Greta Thunberg legt sich mit Kanada und Norwegen an

Norwegen und Kanada bewerben sich für den UN-Sicherheitsrat. Klimaaktivist:innen und Wissenschaftler:innen haben die kleinen Inselstaaten in einem Brief aufgefordert, den beiden Ländern vor der Wahl wegen ihrer Ölförderung Druck zu machen.


Greta Thunberg spricht am Pult, hinter ihr eine EU-Flagge.
Greta Thunberg, hier bei einer Rede vor dem EU-Parlament im März. (Foto/​Ausschnitt: Europäisches Parlament/​Wikimedia Commons)

Weiter Öl fördern und dann in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wollen? Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg hat gemeinsam mit drei anderen Klimaaktivist:innen und 22 Wissenschaftler:innen einen dreiseitigen Brief geschrieben, der Kanadas und Norwegens Energiepolitik kritisiert.

"Wir schreiben Ihnen im Vorfeld der nahenden Wahlen zum UN-Sicherheitsrat, um unsere schwerwiegenden Vorbehalte gegen die aktuelle Politik zu äußern, die zwei Kandidaten – Norwegen und Kanada – derzeit verfolgen und die, wenn sie umgesetzt wird, eine erhebliche Gefahr für unsere gemeinsame Sicherheit und die der künftigen Generationen darstellt", heißt es in dem Brief, den auch Klima-Koryphäen wie Michael Mann und Hans Joachim Schellnhuber unterzeichnet haben.

Gerichtet ist das Schreiben an Vertreter:innen der von der Klimakrise stark betroffenen kleinen Insel-Entwicklungsländer bei den Vereinten Nationen in New York.

Dass Norwegen und Kanada immer noch nicht an einen Ölausstieg denken, sei unvereinbar mit dem Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderhitzung möglichst bei 1,5 Grad zu begrenzen, argumentieren Thunberg und ihre Mitzeichnenden. Sie halten auch die Ankündigungen beider Länder, die Klimakrise als Thema im UN-Sicherheitsrat zu stärken, aus diesem Grund nicht für glaubwürdig.

"Länder für Entscheidungen zu Hause zur Verantwortung ziehen"

Am 17. Juni wählt die UN-Generalversammlung die nächsten Mitglieder für den Sicherheitsrat. Kanada und Norwegen konkurrieren mit Irland um insgesamt zwei Sitze.

Zehn der 15 Plätze im UN-Sicherheitsrat werden an wechselnde Staaten vergeben, während die USA, Großbritannien, Russland, Frankreich und China ständig in dem Gremium vertreten sind. Jedes Jahr werden fünf Länder für zwei Jahre gewählt.

Dabei geht eine feste Anzahl an Sitzen an verschiedene Weltregionen. Afrika stellt drei der nichtständigen Mitglieder, Osteuropa eines. Asien und Lateinamerika bekommen je zwei Sitze. Die restlichen zwei Plätze gehen an Staaten in Westeuropa, Nordamerika oder Ozeanien.

Gewählt ist ein Land mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Die 38 kleinen Insel-Entwicklungsländer können zwar ein Land nicht allein blockieren, haben aber gemeinsam immerhin 20 Prozent der Stimmen. 

"Diejenigen Länder, die internationale Führung beim Klimaschutz für sich beanspruchen, müssen auch für ihre Entscheidungen zu Hause zur Verantwortung gezogen werden – das ist essenziell für die junge Generation, die die Konsequenzen dieser Entscheidungen erben wird", heißt es in dem Brief weiter.

"An Sie als Botschafter eines Landes, das die große Gefahr für unsere und Ihre Sicherheit kennt, ergeht unsere Bitte, dies in Gesprächen mit den Vertretern der Kandidatenländer vorzubringen und zu fordern, dass sie sich hinter die Wissenschaft stellen."

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