Das sicherste Atomkraftwerk

Vor 40 Jahren beschlossen die Österreicher in einem Volksentscheid, das schon fertig gebaute AKW Zwentendorf nicht in Betrieb zu nehmen. Mit der größten Investitionsruine des Landes lassen sich trotzdem gute Geschäfte machen.


Inspektions-Workshop der IAEA im AKW Zwentendorf
Das AKW Zwentendorf wird heute für alles Mögliche genutzt – zum Beispiel für Inspektions-Workshops. (Foto: Dean Calma/​IAEA/​Flickr)

Preisfrage: Wo steht das sicherste und umweltfreundlichste Atomkraftwerk der Welt? In Frankreich, wo seit Jahren in Flamanville am "EPR" gebastelt wird, dem Druckwasserreaktor neuer Generation, der schon 2012 fertig sein sollte, stattdessen aber hauptsächlich immer teurer wird?

In China, wo die AKW-Bauer in diesem Jahr den neuen Reaktor in Yangjiang in der Rekordzeit von nur vier Jahren und acht Monaten hochgezogen haben?

Oder im ukrainischen Tschernobyl, wo rund drei Jahrzehnte nach dem Super-GAU ein neuer Stahl-Sarkophag über die bröselnde Atomruine gezogen wurde, um weitere Verseuchungen der Umgebung zu verhindern?

Antwort: In keinem dieser drei Länder. Der sicherste Reaktor steht in Österreich – in Zwentendorf an der Donau.

Der Grund: Die bereits fertiggebaute Anlage ging nie ans Netz, weil die Österreicher vor genau 40 Jahren, im November 1978, in einem Volksentscheid mit knapper Mehrheit beschlossen, der Reaktor dürfe nicht angeschaltet werden.

Damit war gleichzeitig das Schicksal dieser Energieform im ganzen Land besiegelt. Österreich ist atomkraftfrei geblieben.

Doch der Betonklotz, der einen Steinwurf von der Donau entfernt steht, wurde nicht abgerissen. Die Österreicher, findig, wie sie sind, machten ein anderes Geschäft daraus. Der Reaktor diente zeitweise als Ersatzteillager und zu Schulungszwecken.

Heute vermietet der Betreiber, der regionale Versorger EVN, die Anlage unter anderem für Konzerte, Modenschauen, Messen oder Betriebsfeiern, auch Filme wurden hier schon gedreht.

Aber auch richtiger Strom wird hier produziert. Anno 2009 installierte die EVN auf den Dächern und Freiflächen nämlich Photovoltaik-Module, deren Elektrizität hier ins Netz eingespeist wird. Außerdem entstand vor Ort ein Solar-Forschungszentrum.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Die Österreicher jedenfalls stehen auch heute einmütig hinter dem 1978 beschlossenen Atom-Aus. Bei einer von der EVN durchgeführten "Wiederholung" der Abstimmung per Online-Umfrage votierten diesmal sogar über 90 Prozent für "Nein".

Schade nur, dass die treffendste Idee zur Umnutzung des AKW nicht realisiert wurde. Der Künstler Friedensreich Hundertwasser hatte die Einrichtung eines "Museums für fehlgeleitete Technologien" vorgeschlagen.

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