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Methan endlich im Fokus

Den Ausstoß des aggressiven Klimagases Methan zu senken, bringt für den Klimaschutz besonders viel. Doch die Datenlage ist schlecht. Abhilfe schaffen soll die Internationale Beobachtungsstelle für Methanemissionen, die das UN-Umweltprogramm Unep am Rande des G20-Gipfels in Rom angekündigt hat.


Bei einer Ölbohrung wird Gas abgefackelt
Das besonders aggressive Klimagas Methan entsteht unter anderem auch bei der Förderung von Erdöl und Erdgas. (Foto: Ratfink1973/​Pixabay)

Methan ist ein starkes Treibhausgas. Es entsteht unter anderem bei der Kohle-, Erdöl- und Erdgas-Gewinnung, in Mülldeponien und in der Landwirtschaft, in den Mägen von Wiederkäuern zum Beispiel. Klimaexperten sehen in einer schnellen Reduktion von Methan eine wichtige Stellschraube, um die globale Erwärmung zu bremsen.

Das UN-Umweltprogramm Unep hat nun am Rande des G20-Gipfels in Rom die Gründung einer Internationalen Beobachtungsstelle für Methanemissionen (Imeo) angekündigt. Sie soll die Basis dafür legen, dass der Ausstoß des Gases gezielt heruntergefahren werden kann. Unterstützt wird das Projekt von der EU.

Die Datenlage bei Methan ist bisher deutlich schlechter als beim wichtigsten Treibhausgas CO2. Die neue Beobachtungsstelle wird sich zunächst auf die Methanemissionen aus dem Energiesektor konzentrieren, später sollen unter anderem die Abfallwirtschaft und der Agrarsektor hinzukommen.

Genutzt werden direkte Daten von Mess-Sensoren, wissenschaftliche Studien und nationale Emissionsverzeichnisse. Unternehmen können sich freiwillig beteiligen. Die Öl- und Gasindustrie arbeitet bereits mit Unep zusammen und hat zugesagt, der Imeo Daten zur Verfügung zu stellen.

Eine Unep-Untersuchung zeigte jüngst, dass die Methanemissionen mit geringen Nettokosten fast halbiert werden können, sodass sich der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis 2050 um 0,28 Grad verringern ließe. Entsprechend verlangsamt würden Folgen des Klimawandels wie steigende Meeresspiegel, die Zunahme von Extremwetterereignissen oder Schäden an Ökosystemen.

Laut dem Pariser Klimaabkommen soll die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzt werden. Erreicht sind bereits rund 1,2 Grad, und es wird erwartet, dass ohne drastische Einsparungen die 1,5-Grad-Grenze bereits in den nächsten zwei Jahrzehnten überschritten wird.

CO2 ist für rund zwei Drittel des Treibhauseffekts verantwortlich, Methan als zweitwichtigstes Klimagas mittlerweile für fast ein Viertel.

Methan-Einsparung wirkt schnell

Maßnahmen, um den Methan-Ausstoß herunterzufahren, sind vor allem die Eindämmung von Erdöl- und Erdgaslecks, etwa an Pipelines, die Sanierung stillgelegter Kohlegruben sowie die bessere Erfassung von Emissionen aus Deponien, diskutiert werden auch Futterergänzungsmittel für Rinder. In der Energiebranche sind laut Analysen der Internationalen Energieagentur IEA Reduktionen teils sogar ohne zusätzliche Kosten möglich.

Der "Vorteil" von Methan ist, dass es in der Atmosphäre relativ schnell abgebaut wird. Es verbleibt dort nur zehn bis zwölf Jahre – CO2 hingegen für Jahrhunderte, wodurch es sich stark anreichert.

"Sich auf Methan als Treibhausgas zu fokussieren, ist längst überfällig", sagte Maria Pastuchowa vom europäischen Klima-Thinktank E3G. "Die Zeitspanne zwischen Maßnahmen und Ergebnissen ist bei Kohlendioxid viel länger."

Der Start von Imeo ergänzt die von den USA und der EU initiierte "Globale Methan-Verpflichtung" ("Global Methane Pledge"), die offiziell auf dem am heutigen Sonntag beginnenden Klimagipfel in Glasgow vorgestellt werden soll.

Mehr als 60 Länder haben bereits angekündigt, sich dieser Initiative anzuschließen. Sie verpflichten sich dazu, ihren Ausstoß bis 2030 um mindestens 30 Prozent zu senken. Die Initiatoren hoffen, dass in Glasgow auch Top-Emittenten wie China, Indien, Brasilien und Saudi-Arabien dazustoßen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte am Donnerstag in einem Pressegespräch: "Wenn man sich die Treibhausgase anschaut, ist Methan die am niedrigsten hängende Frucht." Hier müsse dringend etwas getan werden, "und wir können eine Menge tun".

In der EU sind die Methanemissionen gegenüber 1990 im Energiesektor zwar um die Hälfte zurückgegangen, in der Abfallwirtschaft um ein Drittel und im Agrarsektor um etwas mehr als ein Fünftel. Trotzdem braucht es weitere Reduktionen. Die EU will diese mit einer neuen Methanstrategie beschleunigen.

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