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Neuer UN-Klimachef kommt aus Inselstaat

Das UN-Klimasekretariat wird künftig von Simon Stiell, einem Politiker des karibischen Inselstaats Grenada, geleitet. Stiell gilt als engagierter Vertreter einer anspruchsvollen Klimapolitik, die am 1,5-Grad-Ziel ausgerichtet ist.


Simon Stiell bei einer Rede, im Hintergrund die eingerollte Staatsflagge Grenadas.
Klimaschäden auf der Tagesordnung: Simon Stiell. (Foto: Screenshot/​Government Information Service of Grenada/​Youtube)

Simon Stiell, früherer Umweltminister des kleinen Karibik-Inselstaats Grenada, wird neuer Leiter des UN-Klimasekretariats. In der vergangenen Woche hat UN-Generalsekretär António Guterres die Personalie bekannt gegeben.

Stiell war von 2013 bis zum vergangenen Juni Minister in der Regierung von Grenada – zunächst Bildungs- und dann fünf Jahre Klima- und Umweltminister. Zuvor war der Ingenieur und studierte Betriebswirtschaftler 14 Jahre im Technologiesektor tätig.

Mit Stiell wird der Posten bereits zum dritten Mal aus derselben Weltregion besetzt. Vor ihm leitete Patricia Espinosa aus Mexiko das UN-Klimasekretariat. Sie löste 2016 Christiana Figueres aus Costa Rica ab, die als eine der Architekt:innen des Pariser Klimaabkommens gilt.

"Die Wahl eines dritten Generalsekretärs aus der Region Lateinamerika und Karibik hat einige überrascht", sagte Figueres dem britischen Guardian. "Die Entscheidung unterstreicht jedoch die exponentiell wachsende Verwundbarkeit der niedrig gelegenen Inselstaaten und vieler anderer Regionen der Welt angesichts der unzureichenden Maßnahmen."

Rachel Kyte, hochrangige Beraterin von Guterres in Klimafragen, bezeichnete Stiell nach Bekanntgabe seiner Berufung als "bewährte Führungspersönlichkeit". Stiell gilt als Fürsprecher einer ambitionierten Klimapolitik, wie sie die kleinen Inselstaaten immer wieder fordern. 

Auf dem letztjährigen Klimagipfel in Glasgow wurde Stiell von Konferenzpräsident Alok Sharma beauftragt, gemeinsam mit dem dänischen Umweltminister Dan Jørgensen Konsultationen darüber zu leiten, wie die Staaten ihre Treibhausgasemissionen schneller reduzieren können, um das 1,5-Grad-Ziel des Paris-Abkommens noch zu erreichen. 

Die Gespräche führten dazu, dass sich die Staaten im Klimapakt von Glasgow darauf einigten, ihre Klimapläne für 2030 bis Ende 2022 zu überarbeiten und zu verbessern. Allerdings haben bislang erst wenige Länder – wie etwa Australien und Indien – dieses Versprechen eingelöst.

Auch Entschädigungen für klimawandelbedingte Verluste und Schäden, auf die vor allem Entwicklungsländer drängen, stehen auf Stiells Agenda. "Das Thema 'Verluste und Schäden' wird nicht verschwinden. Wir werden zurückkommen", hatte Stiell nach Abschluss der Verhandlungen in Glasgow erklärt. 

Auch viele afrikanische Staaten fordern, dass die Industriestaaten für klimabedingte Schäden aufkommen sollen, und pochen auf Fortschritte bei der nächsten Klimakonferenz im November im ägyptischen Sharm el-Sheikh, einem Gipfel auf afrikanischem Boden.

Stiell übernimmt den Posten von Ibrahim Thiaw, der das Klimasekretariat einige Wochen kommissarisch verwaltet hatte.

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