Sydney und Melbourne wollen raus aus der Kohle

Auf der Klimakonferenz in Katowice warben Vertreter der australischen Regierung für Kohlestrom. Unterdessen engagieren sich die beiden größten Städte des Landes für mehr Klimaschutz. Weltweit wird Klimapolitik immer häufiger unterhalb der nationalen Ebene gemacht.


Melbourne setzt schon länger auf erneuerbare Energien. (Foto: Wolfgang Mörsch/​Pixabay)

Die australischen Millionenstädte Sydney und Melbourne haben ankündigt, sich der Powering Past Coal Alliance anzuschließen. Die Mitglieder der Allianz verpflichten sich, aus der Kohle auszusteigen und saubere Energien zu fördern.

Zu der Allianz gehören bisher 30 nationale und 22 regionale und lokale Regierungen sowie 28 Unternehmen und Organisationen. Neben Großbritannien, Kanada, Dänemark und etlichen US-Bundesstaaten ist bereits das australische Hauptstadtterritorium rund um Canberra vertreten. Ebenfalls neu dabei sind Schottland, Israel und Senegal.

Die Powering Past Coal Alliance war im vergangenen Jahr auf der Klimakonferenz in Bonn von Kanada und Großbritannien vorgestellt worden. Allerdings ist der Zusammenschluss auch offen für Negativemissionstechnologien wie CCS, mit denen Treibhausgase nachträglich wieder eingefangen werden sollen.

Sydney möchte ab 2035 gänzlich auf erneuerbare Energien setzen. Melbourne hat kein konkretes Datum genannt, ist aber schon länger als Vorreiter aufgetreten. Die Stadt hatte zuvor mit einem Strombezugsvertrag Aufsehen erregt. Dabei verpflichten sich Kommunen, Kultureinrichtungen und Universitäten, den Strom eines neu errichteten Windparks zu kaufen. Das Projekt ist nach Angaben der Initiatoren in Australien einmalig.

Im Gegensatz zu den beiden größten Städten ist die australische Bundesregierung kohlefreundlich eingestellt. Mit jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von 16 Tonnen CO2 leben die Australier weltweit mit am klimaschädlichsten. Nicht nur auf dem heimischen Markt wird viel Kohle verbraucht, Australien ist auch Kohle-Export-Weltmeister. Seit dem Regierungswechsel im August hat das Land mit Scott Morrision wieder einen kohlefreundlichen Premierminister.

Zwar hat Australien im Herbst erneut bekräftigt, das Paris-Abkommen anzuerkennen. Dennoch betätigt sich das Land auf internationalem Parkett als klimapolitischer Bremser. Beim Klimagipfel in Katowice trat der australische Repräsentant gemeinsam mit Vertretern der US-Regierung auf einer Veranstaltung über die "saubere" Nutzung fossiler Energieträger auf, die durch Proteste von Umweltschützern unterbrochen wurde.

Während in Katowice überall der Slogan "Black to Green" zu lesen war, stehe in seinem Land eher "Back to Black" auf dem Programm, kritisiert Richie Merzian, ein früherer australischer Klimadiplomat.

Städte und Bundesstaaten gewinnen an Bedeutung

Umfragen zeigen jedoch, dass immer mehr Australier sich von ihrer Regierung größere Klimaschutzanstrengungen wünschen. In keinem anderen Land versammelten sich bei den von Greta Thunberg ins Leben gerufenen Klimaschulstreiks so viele Kinder wie in "Down Under". 15.000 junge Menschen kamen zusammen, um für Klimaschutz und gegen den geplanten Carmichael-Tagebau zu demonstrieren.

Der Protest scheint bei Unternehmen und auf regionaler Ebene mehr Gehör zu finden als bei der Regierung. Im Bundesstaat Südaustralien steht seit knapp zwei Jahren der weltgrößte Akku, gebaut von Tesla, und speichert den Strom eines Windparks. Unterstützt wurde das Projekt von der südaustralischen Regierung.

Weltweit wird die subnationale Ebene für den Klimaschutz immer wichtiger. Besonders deutlich zeigt sich das in den USA. Obwohl die Trump-Regierung den Klimawandel infrage stellt und die Energiewende aufhalten will, engagieren sich viele US-Bundesstaaten, Städte und Unternehmen für den Klimaschutz.

In Deutschland zeigen die Bundesländer unterschiedlich starke Ambitionen. Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein haben bereits ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet, am vergangenen Freitag folgte Thüringen. In der gleichen Woche hat Bayern angekündigt, ein solches Gesetz verabschieden zu wollen. 

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