomasse dafür voraussichtlich zu großen Teilen importiert werden.

Erstmals Rückgang bei realer Anlagen-Leistung

Der zunehmende Bedarf an Biomethan scheint derzeit der einzige echte Lichtblick der Branche zu sein. Dem Biogas macht immer mehr das Auslaufen der 20-jährigen EEG-Förderung zu schaffen.

Noch 2022 gingen zahlenmäßig mehr neue Biogasanlagen bundesweit in Betrieb als stillgelegt wurden. Erstmals verringerte sich nach Verbandsangaben aber die real verfügbare Leistung der Biogasbranche.

Der Rückgang fällt für 2022 mit minus 3,6 Megawatt zwar relativ gering aus – angesichts einer Biogas-Gesamtkapazität von knapp 5.900 Megawatt. Der Minustrend werde sich aber im kommenden Jahr noch stärker bemerkbar machen, betonte da Costa Gomez.

Die Biogasbranche befinde sich in Zeiten der Energiekrise in einer Stagnation statt im Zuwachs, bedauerte auch Fachverbands-Präsident Horst Seide die aktuelle Lage. Für die "nicht schöne Situation" hat er mehrere Gründe ausgemacht, darunter die rechtliche Situation. So kosteten Genehmigungen selbst für einfache Anlagen-Einbauten Monate und jede Menge Geld.

Auch hätten die Strompreisbremse der Ampel und die damit verbundene Gewinnabschöpfung dazu geführt, dass Biogas-Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro storniert worden seien.

Unzufrieden ist der Biogas-Präsident auch mit der derzeitigen Kraftwerksstrategie der Ampel. Zur künftig nötigen flexiblen Stromerzeugung sage die Regierung, sie plane dazu Großkraftwerke, die "Wasserstoff-ready" sein sollen.

Das bedeute nichts anderes, kritisierte Seide, als dass diese Kraftwerke erst einmal mit fossilem Erdgas laufen würden. Ohnehin würden diese Anlagen erst in sechs bis sieben Jahren startklar sein. Flexible Biogasanlagen wären aber schon in drei bis vier Jahren betriebsbereit.

Inzwischen scheint die Branche wieder mehr Gehör zu finden. Seit Ende Juni ein neuer Staatssekretär ins Bundeswirtschaftsministerium berufen wurde, sei Biogas dort wieder ein Thema, berichtete Horst Seide. Die Branche erwartet nach seiner Darstellung in den nächsten Jahren einen Nettoausbau von mehreren tausend Megawatt sowohl bei Biogas als auch bei Biomethan.

Methanisierung als neues klimaneutrales Geschäft

Als ein ganz neues Geschäft kommt derzeit die sogenannte Methanisierung auf die Branche zu. Die Idee ist, Biogasanlagen mit in der Nähe befindlichen Wind- und Photovoltaikanlagen zu koppeln. Der je nach Wind und Sonne zeitweise anfallende Überschuss-Strom soll dann genutzt werden, um zunächst grünen Wasserstoff zu erzeugen. Dieser kann dann mit dem im Biogas enthaltenen CO2 zu klimaneutralem Methan synthetisiert werden.

Das sei ein so großes Thema, dass der Biogasverband dafür erst einmal eine eigene Arbeitsgruppe gegründet habe, wurde letzte Woche berichtet. Für die Methanisierung verfügten Biogasanlagen über gute Voraussetzungen, weil sie bereits ans Stromnetz angeschlossen sind und auch einen Gasspeicher als Puffer haben.

Bei dem Konzept stehe man aber noch ganz am Anfang, wurde betont. Es gebe auch noch keinen rechtlichen Rahmen.

Mittels Methanisierung könnten laut Verband bis 2030 schätzungsweise 47 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich erzeugt werden, 2050 dann 68 Milliarden Kilowattstunden. Das klimaneutrale Methan soll voraussichtlich vor allem ins bestehende Gasnetz eingespeist werden.

Welche Anteile damit am künftigen Strom- und Wärmemarkt möglich sind, ist noch schwer abzuschätzen.

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