Reich und unschön

"Wie die Reichen das Klima ruinieren", erklärt die Deutsche Welle, der Auslandssender der Bundesrepublik, ziemlich gut in einem Video. Warum wird ihr Luxus-Lebensstil dann dort und in anderen Medien immer noch glorifiziert?


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Wollen Sie wissen, wo die Stars Urlaub machen? Vielleicht winken Sie jetzt ab und sagen, interessiert mich nicht, brauche ich nicht. Mir geht es auch so.

Aber erstaunlich viele Medien sehen das anders. Ob in Zeitungen, Zeitschriften oder im Internet, überall wird oft und ausführlich und sehr hübsch bebildert über den glamourösen Lebensstil reicher Menschen berichtet, als wäre das von überragendem Interesse.

Nun könnte man das einfach abtun und sagen, na ja, ist halt Boulevardjournalismus, was soll's. Aber das stimmt nicht so ganz.

Heute Morgen, als ich nach einem Thema für diese Kolumne suchte, bin ich auf eine Fotostrecke über die Urlaubsorte von Stars wie George Clooney und Justin Bieber gestoßen. Und zwar dort, wo ich es nicht erwartet hatte. Nämlich bei der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik, der für Boulevardjournalismus nun wirklich nicht bekannt ist.

Die Fotos sind schön, keine Frage. Südpazifik, Bali, St. Tropez, und James Bond taucht auch noch auf. Mal abgesehen davon, dass sich wirklich nicht erschließt, warum man wissen sollte, wo Mick Jagger schon überall war in seinem Leben, ist diese intensive Beschäftigung mit den glanzvollen Seiten des Reichtums ein Problem – fürs Klima.

 

Fürs Klima? Ja, genau. Kurioserweise hat die Deutsche Welle erst vor wenigen Wochen dazu das obige Video veröffentlicht, dessen Titel die Sache gut auf den Punkt bringt: Wie die Reichen das Klima ruinieren.

In knapp zwölf Minuten wird da ziemlich gut erklärt, wo das Problem liegt: "Privatjets, Mega-Jachten, Hubschrauber, Villen: Der luxuriöse Lebensstil der Superreichen pumpt unsere Luft mit Schadstoffen voll."

Milliardär:innen wie Roman Abramowitsch, Jeff Bezos oder Kylie Jenner produzieren im Jahr so viele CO2-Emissionen wie mancher Südsee-Inselstaat, der demnächst untergehen wird.

Zahlreiche Studien und Berichte sind schon dazu erschienen, in welchem extremen Ausmaß die Reichen zum Klimawandel beitragen. Ihr CO2-Fußabdruck liegt nicht nur ein paar Tonnen über dem von weniger Begüterten, sondern beträgt ein Vielfaches davon. Deshalb hängt so viel davon ab, dass die Reichen ihr Verhalten ändern und das Klima weniger ruinieren.

Wieso passiert da nichts? Auch diese Frage beantwortet das DW-Video. Es liegt, erstens, an der Macht und dem Einfluss, den reiche Menschen haben und dafür nutzen, ihren CO2-intensiven Lebensstil zu schützen.

Verena Kern ist Co-Chefredakteurin von Klimareporter°.

Aber es liegt, zweitens, auch daran, dass dieser Lebensstil mit seinem Luxus und Glamour überall und immer wieder glorifiziert wird – statt ihn als das Problem zu beschreiben, das er ist.

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