Großkonzerne gehen beim Klimaschutz voran

Klimapolitik ist keine Domäne der Staaten mehr. Auf der New Yorker Klimawoche zeigt sich, dass einige Großkonzerne sich ehrgeizigere Klimaziele setzen als viele Staaten. 


Die Skyline von Manhattan.
New York City: Blick vom Rockefeller Center auf Manhattan. (Foto: Jerry Ferguson/​Wikimedia Commons)

Selten stand der Multilateralismus so sehr im Zentrum wie bei der UN-Generalversammlung, die vergangene Woche begann. Der Grund dafür ist US-Präsident Donald Trump, der Nationalismus predigte. "Wir lehnen die Ideologie des Globalismus ab und folgen der Doktrin des Patriotismus", sagte der US-Präsident vor der Versammlung.

Dem hielten nahezu alle Staats- und Regierungschefs der Welt entgegen, darunter EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker: "Der multilaterale Ansatz ist unsere einzige Chance die Zukunft unseres Planeten zu gestalten in einer Weise, die für alle akzeptabel ist."

Dabei beziehen sich beide auf einen Multilateralismus auf der Ebene von Nationalstaaten. Parallel zur UN-Generalversammlung war aber noch eine weitere Form des Multilateralismus zu beobachten – bei der gerade stattfindenden New Yorker Klimawoche. Hier stehen nicht so sehr Nationalstaaten im Vordergrund sondern Städte, Bundesstaaten, Firmen, Stiftungen und die Zivilgesellschaft.

Patricia Espinosa, die Chefin des UN-Klimasekretariats, sagte zu diesem Ansatz: "Regierungen geben die Richtung in der Klimapolitik vor, aber allein können sie die Herausforderung nicht meistern und brauchen die Unterstützung aller Beteiligten. Das führt langsam zu einem neuen, inklusiveren Multilateralismus."

Besonders profitable Unternehmen verpflichten sich zu Klimaschutz

Dieser wird vor allem von Firmen getragen. Ein Beispiel ist hier die Initiative RE100: Hier haben sich mittlerweile 152 Konzerne dazu verpflichtet, ihren Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Der gemeinsame Umsatz dieser Firmen von 3.800 Milliarden US-Dollar ist größer als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland. Auch der Strombedarf ist erheblich: 184 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Damit liegen die Firmen auf Platz 22 der Welt, zwischen Indonesien und Thailand. Zu RE100 verpflichten sich typischerweise die innovativeren und profitableren Unternehmen der jeweiligen Branche. Eine Studie der Pariser Beratungsfirma Capgemini zeigt, dass die RE100-Firmen eine Profitmarge haben, die um bis zu sieben Prozentpunkte über dem Branchenschnitt liegt. Helen Clarkson, die Chefin der Climate Group, der Organisation hinter RE100, sagt denn auch: "Energie-intelligent und Geschäfts-intelligent zu sein geht Hand in Hand."

Eine weitere Initiative der Climate Group ist EV100. Hier verpflichten sich Firmen, ihre gesamte Flotte bis 2030 auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Diese Verpflichtung haben mittlerweile 24 Konzerne wie die Deutsche Post oder Ikea abgegeben.

Politik bietet Konzernlenkern eine Bühne

Die wohl anspruchsvollste Initiative der Wirtschaft aber nennt sich Science Based Targets. Hier setzen sich Firmen Klimaziele, die aus wissenschaftlicher Sicht ausreichen, um die Klimaerwärmung auf "deutlich unter zwei Grad" zu begrenzen. Praktisch bedeutet dies, dass die Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf netto null sinken sollen.

Mittlerweile haben 140 Firmen ein solches Ziel, das bereits von der Organisation We Mean Business validiert wurde. Die Ziele von 350 weiteren Unternehmen werden derzeit noch überprüft. Dazu gehören etwa die Deutsche Bahn und Daimler.

Die Auswirkungen solcher Ziele lassen sich dann oft weltweit beobachten. Der US-Supermarktkonzern Walmart hat sich etwa zum Ziel gesetzt, in seiner Wertschöpfungskette bis zum Jahr 2030 eine Milliarde Tonnen CO2 einzusparen. Bis jetzt beteiligen sich mehr als 400 Walmart-Lieferanten am "Projekt Gigatonne". Manche setzen sich dann ebenfalls ein wissenschaftsbasiertes Ziel wie etwa Yunus Textile Mills aus Pakistan, ein Hersteller von Heimtextilien.

Denkbar großer Gegensatz zwischen US-Regierung und Konzernen

Die Firmen handeln dabei nicht losgelöst vom politischen Prozess sondern in einem Wechselspiel: Zum einen orientieren sie sich an den Zielen des Paris Abkommens und an den Berichten des Weltklimarats IPCC. Zum anderen bietet die Politik den Konzernlenkern eine große Bühne, auf der sie ihre Selbstverpflichtungen ankündigen können.

So fand im Rahmen der New Yorker Klimawoche auch der One-Planet-Gipfel unter Schirmherrschaft von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron statt. Dort wurde etwa eine gemeinsame Initiative des deutschen Umweltministeriums und des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock, vorgestellt – die Climate Finance Partnership. Diese will ein Instrument entwickeln, um in klimafreundliche Infrastruktur in Schwellenländern zu investieren.

Eine ähnliche Kooperation ist auch Google eingegangen. Der Konzern will die Emissionen von 10.000 Städten der Welt messen und arbeitet dazu mit einem Städteverbund zusammen.

Der Gegensatz zwischen der US-Position und der Haltung der Großkonzerne könnte dabei kaum größer sein. Herbert McMaster, der frühere Sicherheitsberater von Trump, beschrieb dessen Weltsicht einmal so: "Die Welt ist keine globale Gemeinschaft, sondern eine Arena, in der Nationen und Firmen um ihren Vorteil konkurrieren."

Die sonst so wettbewerbsorientierten Konzernlenker hingegen setzen auf Kooperation, um die größten Probleme der Menschheit zu lösen. Trump könnte daher das Gegenteil von seinem Ziel erreichen: Nicht mehr Nationalismus und Eigennutz, sondern eine Welt mit einem "neuen, inklusiveren Multilateralismus".

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