Der Methan-Strategie fehlt es an Ehrgeiz

Methan treibt den Klimawandel besonders stark an. Trotzdem versäumt es die EU-Kommission, in ihrer Methan-Strategie konkrete Maßnahmen zum Eindämmen des Klimagases vorzunehmen.


Erdgasbohrung: Förderturm von unten gesehen.
Probebohrung nach Erdgas: Bei der Gasförderung kommt es zu Methanschlupf – fürs Klima ein Problem. (Foto: Anita Starzycka/​Pixabay)

Eigentlich müsste die EU mit großen Schritten beim Klimaschutz vorangehen, denn sie will zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral sein. Damit das gelingt, arbeitet die EU gerade an einer Verbesserung ihres Klimaziels für 2030. 

Doch wenn es konkret wird, bleibt der Staatenbund vage – so auch bei der Methan-Strategie, die die EU-Kommission heute vorgestellt hat. Dass die Strategie kein großer Wurf wird, konnte man schon an dem geleakten Entwurf ablesen, der vor knapp zwei Monaten bekannt wurde.

Konkrete Reduktionsziele oder gar -maßnahmen für das Klimagas Methan sucht man nämlich in der Strategie vergeblich. Lediglich freiwillige Maßnahmen sind für die Landwirtschaft und den Energiesektor vorgesehen.

"Dabei steht sogar in der Strategie: Für ein EU-Klimaziel von 55 oder 60 Prozent müssen die Methanemissionen um mehr als 30 Prozent reduziert werden", sagt die grüne Europapolitikerin Jutta Paulus. Ohne bindende Maßnahmen für alle betroffenen Sektoren werde das nicht gelingen.

"Die Europäische Kommission schlägt vor, zunächst mehr Daten zum Methanausstoß zu sammeln. Dabei wissen wir mittlerweile aus Erfahrung, dass Daten allein noch lange keine Emissionen senken", meint Paulus.

Allerdings gab es auf den letzten Metern noch Verbesserungen am Entwurf der Kommission – wenn auch nur geringfügige.

"Noch im Sommer hieß es im Entwurf: Wenn Ertüchtigungen des Gasnetzes zur Verringerung der Emissionen vorgenommen werden, sollen sie mit öffentlichem Geld gefördert werden können. Dabei ist das eine Aufgabe der Regulierung", sagt Paulus. Diese Formulierung findet sich jetzt nicht mehr in der Strategie.

"Investitionen in Erdgas verhindern Klimaschutz"

Die EU ist für fünf Prozent der weltweiten Methan-Emissionen verantwortlich. Das ist keine Kleinigkeit, zumal das Gas weitaus klimaschädlicher als CO2 ist.

Ein Teil der Methan-Emissionen entsteht durch Lecks bei der Förderung, Verarbeitung und dem Transport von Erdgas. Doch Vorgaben zum Methanschlupf beim Fördern und Verteilen des Gases macht die Kommission in ihrer Strategie nicht.

"Die Klimaziele der EU erfordern wegen der damit verbundenen hohen Treibhausgasemissionen eine Reduktion des heutigen Erdgasverbrauchs", meint deshalb die Energieexpertin Hanna Brauers von der TU Berlin. Dennoch werde sogar über weitere Investitionen in Erdgas diskutiert und dabei das hohe Lock-in-Potenzial übersehen.

"Weitere Erdgasinfrastruktur würde vor allem Investitionen in erneuerbare Energien verdrängen und entweder einen hohen CO2- und Methan-Ausstoß verursachen oder wie bei der Kohle einen weiteren – gegebenenfalls kostspieligen – Verhandlungsprozess über Entschädigungen anstoßen", sagt Brauers gegenüber Klimareporter°. Das könne das Erreichen der Klimaneutralität erschweren.

Zwar fördert die EU selbst vergleichsweise wenig Erdgas, ist sie aber ein großer Markt für Erdgas: Etwa die Hälfte des gesamten international gehandelten Gases wird in Europa verbraucht.

Große Bereiche bleiben ausgespart

"Die EU bezieht ihr Gas aus Ländern wie Russland, den USA und Algerien, also aus Ländern mit beträchtlichen Methan-Emissionen", sagt Poppy Kalesi, die bei der US-Umweltorganisation EDF die europäische Erdgaspolitik beobachtet. Das verschaffe der EU eigentlich die Möglichkeit, Einfluss auf die Methan-Emissionen in Drittländern zu nehmen.

Die EU-Kommission geht selbst davon aus, dass die Methan-Emissionen, die bei Förderung, Verarbeitung und Transport von Erdgas in Drittländern entstehen, vier- bis achtmal so groß sind wie die Emissionen der Gasindustrie in der EU. Trotzdem versäumt sie es, diese Methan-Quellen in ihre Strategie einzubeziehen.

Dabei ließen sich aus Sicht der EU-Politikerin Paulus aus dem geplanten UN Methane Observatory durchaus Mindeststandards für Gasförderung und -transport ableiten. Aber die Kommission lasse offen, wann sie dazu konkrete Schritte einleiten will.

Auch der Landwirtschaft macht die Kommission in der Strategie keinerlei Vorgaben. Dabei stammt mehr als die Hälfte der europäischen Methanemissionen aus diesem Sektor – vor allem aus der intensiven Tierhaltung. In den vergangenen Jahren ist der Methanausstoß in der EU-Landwirtschaft weiter gestiegen.

"Aber man vermeidet es, über die Reduktion von Tierbeständen auch nur zu sprechen", sagt Paulus gegenüber Klimareporter°. Dabei könnten Agrarsubventionen beispielsweise auch daran gekoppelt werden, dass eine bestimmte Herdengröße pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche nicht überschritten werde.

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